Einreisestopp für Aupairs aus Amerika und Asien

Die Halbierung der Kontingente für Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten trifft nicht nur Grossfirmen oder internationale Konzerne mit bedeutenden Niederlassungen in der Schweiz.

Beliebte Angestellte: Ein Aupair bei der Hausarbeit für eine Familie in Lausanne.

Beliebte Angestellte: Ein Aupair bei der Hausarbeit für eine Familie in Lausanne.

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Seit Anfang 2008 können Schweizer Familien ein Au-pair-Mädchen aus jedem Land der Welt anstellen. Diese Regelung für Drittstaaten hat neue Märkte für Vermittlungsfirmen geöffnet. So etwa für die Aargauer Agentur Perfect Way. Sie hat sich auf die Rekrutierung von Philippinerinnen spezialisiert. Rund 100 Mädchen konnten letztes Jahr in Gastfamilien platziert werden.

Doch mittlerweile harzt das Geschäft beträchtlich. Der Grund: Wegen der gestiegenen Arbeitslosigkeit hatte der Bundesrat die Zuwanderung von Arbeitskräften aus Staaten ausserhalb der EU und der Efta gebremst. Er halbierte die Kontingente für Kurzaufenthaltsbewilligungen ab Anfang 2010 auf 3500. In diese Kategorie fallen auch die Aupairs. Sie dürfen maximal zwölf Monate in der Schweiz arbeiten.

Kontingente ausgeschöpft

Nach welchen Branchen die Gesamtzahl der Bewilligungen aufgeteilt wird, entscheiden die Kantone. Dabei ist es naheliegend, dass Arbeitskräfte mit einer hohen Wertschöpfung vom halbierten Kuchen noch die grössten Stücke erhalten. Die Folge: Einzelne Kantone wie beispielsweise Genf strichen das Teilkontingent für Aupairs gleich ganz. In den Kantonen Zürich, Thurgau und Schwyz war es bereits nach wenigen Wochen ausgeschöpft.

Für die Geschäftsführerin der Beratungsfirma Perfect Way ist es unverständlich, dass auch Aupairs unter die Kontingentregelung fallen: «Mit ihrem Nettolohn von 700 Franken pro Monat stellen sie für die arbeitslose Bevölkerung in der Schweiz keine Konkurrenz dar», sagt Karin Schatzmann. Zudem sei neben Kinderbetreuung und Haushaltshilfe der Kulturaustausch zentral. Dazu gehören das Lernen der Landessprache und die «vertiefte Kenntnis des Gastgeberlandes», wie es in der Weisung des Bundes heisst.

Hohe Nachfrage

«Ein Au-pair-Mädchen nimmt keinem Schweizer die Arbeit weg», betont auch Angela Weber, Leiterin der Zweigstelle Thurgau von Pro Filia, der schweizweit grössten Vermittlungsagentur. «Aufgrund der reduzierten Kontingente können wir die Nachfrage nicht mehr stillen», sagt sie, und diese sei trotz steigendem Angebot an Kinderkrippen nach wie vor gross. Zwar versuche man vermehrt, Mädchen aus den neuen EU-Ländern zu rekrutieren. «Doch viele Familien wollen lieber ein Aupair aus den USA oder aus Kanada und nicht aus Polen oder Rumänien.»

Aus Sicht der Vermittlungsfirmen ist es prinzipiell falsch, Aupairs punkto Kontingentierung gleich zu behandeln wie hoch bezahlte IT-Spezialisten und Fachkräfte der Finanzbranche. Sie fordern deshalb separate Kontingente. Doch beim Bundesamt für Migration hält man das nicht für praktikabel. «Dann müsste man alle Weiterbildungsaufenthalte gesondert behandeln, zum Beispiel auch Praktika während oder nach dem Studium», sagt BFM-Sprecherin Marie Avet. Die Aufrechterhaltung von Kontingenten in diesem Bereich ermögliche zudem eine bessere Kontrolle: «Es gilt zu verhindern, dass Aupairs als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.»

Im Schlepptau von Google

Wie lange die prekäre Situation bei der Vermittlung von Au-pair-Mädchen anhält, ist vorerst offen. Im Juni entscheidet der Bundesrat, ob er die Kontingente für Arbeitskräfte aus Drittstaaten wieder aufstockt. Er steht dabei unter massivem Druck der Wirtschaft und der Kantone. Bereits im Februar hatte die Konferenz der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren (VDK) Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf einen Protestbrief in dieser Angelegenheit geschrieben, wie Roland Mayer, stellvertretender VDK-Sekretär, bestätigt.

In dem Schreiben schlagen die Kantone Alarm. Sie warnen davor, dass wegen der restriktiven Bewilligungspraxis für Drittstaatler namhafte Firmen ihre Aktivitäten in der Schweiz reduzieren oder gar in andere Länder verlegen könnten. Bereits medienwirksam damit gedroht hat beispielsweise das Google-Forschungszentrum in Zürich, das innert sechs Jahren 600 Stellen geschaffen hat. Falls der Bundesrat dem Druck nachgibt, könnten im Schlepptau der Grossfirmen auch die Au-pair-Vermittler profitieren.

Erstellt: 14.04.2010, 23:18 Uhr

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