ETH entzieht Doris Fiala den Mastertitel

Ein externes Gutachten bestätigt: Die Abschlussarbeit der FDP-Nationalrätin enthält Plagiate. Fiala bekommt aber eine zweite Chance.

Spricht von Fahrlässigkeit und nicht von Betrug: ETH Zürich.

Spricht von Fahrlässigkeit und nicht von Betrug: ETH Zürich. Bild: Keystone

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Wenn Doris Fiala auch künftig einen Mastertitel der ETH tragen will, muss sie nochmals eine Masterarbeit verfassen – und zwar ohne abzuschreiben. Wie die ETH Zürich mitteilt, hat Fiala in ihrer Abschlussarbeit für den Titel eines Master of Advanced Studies in Security Policy and Crisis Management Textstellen wörtlich übernommen, ohne dies in den Fussnoten korrekt anzugeben.

Fahrlässigkeit, aber kein Betrug

In einer Medienmitteilung schreibt die Hochschule, sie komme «nach eingehender Prüfung zum Schluss, dass Frau Fialas Verhalten als fahrlässig einzustufen ist und sie die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens klar verletzt hat». Das bedeutet, dass die Hochschule der Nationalrätin keine Betrugsabsicht unterstellt.

Dennoch bewertet die ETH die Arbeit mit «nicht bestanden». Rektor Lino Guzzella lässt aber ein Türchen für Fiala offen: Sie kann eine neue Arbeit zu einem anderen Thema verfassen. Falls sie damit besteht, wird sie den Titel wieder tragen dürfen. Die 56-jährige FDP-Politikerin nimmt die Herausforderung an: Sie wird nochmals die Schulbank drücken und eine Arbeit zu einem neuen Thema verfassen. «Nach all der investierten Zeit, Energie und auch den investierten Finanzmitteln wäre es unverzeihlich, würde ich mich nicht nochmals in die Arbeit reinknien», sagt sie. Der Lehrgang an der ETH hatte sie 65'000 Franken gekostet.

ETH gesteht selbst Mängel ein

Das Entgegenkommen der ETH erklärt sich daraus, dass sie in der Untersuchung im Fall Fiala bei sich selbst Mängel festgestellt hat. Als Fiala die Arbeit schrieb, gab es zwar Regeln für den Umgang mit der Plagiatsproblematik. «Diese waren rückblickend aber nicht auf allen Stufen der Ausbildung ausreichend verankert», sagt Rektor Guzzella. Er will darum die Regeln bei den Studierenden «stärker verankern».

Zentral ist dabei die sogenannte Eigenständigkeitserklärung. Darin erklären Studierende schriftlich und mit ihrer Unterschrift, dass sie die Arbeit selbstständig verfasst haben. Die in den meisten akademischen Ausbildungsgängen heute übliche Erklärung will Guzzella überall an der ETH für verbindlich erklären. Das war bisher nicht der Fall. Doris Fiala sagt, dass sie keine solche Erklärung unterschreiben musste.

Keine Überprüfung aller Arbeiten

Eine generelle Prüfung von schriftlichen Arbeiten will Guzzella auch künftig nicht durchführen lassen. An der ETH würden jedes Jahr mehrere Tausend schriftliche Arbeiten verfasst. Plagiatsfälle sind laut dem Rektor dabei «eine seltene Ausnahme». Die Studierenden will er deshalb nicht unter einen Generalverdacht stellen.

Enthüllung im Stadtratswahlkampf

Ende April, kurz nachdem Fiala öffentlich erklärt hatte, dass es sie reizen würde, gegen Corine Mauch (SP) als Stadtpräsidentin anzutreten, warf ihr ein Informatikmitarbeiter der Uni Zürich vor, bei ihrer Abschlussarbeit Zitate ohne Quellenangabe benützt zu haben. Die ETH startete daraufhin die Untersuchung, die jetzt zur Aberkennung von Fialas Mastertitel geführt hat.

Sehen Sie hier das Videointerview mit Doris Fiala zur Titelaberkennung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.07.2013, 08:35 Uhr

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