Plagiatsaffäre

ETH will aus dem Fall Fiala lernen

Nach der Aberkennung von Doris Fialas Mastertitel wird die renommierte Hochschule härtere Massnahmen gegen Plagiate einführen. Die Studenten selbst müssen mehr Verantwortung übernehmen.

«Ich habe Schamgefühle, aber angezählt bin ich deswegen nicht»: FDP-Nationalrätin Doris Fiala. (Archivbild Reuters)

«Ich habe Schamgefühle, aber angezählt bin ich deswegen nicht»: FDP-Nationalrätin Doris Fiala. (Archivbild Reuters)

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Die Schlagzeilen lieferte gestern der erste Teil der ETH-Medienmitteilung: Doris Fiala verliert den Titel «Master of Advanced Studies», weil sie grosse Teile abgeschrieben und ihre Quellen nicht korrekt angegeben hat. Laut der Plagiatsprüfungs-Website Vroniplag sind rund 70 der 213 Seiten dicken Arbeit ganz oder teilweise plagiiert, darunter ein Kapitel in voller Länge.

Mindestens so interessant wie der erste Teil der Medienmitteilung ist aber der zweite Teil. Dort schreibt ETH-Rektor Lino Guzzella, es habe zwar Regeln für den Umgang mit der Plagiatsproblematik gegeben. Aber: «Diese waren rückblickend nicht auf allen Ebenen der Ausbildung ausreichend verankert.» Konkret war es bisher nicht bei allen schriftlichen Arbeiten vorgeschrieben, dass die Studenten eine sogenannte Eigenständigkeitserklärung unterzeichnen. Auch die FDP-Nationalrätin hatte kein entsprechendes Formular eigenhändig unterzeichnen müssen.

Bestätigung der Studierenden

Guzzella will das ändern. In einer bereits vorliegenden Fassung einer solchen Erklärung heisst es unter anderem: «Ich bestätige, die vorliegende Arbeit selbstständig und in eigenen Worten verfasst zu haben.» Und: «Ich habe keine im ETH-Merkblatt beschriebene Form des Plagiats begangen.»

Damit legt die ETH konsequenter als bisher die Verantwortung für die Korrektheit der schriftlichen Arbeiten in die Hände der Studierenden. Die relativ milde Strafe für Fiala – sie erhält eine zweite Chance, um eine korrekte Arbeit zu schreiben – erklärt sich ihrer Ansicht nach daraus, dass die ETH eigene Versäumnisse erkannt hat. Aufschluss darüber geben könnten zwei externe Gutachten, die von der ETH angefordert wurden. Fiala selbst durfte sie bisher aber nicht einsehen.

Die ETH geht weiter als die Uni

Mit der neuen Vorschrift geht die ETH weiter als die Uni Zürich und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. Uni-Sprecher Beat Müller erklärt, dass nicht in allen Instituten die Studierenden solche Erklärungen abgeben müssen. ZHAW-Sprecherin Claudia Gähwiler sagt, dass bei den Ausbildungsstudiengängen durchgehend diese Regel gilt. Bei den Weiterbildungsstudiengängen ist die Praxis unterschiedlich: Einzelne Departemente verlangen die Erklärung, andere nicht.

Alle Zürcher Hochschulen wollen vermeiden, die Studierenden unter den Generalverdacht des Abschreibens zu stellen. Darum verzichten sie darauf, grundsätzlich jede Arbeit elektronisch auf Plagiate zu überprüfen. «Verstösse gegen die akademische Redlichkeit werden besonders bei wissenschaftlich-technischen Arbeiten rasch offensichtlich», sagt ETH-Sprecher Klingler. Die Betreuer von Abschlussarbeiten können dies laut Klingler besser überprüfen als ein Computerprogramm.

Titel von ungleichem Wert

Trotz des Falls Fiala will die ETH an der Praxis festhalten, auch Nicht-Akademiker zu ihren 16 MAS- und 16 weiteren akademischen Weiterbildungskursen zuzulassen. Klingler betont, dass es sich dabei um ein grundsätzlich anderes Angebot handelt als die «normalen» Studiengänge der ETH. Der «Master of Advanced Studies» oder MAS, der hier erworben werden kann, entspricht dem früheren Nachdiplomstudium. Er ist mit dem Master of Science oder MSc, den ETH-Ingenieure erwerben, nicht vergleichbar. Der MAS berechtigt nicht, ein Doktoratsstudium zu beginnen.Kommentar Seite 2 (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.07.2013, 07:45 Uhr

Will ihre Arbeit nachbessern: FDP-Nationalrätin Doris Fiala. Video: Sebastian Rieder

Doris Fiala ist nicht allein

Ein Plagiat ist die Anmassung fremder geistiger Leistungen (Wikipedia). Viele Plagiate enthielt die Doktorarbeit des deutschen CSU-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg. 2011 trat er deswegen als Verteidigungs­minister zurück. Nachdem die Plagiatsjäger Blut geleckt hatten, fielen in Deutschland weitere prominente Akademiker tief: EU-Parlamentarierin Silvana Koch-Mehrin (FDP) verlor im Juni 2011 ihren Doktortitel: Sie hatte abgeschrieben und falsch zitiert. Ebenfalls nicht mehr Dr. phil. ist seit Juli 2011 Jorgo Chatzimarkakis (FDP). Seine Dissertation bestand laut Vroniplag zu 70 Prozent aus Plagiaten. Die Plattform verdankt ihren Namen Veronica Sass. Die Tochter von Edmund Stoiber verlor ihren Titel im Mai 2011. Anfang 2013 wurde Bildungs­ministerin Annette Schavan (CDU) der Doktortitel aberkannt, sie trat zurück. (pa)

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