Einsiedeln präsentiert Bilanz der sexuellen Übergriffe

Eine unabhängige Untersuchungskommission bestätigt, was viele bereits vermuteten: Im Kloster Einsiedeln kam es in den letzten 60 Jahren zu zahlreichen Übergriffen.

In 60 Jahren haben sich 15 Mönche des sexuellen Übergriffs schuldig gemacht: Kloster in Einsiedeln.

In 60 Jahren haben sich 15 Mönche des sexuellen Übergriffs schuldig gemacht: Kloster in Einsiedeln. Bild: Keystone

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Im Kloster Einsiedeln und den ihm angeschlossenen Institutionen haben sich in den letzten 60 Jahren 15 Mönche eines sexuellen Übergriffes schuldig gemacht. Die Zahl der Opfer dürfte sich auf rund 40 belaufen.

Dies teilte die unabhängige Untersuchungskommission heute mit, die im Auftrag von Abt Martin Werlen die Vorkommnisse aufgearbeitet hat. Neun Mönche vergingen sich an Minderjährigen. Der grösste Teil dieser Übergriffe entfällt auf die 60er- und 70er-Jahre und geht zu Lasten von drei Mönchen.

Letzter Übegriff erfolgte von dementem Mönch

Die Untersuchungskommission attestierte dem Kloster, dass es im Rahmen seiner Möglichkeiten auf die bekannten Vorfälle reagiert habe. 1998 erliess das Kloster präventive Massnahmen. Seither wurde noch ein Fall bekannt, der von einem dementen und strafunfähigen Mönch begangen wurde.

Werlen zeigte sich über die grosse Zahl der Fälle erschreckt. Die Klostergemeinschaft habe sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Sexuelle Übergriffe zur Sprache zu bringen sei kein Tabu mehr im Kloster, sagte er, und bat die Opfer um Verzeihung.

(mrs/sda)

Erstellt: 27.01.2011, 11:58 Uhr

Sexuelle Übergriffe seit den 90er-Jahren ein öffentliches Thema

Die Debatte über sexuellen Missbrauch in der römisch- katholischen Kirche hat vor gut 25 Jahren in Nordamerika und in Irland ihren Anfang genommen. In Grossbritannien und Kontinental- Europa flammte sie vor über 10 Jahren auf.

Auch in der Schweiz wurden damals Missbrauchsfälle ruchbar, die allerdings meist viele Jahre zurücklagen. Mehrere katholische Geistliche wurden verurteilt, so etwa 1998 im Tessin ein ehemaliger Pfarrer von Lumino und Castione und 1999 ein Pfarrer von Chiasso. 2001 wurde ein pädophiler Priester im Kanton Jura wegen Pornographie zu drei Monaten Zuchthaus verurteilt.

Anfang 2003 wurde der frühere katholische Pfarrer von Uznach SG und Walenstadt SG vom Kreisgericht Gaster-See wegen Missbrauchs von Kindern zu einer Zuchthausstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Bei den Untersuchungen kamen auch pädophile Verfehlungen seines Vorgängers heraus.

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