Ein Patron gegen die Frauen

In einer Fernsehsendung musste Johann Schneider-Ammann durch ein zweites Hearing. Der Bundesratskandidat erklärte, was er seiner Kontrahentin voraus hat.

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Am Mittwochabend nahm Johann Schneider-Ammann auf dem «heissen Stuhl» der SF-Sendung «Rundschau» platz. Im Interview sollte das politische Profil des FDP-Bundesratskandidaten erhärtet werden.

Die Antworten von Johann-Schneider Ammann lieferten wenig, das nicht schon bekannt gewesen wäre: Schneider-Ammann als marktorientierter liberaler Politiker, der sich für eine starke und unabhängige Schweiz einsetzt (siehe Box). Bemerkenswert war höchstens seine kompromisslose Haltung zur Beschaffung neuer Kampfjets: «Ja, die Armee braucht neue Flugzeuge», sagte er mit fester Stimme.

Frauenregierung wie in Finnland?

Als aufschlussreicher erwies sich die persönliche Ebene, welche die «Rundschau» zu beleuchten versuchte: Was kann Schneider-Ammann mit seinen Eigenschaften im Team des Bundesrats bewirken? Dem kurzen Abtasten von Johann Schneider-Ammanns Persönlichkeitsprofil ging ein Beitrag über die finnische Regierung voraus, die schon seit Jahren von Frauen dominiert wird. Finnland, als äusserst erfolgreiches skandinavisches Land, das von frauentypischen Qualitäten profitiert – so die etwas einseitige Darstellung des Fernsehberichts.

Die aktuelle Lage in der Schweiz zeichnet sich ab: Auch der Bundesrat wird nach den Wahlen voraussichtlich von Frauen dominiert. Die Frage ist nur noch, in welchem Verhältnis: 4 zu 3 oder 5 oder 2? Anders gefragt: Wird der FDP-Bundesratssitz von Karin Keller-Suter oder Johann Schneider-Ammann besetzt?

Trockener Auftritt beim Hearing

Die «Rundschau» konfrontierte Schneider-Ammann mit dem Vorwurf, dass er in den Hearings am Dienstag etwas allzu nüchtern gewirkt habe. Ganz im Gegensatz zu seiner Kontrahentin Keller-Suter, die einen sehr engagierten Eindruck hinterliess. Zudem zeige die Entwicklung – so die «Rundschau», – dass die Beliebtheit bei Schneider-Ammann in den letzten Wochen eher abgenommen hätte, während seine St. Galler Amtskollegin nach anfänglicher Skepsis laufend Boden gut machte.

«Was mich sicher auszeichnet, ist die Erfahrung als Berufsmann», entgegnete Schneider-Ammann der Moderatorin. Zudem sei es die Teamerfahrung oder die Fähigkeit, Meinungen zu erarbeiten, die zu seinen Stärken zählen. Schneider-Ammann ist sich zudem sicher, dass er mit seiner Routine etwas mehr «Ruhe und Kohärenz» in den Bundesrat bringen könne.

Zuletzt konfrontierte die «Rundschau» den Berner mit zugespitzten Vorwürfen, die in der Öffentlichkeit gegen ihn aufgekommen waren:

«Rundschau»: Schneider Ammann ist ein Vollblutunternehmer, jedoch kein engagierter Politiker.

Schneider-Ammann: «Ich möchte mich nicht in den Vordergrund drängen. Meine Wirkung in der Politik kam bisher eher aus dem Hintergrund. Ich werte sie nicht in der Anzahl eingereichter Motionen oder Postulate.»

Schneider-Ammann ist nichts als ein knallharter Wirtschaftsvertreter.

«Ich verhandle hart, bleibe aber in meinen Darstellungen immer transparent und lasse auch andere Meinungen zu.»

Schneider-Ammann ist ein solider Schaffer ohne Visionen für das Land:

«Ich habe durchaus Visionen: Ich will beispielsweise, dass sich die Politik mehr auf die Bildung fokussiert, weil es der einzige Rohstoff der Schweiz ist. Zudem braucht es Freiraum für die Unternehmerschaft, jedoch nur wenn die Unternehmer selbst verantwortungsvoll damit umgehen.»

(mrs)

Erstellt: 15.09.2010, 23:13 Uhr

Die «Rundschau» fragte nach: Braucht die Schweiz..


  • ...neue Atomkraftwerke?: «Ja.»


  • ...Boni-Grenzen?: «Ungern, lieber nein.»


  • ...den EU-Beitritt?: «Der bilaterale Weg ist der Königsweg.»


  • ...eine Erhöhung des AHV-Alters auf 67?: «Das Rücktrittsalter muss flexibilisiert werden - also eher ja.»


  • ...Kampflufzeuge: «Ja.»


FDP-Kandidaten mit unterschiedlichen Qualitäten: Johann Schneider-Ammann und Karin Keller-Suter. (Bild: Keystone )

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