Eine Wahrsagerin, misslungene Einbrüche und eine Handypanne

Die Täter im Schenkkreis-Fall töteten mit präziser Grausamkeit. Vor und nach der Tat benahmen sie sich aber dilettantisch. Sie selbst bezeichnen die Vorbereitungen als «stümperhaft». Eine Nacherzählung.

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Heute stehen in Solothurn die drei Angeklagten im Fall der sogenannten Schenkkreis-Morde vor Gericht (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live). Der heute knapp 35-jährige ehemalige Spitzensportler Patric S. und der 27-jährige Guido S. sind geständig, drei Menschen getötet zu haben. Die Mitangeklagte Ruth S. bestreitet, die Tötungen in Auftrag gegeben zu haben. Die Vorbereitungen zur grausamen Tat lesen sich wie eine Aneinanderreihung von Fehlschlägen und Misserfolgen. Selbst Guido S. sprach heute vor Gericht von «stümperhaften Vorbereitungen». In einem Interview mit dem «Blick» von Anfang Jahr erklärte Patric S., wie es zur Tat kam.

Angefangen habe es mit Fehlinvestitionen an der Börse, dazu kam ein finanzielles Abenteuer rund um eine gescheiterte Bareröffnung in München. Auch der Mitangeklagte Guido S. habe sich mit einem Pizzaladen finanziell verkalkuliert. Aus der Patsche half ihnen Ruth S. Sie holte die beiden auch in den Schenkkreis, der vom späteren Mordopfer Margrit D. angeführt wurde.

Misslungene Einbruchsversuche

Bald übte Ruth S. Druck aus auf die beiden Männer, ihre Schulden schnellstmöglich zurückzuzahlen. Patric S. plante deshalb, einen Geldautomaten in die Luft zu sprengen. Obwohl er vom Gelingen des Plans überzeugt war, verwarf er ihn wieder. Stattdessen versuchte er zusammen mit Guido S. in zwei Volg-Filialen einzubrechen. Doch dieses Vorhaben war nicht von Erfolg gekrönt: Mit Brecheisen und Bohrmaschinen versuchten die Männer Türen und Scheiben einer Filiale einzuschlagen – sie scheiterten.

Die nächste Idee bestand darin, bei einer Kabelfirma tonnenweise Kupfer zu stehlen. Doch weil der dafür notwendige Lastwagen nicht sofort zur Verfügung stand, entschied man sich schliesslich zu einem Überfall auf Margrit D. Bei ihr zu Hause erhofften sich die Täter hohe Bargeldbestände aus den Schenkkreis-Aktivitäten. Verschiedene Einbruchsversuche schlugen fehl. Einmal standen Patric S. und Guido S. sogar mit Sturmmasken vor der Wohnung von Margrit D. Als diese die Tür nicht öffnete, zogen die Männer wieder ab.

Wenige Tausend Franken und billiger Modeschmuck

Am 5. Juni 2009 entschlossen sich die beiden im Gespräch mit Ruth S., einen Termin bei ihrem späteren Opfer zu vereinbaren. Den halben Tag warteten sie auf eine Flasche Chloroform, die ein Bekannter hätte vorbeibringen sollen. Doch dieser kam nicht, die beiden Männer fuhren trotzdem zu Margrit D. Während Patric S. die Frau ablenkte, durchsuchte Guido S. deren Büro, stellte sich laut Patric S. aber «blöd» an: «Man hörte das Rascheln aus dem Büro.»

Daraufhin töteten sie Margrit D. und brachten in der Wohnung im oberen Stock auch deren Mann und die erwachsene Tochter auf brutalste Weise um. Nach eigenen Angaben hatten sie vor der Tat starke Drogen konsumiert. Sie durchsuchten die Wohnung nach Geld und baten dabei telefonisch eine Wahrsagerin um Hilfe, welche ihnen bereits im Vorfeld eine fette Beute prophezeit hatte. Die Wahrsagerin sollte aus der Ferne die Wohnung «auspendeln».

Nach der Gewaltorgie verliessen die Täter die Wohnung mit einer Ausbeute von wenigen Tausend Franken Bargeld und verschiedenen Schmuckartikeln. Danach wollten sie zurück ins Büro im Souterrain, fanden aber den dafür nötigen Schlüssel nicht mehr. So liessen sie einerseits einen Plastiksack mit Fingerabdrücken zurück und übersahen auch rund 35'000 Euro in bar, welche die Schenkkreis-Chefin im Büro versteckt hatte. Der gestohlene Schmuck stellte sich im Nachhinein als «billiger Modeschmuck» heraus.

Telefon mit registriertem Handy

Die Polizei kam dem Trio schnell auf die Spur. Dafür sorgten die beiden Haupttäter grösstenteils selbst. So telefonierte Guido S. während der Tat mit einem registrierten Handy. Zudem war der Tatort mit DNA-Spuren und Fingerabdrücken übersät. Die Täter konnten verhaftet werden. Der Zugriff auf Patric S. durch ein Polizeikommando erfolgte, als er von einem befreundeten Polizisten unter einem falschen Vorwand an einen Treffpunkt gelockt wurde. (mpl)

Erstellt: 30.04.2012, 18:58 Uhr

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