Ein Wetterschmöcker gegen die SVP

Der Bergbauer Martin Holdener kämpft um seine Schule.

Der Wetterschmöcker und Bergbauer Martin Holdener. Foto: Andreas Roovers

Der Wetterschmöcker und Bergbauer Martin Holdener. Foto: Andreas Roovers

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Schwyz ist die unbestrittene SVP-Hochburg der Schweiz. Man würde also meinen, dass die Volkspartei einen besonders guten Draht zur Bevölkerung hat. Doch das stimmt nicht überall. Zumindest im Kantonshauptort ist das Verhältnis zurzeit etwas gestört. In Schwyz finden nächsten Sonntag Gemeinderatswahlen statt. Für das Amt des Gemeindepräsidenten kandidiert seit kurzem auch Martin Holdener alias Muser-Martin.

Der Bergbauer ist Muotathaler Wetterschmöcker, er machte mit eigenwilligen meteorologischen Prognosen und dem Fondue-Werbesport «Chli stinke muess es» auf sich aufmerksam. Nun tritt Holdener gegen Amtsinhaber Xaver Schuler von der SVP an. Der Grund: Der Gemeinderat foutiere sich um die Demokratie und gehe nicht mehr auf die Bedürfnisse der Bevölkerung ein.

Bauernhof auf 1200 Meter Höhe

Auslöser für die Kampfwahl ist die geplante Schliessung des Schulhauses Haggen in Haggen­egg – einem winzigen Bergdorf, das zu Schwyz gehört und hoch über dem Hauptort liegt. Dort betreibt der 56-jährige Holdener mit seiner Familie bereits in siebter Generation einen Bauernhof auf 1200 Metern Höhe. Seine Vorfahren und diejenigen der in Haggenegg lebenden Bauernfamilien haben vor rund 80 Jahren in Fronarbeit die kleine Schule auf eigenem Land erstellt. Ende der 60er-Jahre, als Holdener selbst dort zur Schule ging, gab es 44 Schüler. Mittlerweile sind es nur noch knapp ein Dutzend Kinder, welche die Gesamtschule besuchen. Tendenz: weiter sinkend.

Anfang April beschloss die bürgerliche Regierung, Haggen auf das nächste Schuljahr zu schliessen; dies trotz mehrerer Wiedererwägungsgesuche und einer Petition mit 5700 Unterschriften. Deshalb müssen die Haggenegger Kinder bald mit dem Schulbus täglich über die schmale, steile und knapp fünf Kilometer lange Strasse ins Schwyzer Stadtzentrum pendeln.

Das Dorf in Frage: Haggenegg im Kanton Schwyz (Bild: Wikimedia Commons/Potuos)

«Wir alle haben die Schule aufgebaut – und jetzt überfährt man uns und nimmt uns alles weg», sagt Holdener enttäuscht am Telefon. Er selber hat vier Kinder. Aus Protest haben die Gegner der Schliessung zusammen mit der SP letzte Woche eine eigene Wahlliste erstellt und empfehlen die Abwahl der bürgerlichen Gemeinderäte.

«Schade, dass kein Sozi mehr im Gemeinderat sitzt»

Als Hauptgrund für die Schliessung gibt der Gemeinderat eine kantonale Vorgabe an, wonach die Richtgrösse für Primarklassen von 22 Kindern nicht um mehr als 50 Prozent unterschritten werden dürfe. Dazu kommt, dass Schwyz sparen muss. Letztes Jahr schloss die Gemeinde mit einem Defizit von 1,2 Millionen Franken ab. Ohne die Schule Haggen würden jährlich 174'000 Franken an Ausgaben wegfallen.

Aus Holdeners Sicht politisieren die Schwyzer Bürgerlichen nicht mehr bürgernah. Daher wäre ausgerechnet ihm, dem bürgerlich gesinnten Bergbauern, eine links-grün geprägte Regierung wie in den Städten Zürich oder Luzern lieber: «Schade, dass kein Sozi mehr im Gemeinderat sitzt», sagt er. «Die hätten uns sicher geholfen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.04.2018, 21:17 Uhr

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