Ein Schwyzer legt 90 Millionen Franken Schwarzgeld offen

Im dritten Jahr der Steueramnestie haben sich weniger Steuersünder gemeldet. Der Staat kann aber dennoch etliche Nachsteuern einziehen. Ein Kanton verzeichnet mit Abstand am meisten Steuersünder.

2011 waren es noch 4600 Meldungen: Anzahl der gemeldeten Steuersünder pro Kanton im Jahr 2012.


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Im dritten Jahr der Mini-Steueramnestie haben sich schweizweit rund 4000 reuige Steuersünder bei den Finanzverwaltungen der Kantone gemeldet. Das sind rund 600 weniger Fälle als 2011, als rund 4600 Steuerzahlende undeklarierte Einkommen und Vermögen offen legten.

Diese neuen Selbstanzeigen spülten Kantonen, Gemeinden und Bund insgesamt rund 180 Millionen Franken in Form von Nachsteuern in die Kassen. Dies ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda. Im Vorjahr betrugen die Nachsteuern wegen der Mini-Steueramnestie rund 250 Millionen Franken.

Die Möglichkeit der straflosen Selbstanzeige war 2010 eingeführt worden: Einmal im Leben können sich Steuerhinterzieher selbst anzeigen, ohne eine Strafe fürchten zu müssen. Die Steuerbehörden gehen nun nach drei Jahren davon aus, dass die grossen hinterzogenen Vermögen inzwischen offengelegt worden sind.

Ein grosser Fisch in Schwyz

«Die grosse Welle war 2011, jetzt ebbt das ab», erklärte etwa Meinrad Betschart vom Steueramt Schwyz. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Im Kanton Schwyz legte 2012 eine einzige Person Schwarzgeld in der Höhe von 90 Millionen Franken offen.

Dies scheint in der kurzen Geschichte der Mini-Steueramnestie der grösste Fisch gewesen zu sein: In den Vorjahren berichteten Steuerämter von einzelnen undeklarierten Vermögen in der Höhe von 11 bis 48 Millionen Franken. Allerdings machten nicht alle Kantone Angaben zu solchen Offenlegungen.

Insgesamt meldeten in der Zentralschweiz (LU, UR, SZ, NW, OW, ZG) 529 Personen undeklarierte Vermögen und Einkommen - und lieferten Nachsteuern in der Höhe von 29,5 Millionen Franken ab. Das sind weniger Selbstanzeigen als im Jahr 2011, aber deutlich mehr Nachsteuern.

262 Personen meldeten sich alleine im Kanton Luzern und lieferten Nachsteuern in der Höhe von 14,1 Millionen Franken ab. Davon ging die Hälfte auf das Konto von zwei Personen. Eine musste gemäss Steueramt 5,9 Millionen nachzahlen, die andere 1,2 Millionen. In Zug ging die Zahl der Selbstanzeigen von 100 auf 85 zurück. Die Nachsteuersumme stieg aber von 4,2 auf 7,5 Millionen Franken.

Trend zeigt nach unten – mit Ausnahmen

Auch im Kanton Solothurn ging die Zahl der Selbstanzeigen um 27 auf 215 zurück, während sich die Nachsteuern von 2,3 auf 4,6 Millionen Franken verdoppelten. Im Kanton Freiburg beliefen sich die Nachsteuern 2012 auf 2,1 Millionen Franken. Im Vorjahr betrugen sie noch keine Million bei 20 Selbstanzeigen mehr. Und im Wallis stiegen die Nachsteuern um fast zwei Millionen Franken auf 6,6 Millionen bei etwas weniger Selbstanzeigen.

Dieser Trend ist jedoch nicht auf die gesamte Schweiz übertragbar. In der Mehrheit der Kantonen, aus welchen bis am Mittwoch Zahlen erhältlich waren, sank nicht nur die Zahl der Selbstanzeigen, sondern auch der Gesamtbetrag der Nachsteuern.

Einzig in den Kantonen Bern und Genf stiegen die Zahl der Selbstanzeigen und die Höhe der Nachsteuern. In Bern verzeichnete die Steuerverwaltung mit 460 Selbstanzeigen 20 mehr als im Jahr 2011. Sie bezahlten 15,9 Millionen Franken an Steuern nach. Im Vorjahr flossen 14,5 Millionen in die Staatskasse.

In Genf meldeten sich 2012 insgesamt 265 Personen. Sie lieferten dem Fiskus rund 28,2 Millionen Franken ab – sieben Millionen mehr als von den 263 Selbstanzeigern vom Vorjahr.

Markant ist der Anstieg der Selbstanzeigen im Kanton Tessin. Dort meldeten 173 Personen nicht deklarierte Vermögen. Im Vorjahr waren es noch 128. Diese Zunahme führt das Tessiner Finanzdepartement auf eine 2012 gescheiterte Steueramnestie des Kantons zurück: Auf nachträglich deklarierte Gelder hätte es nach Vorstellung der Regierung einen Steuererlass von 80 Prozent gegeben.

Zürich überflügelt alle

Der Kanton mit den meisten Selbstanzeigen ist Zürich. Im Jahr 2012 haben gemäss der Finanzdirektion 850 Personen Schwarzgelder in der Höhe von rund 528 Millionen Franken gemeldet. Die Nachsteuern betrugen insgesamt 52 Millionen Franken. Im Jahr 2011 hatten 1000 Steuersünder 612 Millionen unversteuerte Vermögen und Einkommen deklariert und Nachsteuern von 66 Millionen bezahlt.

Auch wenn die Steueramnestie ihren Höhepunkt überschritten hat, ist weiterhin mit Selbstanzeigen von Erben und Reichen und auch mit grösseren Summen zu rechnen, wie Albert Gerber vom Steueramt Obwalden erklärte.

Die Zahlen basieren auf den Auskünften von 23 Kantonen. Die beiden Appenzell sowie die Waadt machten keinerlei Angaben zu den Selbstanzeigen und den Nachsteuern. Aus den Kantonen Tessin und Schaffhausen waren zwar Zahlen zu den Selbstanzeigen, nicht aber Zahlen zu den Nachsteuern erhältlich. (mw/sda)

Erstellt: 16.01.2013, 16:43 Uhr

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