Ein cleverer Schachzug, aber politisch heikel

Die Mobiliar steigt bei Ringier ein. Damit nähert sich die Schweiz den Verhältnissen in Frankreich an, wo grosse Medien einflussreichen Unternehmen gehören.

Ringier hat schon vor Jahren angefangen, neue Wege zu gehen. Marc Walder, CEO Ringier an der diesjährigen  Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Medien. Foto: Keystone

Ringier hat schon vor Jahren angefangen, neue Wege zu gehen. Marc Walder, CEO Ringier an der diesjährigen Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Medien. Foto: Keystone

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Medien brauchen Geld. Mit Werbeeinnahmen und aus Zeitungsverkäufen können Zeitungen und Zeitschriften ihre Kosten kaum mehr decken. Deshalb ist jeder Franken willkommen, der in die Branche investiert wird. Die Branche nimmt es entsprechend gelassen, dass mit der Mobiliar ein Versicherungskonzern beim bald 200-jährigen Traditionsmedienhaus Ringier einsteigt.

Die Transaktion wird publizistisch nicht folgenlos sein. Denn die Mobiliar hat nicht dieselben Ziele wie eine Zeitungsherausgeberin. Sie interessiert sich wohl nicht nur für die Technologiekompetenz von Ringier, wie die beiden Unternehmen am Montag sagten. Wenn das so wäre, würde eine Partnerschaft genügen, wie Ringier und die Mobiliar sie bereits pflegen.

Mit dem Aktienkauf, der die Mobiliar laut Schätzungen gegen eine Milliarde Franken kostet, sichert sich die Versicherung einen grossen Einfluss auf Medientitel wie «Blick», «Handelszeitung», «Bilanz» und viele mehr. Der Verwaltungsratspräsident sowie der Chef der Mobiliar werden künftig im Ringier-Verwaltungsrat sitzen, wo heute schon UBS-Schweiz-Präsident Lukas Gähwiler Mitglied ist. Drei von sieben Ringier-Verwaltungsräten sitzen damit in publizistikfernen Grossunternehmen.

Es ist gut, dass Bundesrat und Parlament einen Notfallplan für die Medienbranche entwerfen.

Damit nähert sich die Schweiz den Verhältnissen in Frankreich an, wo viele grosse Medien einem einflussreichen Unternehmen gehören. Die Tageszeitung «Le Figaro» beispielsweise wird vom Rüstungskonzern Dassault herausgegeben. Gewiss: Die Mobiliar verkauft keine Kampfjets. Im Gegenteil: Mit ihrer genossenschaftlichen Organisation und der herzigen Werbung, mit Bleistift auf Häuschenpapier, kommt sie sympathisch daher. Sie hat einen guten Ruf.

Dennoch ist diese Art der Mittelbeschaffung demokratiepolitisch nicht ungefährlich. Ringier hat schon vor Jahren angefangen, neue Wege zu gehen. Etwa mit Partnerschaften im Unterhaltungsbereich, die journalistisch und kommerziell gleichzeitig genutzt werden. Not macht erfinderisch. Darum ist es gut, dass Bundesrat und Parlament einen Notfallplan für die Medienbranche entwerfen.

Erstellt: 03.02.2020, 21:35 Uhr

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