«Einstiegsdroge» Kaugummizigaretten droht Verbot

Nach den Erwachsenen sind nun auch die Kinder dran: Kaugummi- und Schokozigaretten könnten in der Schweiz bald verboten sein.

WHO empfiehlt ein Verbot: Kaugummizigaretten.

WHO empfiehlt ein Verbot: Kaugummizigaretten.

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Wer kennt sie nicht, diese bröckelnden Kaugummizigaretten vom Kiosk, die wir uns als Kinder genüsslich in den Mund gesteckt und an denen wir theatralisch gezogen haben. Den ekligen Geschmack haben wir grosszügig ignoriert. Damit könnte es bald vorbei sein, Schweizer Dreikäsehochs droht das Rauchverbot.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich dem Problem «Candy Cigarettes» bereits angenommen. In ihrer Konvention für Tabakprävention hält sie fest, dass jegliche Süssigkeiten in Zigarettenform verboten werden sollen. Noch ist die Konvention für die Schweiz nicht verbindlich, obwohl der Bundesrat sie schon vor sechs Jahren unterzeichnet hat. Zur Ratifizierung fehlen jedoch noch die entsprechenden Gesetze.

«Es ist paradox»

Die Schweiz soll nun möglichst schnell nachziehen. «Es ist paradox, dass überall Tabakprävention betrieben wird, Kinder jedoch immer noch Kaugummis in Zigarettenform kaufen können», sagt Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz. Auch Thomas Beutler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz fordert, dass die WHO-Konvention endlich ratifiziert werden soll. «Candy Cigarettes» seien zwar nicht das akuteste Präventionsproblem. Trotzdem: «Kinder lernen damit den spielerischen Umgang mit Zigaretten und werden so zum Rauchen angelernt.»

So hat eine amerikanische Studie herausgefunden, dass Kaugummi- und Schokoladezigaretten tatsächlich Einstiegsdrogen sein können: Von 25´887 befragten rauchenden US-Amerikanern hatten 22 Prozent in ihrer Kindheit regelmässig zu den süssen Glimmstängeln gegriffen – bei den Nichtrauchern waren es dagegen nur 14 Prozent. «Bonbons und Kaugummis, die wie Zigaretten aussehen, machen Kinder hellhörig für Tabakwerbung – lange bevor sie überhaupt selber rauchen können», wurde der Studienleiter Jonathan Klein in «Science Daily» zitiert.

Kultobjekt in Schweizer Kiosks

Verschiedene Länder wie Frankreich, Luxemburg, Belgien oder Südafrika erwägen ein Verbot. In den meisten Schweizer Kiosken sind Kaugummizigaretten nach wie vor zu kaufen, für 1 Franken 20 pro Schachtel. «Die Nachfrage ist ungebrochen. Schliesslich gehören Kaugummizigaretten zu den traditionellsten Kioskartikeln, die wir verkaufen», bestätigt Ursula Wulfssen-Dütschler von der Medienstelle der Valora Kiosk AG.

Bis die WHO-Konvention ratifiziert ist und sie in der Schweiz rechtsverbindlich gilt, dürften die Kaugummi-Zigaretten weiterhin zu kaufen sein. « Wir sind leider noch weit von einer Ratifizierung entfernt», so Thomas Beutler. Momentan sei das Thema Tabak im Lebensmittelgesetz geregelt. Bei der nächsten Revision des Lebensmittelgesetzes sollen die entsprechenden Tabak-Artikel ausgegliedert und in einem eigenen Gesetz zusammengefasst werden. Bis es soweit ist, dürfen Kinder noch munter weiter «rauchen». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.06.2010, 14:54 Uhr

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