Elisabeth Kopps fataler Fehler vor ihrem Rücktritt

Das Verschweigen eines Telefonats mit ihrem Mann kostete sie vor 25 Jahren das Amt. Nun zeigt sich: Sie wollte erst informieren, schwenkte dann aber um. Was war passiert?

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Hätte Elisabeth Kopp auf ihre Mitarbeiter gehört, wäre ihr der schmerzliche Rücktritt und die anschliessende jahrzehntelange Ächtung wohl erspart geblieben. Das Generalsekretariat hatte der damaligen Bundesrätin nämlich geraten, das Telefongespräch mit ihrem Gatten in Sachen Shakarchi Trading und Geldwäscherei nicht zu verschweigen. Stattdessen ermunterten sie die Mitarbeiter, von sich aus den Bundesrat zu informieren und das Telefonat in einem Interview mit dem Schweizer Radio zu thematisieren.

Kopp zog es allerdings vor, das Telefongespräch für sich zu behalten. Und ihr Gatte leugnete es gar. Damit hätten die beiden eine entscheidende «Wegmarke verpasst», schreibt René Lüchinger in einem demnächst erscheinenden Buch zum 25-jährigen Jahrestag der Affäre. Was Lüchinger nicht erwähnt, der TA aber von mehreren ehemaligen Mitarbeitern Kopps erfahren hat: Die Justizministerin wollte den Rat des Generalsekretariats erst befolgen und über das Telefonat informieren. Ursula Hürzeler vom Schweizer Radio wurde gebeten, für ein von ihr beantragtes Interview konkrete, «durchaus auch heikle» Fragen einzureichen, wie sie sich erinnert.

Doch dann hat sich Kopp über Nacht anders entschieden und wollte doch nicht darüber reden. Hürzeler sagt, sie habe «quasi eidesstattlich» erklären müssen, die Telefon-Frage nicht zu stellen. Im Nachhinein wurmt es die Radiofrau, dass sie damals wie vereinbart nur Fragen zur Asylpolitik stellte. «Ich hätte trotz der Abmachung die entscheidende, ursprünglich geplante Frage nach dem Telefongespräch stellen sollen», findet sie heute.

Hielt ihr Mann sie davon ab?

Warum aber ist Elisabeth Kopp gekippt? Weil sie in der fraglichen Nacht mit ihrem Gatten gesprochen hatte und dieser ihr zum Verschweigen geraten hat? Auf Anfrage des TA sagt die einstige Justizministerin, sie wisse nicht mehr, ob Hans W. Kopp eine Rolle gespielt habe. Sie nehme es aber nicht an. Sie habe damals sehr viel zu tun gehabt. Und von ihrem Mann habe sie gewusst, dass bei der Shakarchi Trading, in dessen Verwaltungsrat er sass, alles in Ordnung gewesen sei. Wahrscheinlich habe sie es sich einfach nochmals überlegt und dann anders entschieden.

Es war eine Entscheidung mit schwerwiegenden Folgen: Wenige Wochen später berichtete die Westschweizer Boulevardzeitung «Le Matin» über den Wink aus dem Bundeshaus, und Elisabeth Kopp musste am 12. Dezember 1988 ihren Rücktritt bekannt geben. Vor allem ihre eigene Partei – die FDP – war erbost, weil Kopp auch sie im Unwissen gelassen hatte. Für Franz Steinegger ist denn auch klar: Nicht das Telefonat an sich, sondern dessen Verschweigen war der Fehler. Und Elisabeth Kopp sagt: «Im Nachhinein ist man immer gescheiter.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.12.2013, 06:20 Uhr

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Hätte Elisabeth Kopp das Telefongespräch mit ihrem Mann zugegeben - wäre ihr Rücktritt vermeidbar gewesen?




«Man hätte dazu stehen sollen»

Samuel Burkhardt hat als Elisabeth Kopps Generalsekretär die Affäre aus nächster Nähe erlebt. Er hatte seiner Chefin damals geraten, das Telefonat bekannt zu machen, konnte sich aber nicht durchsetzen:

«Für mich war die Kopp-Affäre ein traumatisches Erlebnis. Meine Mitarbeiter und ich hatten sehr gern mit Elisabeth Kopp zusammengearbeitet. Wir haben nach Massnahmen gesucht, um sie zu retten - ohne Erfolg.

Als klar wurde, dass die Informationen über den Shakarchi-Verdacht aus der Bundesanwaltschaft stammen, haben wir Frau Kopp geraten, den Bundesrat zu informieren und das Telefonat mit ihrem Gatten in einem Radiointerview publik zu machen. Doch dies wollte sie schliesslich nicht. Das war wohl der politisch entscheidende Fehler. Als das Telefongespräch dann durch die Medien publik wurde und aus der Politik keine Unterstützung erfolgte, war uns sofort klar, dass ein Rücktritt nicht mehr zu vermeiden war. Eine sehr produktive Zeit mit einer sehr angenehmen Chefin fand ein brutales Ende.Später wurden meine Mitarbeiter und ich gefragt, warum wir nicht den Bundespräsidenten oder die Bundesanwaltschaft informiert hätten. Das kam für uns aber nie infrage. So etwas macht man nicht hinter dem Rücken der Chefin.Elisabeth Kopp hat einen sehr hohen Preis bezahlt. Ich stehe mit ihr immer noch in Kontakt. Wir sehen uns jährlich und schicken uns gelegentlich eine E-Mail. Gegenseitige Vorwürfe haben wir uns nie gemacht. Ich kann das Telefonat sehr gut nachvollziehen, es war kein Fehler. Im Nachhinein ist aber klar: Man hätte dazu stehen sollen.»

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