Ein Gotthard-Strassentunnel ohne Lastwagen?

Der internationale Lastwagenverkehr soll auf der Schiene durch den Gotthard rollen. Dies fordert die Alpen-Initiative für die Zeit während und nach der Sanierung des Strassentunnels.

Enge Verhältnisse: Der Gotthard-Strassentunnel.

Enge Verhältnisse: Der Gotthard-Strassentunnel. Bild: Keystone

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Vom Fahrverbot durch den Strassentunnel ausgenommen wäre nur der regionale Lkw-Verkehr aus dem Tessin und der Innerschweiz. Gemäss Fabio Pedrina, Tessiner SP-Nationalrat und Präsident der Alpen-Initiative, würde dies «noch zehn bis zwanzig Lkws» pro Tag betreffen.

Der Rest der rund einer Million Lastwagen, welche den Gotthard jedes Jahr durchqueren, sollen auf eine rollende Landstrasse, also auf die Schiene verlegt werden. Drei Verladezüge pro Stunde und Richtung zwischen Erstfeld und Biasca würden bis zu 720'000 Lkws pro Jahr durch den Berg transportieren, sind die Initianten überzeugt.

Keine Kollision mit 40-Tönnern

Eine Mehrheit der Autofahrer wünsche sich, dass die Lkws aus dem Tunnel verschwinden würden, sagte Alf Arnold, Geschäftsführer der Alpen-Initiative, vor den Medien in Bern. Das Risiko eines Lastwagenbrandes oder einer Kollision mit einem 40-Tönner sei damit praktisch eliminiert.

Zudem würde mit einem LKW-Verbot die von Verfassung und Gesetz geforderte Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene endlich umgesetzt. Das Fahrverbot soll gemäss Konzept bereits während der Sanierung des Tunnels gelten, die ab 2020 in Angriff genommen werden soll. Die Alpen-Initiative schlägt vor, den Umbau auf vier oder fünf Winterhalbjahre zu verteilen.

In der Ferienzeit im Sommer würde nicht gearbeitet, damit die Autos ungehindert in Richtung Süden fahren könnten. In den Winterhalbjahren würde ein Autoverlad zum Einsatz kommen und die Autos auf der bisherigen Bergstrecke transportieren. Eine zweite Röhre ist laut Alpen-Initiative nicht notwendig.

Vier Minuten längere Reisezeit

Für die Initianten ist die Verlagerung der Lkws auf die Schiene «eine eierlegende Wollmilchsau», wie es Arnold ausdrückte. Sie sei nicht nur am besten für die Sicherheit, sondern schone auch die Umwelt und sei am kostengünstigsten. Bei der Tunnelsanierung könne nämlich einiges eingespart werden, wenn künftig keine Lkws mehr hindurchfahren dürften - etwa bei der Lüftung, beim Sicherheitsstollen oder bei der Reparatur der Zwischendecke.

Allerdings stehen diese Pläne im Widerspruch zu den Betriebsplänen der SBB: Um die zusätzlichen LKW-Züge durch den Tunnel zu bringen, müsste die SBB den Eurocity langsamer fahren lassen - nämlich nur noch 160 Stundenkilometer statt wie geplant 200. Für die Passagiere würde dies vier Minuten mehr Reisezeit bedeuten.

ASTAG: «Märklin-Fanatiker»

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG ist von der Fahrverbotsidee im Tunnel wenig begeistert. Eine rollende Landstrasse zwischen Erstfeld und Biasca ziele vollkommen an der Realität vorbei, schreibt der ASTAG in einer Mitteilung. Heutige Logistik verlaufe nicht nach Fahrplan, sondern nach Kundenbedürfnissen. Das Konzept sei nicht mehr als eine «Illusion auf dem Reissbrett von Märklin-Fanatikern». Zwingend nötig sei vielmehr der sofortige Bau einer zweiten Röhre. (jak/sda)

Erstellt: 15.02.2011, 13:57 Uhr

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