Eltern wollen Sexualkunde gesetzlich verbieten

Ein Basler Elternkomitee will mit einer Volksinitiative die Sexualisierung in der Schule bekämpfen und sammelt seit heute Unterschriften dafür. Vertreter der SVP, FDP und CVP unterstützen das Anliegen.

Sollen vor der Sexualkunde geschützt werden: Primarschüler unter neun Jahren.

Sollen vor der Sexualkunde geschützt werden: Primarschüler unter neun Jahren. Bild: Keystone

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Keine Sexualkunde vor dem Alter von neun Jahren: Dies ist die zentrale Forderung einer eidgenössischen Volksinitiative, für die ein Komitee seit heute Unterschriften sammelt. Es hat bis am 17. Oktober 2014 Zeit, die nötigen 100'000 Unterschriften zusammenzubringen.

Hauptziel der Initiative ist es, die Sexualkunde aus dem Kindergarten und den ersten zwei Klassen der Primarschule zu verbannen, wie der Co-Präsident des Initiativkomitees, Benjamin Spühler, heute vor den Medien erläuterte.

Sex-Koffer als Stein des Anstosses

Spühler gehört einem Elternkomitee aus dem Kanton Basel-Stadt an, das sich gegen eine obligatorische Sexualkunde für Kindergärteler und junge Primarschüler wehrt. Das Komitee nimmt vor allem Anstoss an so genannten Sex-Koffern, die Basler Lehrkräften für die Sexualkunde zur Verfügung stehen.

Der Koffer für die Kindergärtler und die Primarschüler (bis 9-/10-Jährige) enthält unter anderem ein Buch mit Abbildungen von Geschlechtsteilen. Die Box für die Orientierungsstufe (für Kinder ab 9/10 Jahren) enthält auch Penismodelle aus Holz sowie eine Vagina aus Stoff.

Für Spühler und seine Mitstreiter handelt es sich dabei um pornografisches Material. Mit dem so gearteten Sexualunterricht würden die Kinder belästigt und unnötig früh sexualisiert.

Von rechts-konservativen Politikern unterstützt

Diese Meinung teilen auch rechts-konservative Politiker aus den Reihen von SVP, CVP, FDP und LEGA. Dem Komitee der Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» gehören unter anderem die SVP-Nationalräte Toni Bortoluzzi (ZH), Sylvia Flückiger-Bäni (AG), Oskar Freysinger (VS) und Sebastian Frehner (BS) an.

Von der CVP gehören die Nationalräte Jakob Büchler (SG) und Yannick Buttet (VS) zum Initiativkomitee sowie der frühere Luzerner Nationalrat Pius Segmüller. Und aus den Reihen der FDP sind es die Ex-Bundesparlamentarier Edi Engelberger (NW) und Suzette Sandoz (VD).

Gemäss dem von der Bundeskanzlei unter formalen Gesichtspunkten vorgeprüften Initiativtext soll Sexualkunde erst ab dem vollendeten neunten Altersjahr auf freiwilliger Basis möglich sein. Im Kindergarten und den ersten Primarschuljahren soll sich der Aufklärungsunterricht auf die Prävention von Kindsmissbrauch konzentrieren. Diese Prävention soll aber keine Sexualkunde beinhalten.

Keine Dispensation vom obligatorischen Bio-Unterricht

Obligatorischer Unterricht zur Vermittlung von Wissen über die menschliche Fortpflanzung und Entwicklung kann von Biologielehrerinnen und -lehrern an Kinder und Jugendliche ab dem vollendeten zwölften Altersjahr erteilt werden. Die Kinder sollen nicht gezwungen werden können, «weitergehendem Sexualkundeunterricht» zu folgen.

Laut Initiativ-Co-Präsident Jakob Büchler wird mit diesen Regeln verhindert, dass mit einer obligatorischen schulischen Sexualerziehung in die verfassungsmässigen Grundrechte von Eltern, Kindern und Familien eingegriffen wird.

Die Kinder hätten das verfassungsmässige Recht, sich nicht mit einer sexuellen Fragestellung auseinandersetzen zu müssen, sagte er. Nur die Eltern könnten ihre Kinder der persönlichen Entwicklung entsprechend aufklären.

Prävention gegen sexuelle Gewalt weiterhin in der Schule

Der Schule kommt nach Ansicht des Initiativkomitees aber eine Rolle bei der Prävention von sexueller Gewalt zu. Rechtsprofessorin Suzette Sandoz begründete dies damit, dass sexuelle Gewalt ja auch von den Eltern ausgehen könne.

Dass es bei der Gewaltprävention zu Abgrenzungschwierigkeiten zu der von den Initianten als unangebracht empfundenen Sexualkunde kommen kann, verneinte Sebastian Frehner nicht. Wegen Abgrenzungsschwierigkeiten dürfe aber nicht auf ein so wichtiges Anliegen verzichtet werden.

Rückzug der Initiative gefordert

Die Initiative sei auch ein guter Mittelweg zu Forderungen nach einem Dispensationsrecht für jegliche Form von Sexualerziehung an der Schule. Diese Forderung erhebt etwa eine Elterngruppe «Für gesunde Familien», die heute per Communiqué einen Rückzug der Initiative forderte.

Hinter die Initiative stellte sich das Petitionskomitee «Gegen die Sexualisierung der Volksschule». Dieses reichte letztes Jahr eine von über 91'000 Personen unterzeichnete Petition gegen ein Obligatorium der Sexualkunde an der Volksschule ein. (rbi/sda)

Erstellt: 17.04.2012, 13:47 Uhr

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