«En glatte Chäib», der grosszügig anrichtete und zugriff

Bruno Zuppiger war als umtriebiger Geschäftsmann auch in undurchsichtige Geschäfte verwickelt.

«Bei Spesen und Sitzungsgeldern nicht gerade sorgfältig»: Bruno Zuppiger bei einer Pressekonferenz 2005.

«Bei Spesen und Sitzungsgeldern nicht gerade sorgfältig»: Bruno Zuppiger bei einer Pressekonferenz 2005. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die ersten Ungereimtheiten im Werdegang von Bruno Zuppiger liegen weit zurück: Der ehemalige Lehrer und Kantonsrat war damals Direktor des Kantonalen Gewerbeverbandes (KGV), bekannt als jovialer, zugänglicher Typ. Der heutige Präsident der Zürcher Handelskammer, Lukas Briner (FDP), schätzte Zuppigers Humor, und für den damaligen Präsidenten des Stadtzürcher Gewerbeverbandes, Hans Diem (CVP), war Zuppiger «en glatte Chäib».

Durch seine Arbeit war Zuppiger gut vernetzt und hatte so viele Mandate, dass sich viele fragten, wie er daneben noch den Gewerbeverband führen konnte. Zum Eklat kam es 1995 wegen Zuppigers Expansionskurs im KGV. In Zürich-Nord hatte er ein Bürogebäude mit 1800 Quadratmetern gekauft, in dem er ein «Haus der Wirtschaft» plante. Zuppiger wollte dort möglichst viele Wirtschaftsverbände einquartieren oder deren Administration übernehmen. Doch Zuppigers Geschäftsmodell war intransparent, es wurden Stellen geschaffen und versteckte Verluste eingefahren, bis Ernst Cincera (FDP), der neue Präsident des Verbandes, an einem Vortrag in Dietlikon auf die Pauke haute. Zuppiger habe den Fonds, der für die Berufsbildung gedacht war, geplündert und das Geld für Immobilien verwendet – angeblicher Schaden: 600'000 Franken. Zudem habe er mit eigenartigen Verrechnungen Überschüsse in Gewinne umgewandelt. Zuppiger lasse die Probleme im KGV schleifen, kümmere sich vor allem um private Mandate und seine Politkarriere und sei überdies bei Spesen und Sitzungsgeldern «nicht gerade sorgfältig».

«Erhebliche Zahlungsstörungen»

Der damalige Vizepräsident Toni Bortoluzzi (SVP) ordnete eine Untersuchung an, und zwar ausgerechnet von derjenigen Revisionsstelle, die Cincera ebenfalls massiv kritisiert hatte. Der Bericht entlastete Zuppiger, doch er kündigte trotzdem und gründete die Beratungsfirma Zuppiger & Partner. Einziger Verwaltungsrat neben Zuppiger war Daniel Holzreuter, SVP-Gemeinderat aus Zürich. Eine zwielichtige Figur, die wegen verbaler Entgleisungen, wegen Stalkings und sexueller Belästigung von Studentinnen in die Schlagzeilen kam. Als Holzreuter von Stadtparteipräsident Walter Frey aus der SVP geworfen worden war, trennte sich auch Zuppiger von Holzreuter. Zuppiger & Partner hat heute gemäss dem Wirtschaftsauskunftsdienst Moneyhouse 7 Angestellte und einen Umsatz von jährlich 1,3 Millionen Franken. Die Bonität der Firma wird als mässig eingestuft, es gebe «erhebliche Zahlungsstörungen».

Erfolglose Genossenschaft

Insgesamt war und ist Bruno Zuppiger in der Leitung von über 20 Stiftungen und Gesellschaften aktiv – darunter in der päpstlichen Schweizergarde, der Transportfirma Planzer und der Handelskammer Schweiz-Baltikum. Dabei sind immer wieder Dinge schiefgegangen – nicht nur beim KGV: 1990 hatte sich Zuppiger in der gemeinnützigen Baugenossenschaft Wizu Hinwil engagiert – mit dem Ziel, dort kostengünstige Einfamilienhäuser zu bauen. Zuppiger amtete als Präsident, sein Mitstreiter Jürg Willi als Geschäftsführer. Beide arbeiteten ehrenamtlich. Der Hinwiler Karl Augustin, der damals Anteile der Genossenschaft erworben hatte, erinnert sich: «Bereits beim zweiten Projekt – dem Bau von einigen Einfamilienhäusern – stimmte das Verhältnis von Kosten und Preis nicht mehr.» Der Genossenschaft sei das Geld ausgegangen und man habe sie liquidieren müssen. Er habe weniger als zehn Prozent seines investierten Kapitals zurückerhalten. So sei es auch vielen anderen Genossenschaftern gegangen.

Jürg Willi bestätigte gestern, dass «ein Teil» von «mehreren Hundert» Genossenschaftern sein Geld verloren hat. Die Gründe seien aber nicht bei ihm und Bruno Zuppiger zu suchen: «Nachbarn haben uns mit Rekursen eingedeckt, was das Projekt jahrelang verzögerte und verteuerte.» Gleichzeitig sei das Hypozinsniveau gestiegen und die Nachfrage eingebrochen. Deshalb habe man die Häuser zu günstig verkaufen müssen.

2006 geriet die Freizügigkeitsstiftung Continua in die Schlagzeilen. Die Stiftung aus Freienbach SZ war darauf spezialisiert, Altersgelder von Arbeitnehmern zu parkieren, wenn zwischen zwei Anstellungen eine Lücke entstand. Dafür verrechnete die Stiftung ungewöhnlich hohe Verwaltungsgebühren, wie die «NZZ am Sonntag» aufdeckte. Kam dazu, dass die Stiftung mit einem nicht genehmigten Gebührenreglement arbeitete. Im Stiftungsrat sass Bruno Zuppiger.

Letzte «Aufräumarbeiten»

Der KGV hatte an Zuppigers Erbe noch lange zu beissen. Der heutige KGV-Sekretär Martin Arnold (SVP), der sein Amt 2002 antrat, bestätigt, dass er bis vor kurzem mit «Aufräumarbeiten» beschäftigt war. Heute hat das KGV-Sekretariat noch 4,2 Stellen und ein kleines Büro in der Innenstadt. Die von Zuppiger gegründete Immobilienaktiengesellschaft konnte erst in diesem Jahr gelöscht werden, nachdem das «Haus der Wirtschaft» verkauft worden war. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.12.2011, 21:58 Uhr

Lobbying für Panzerfaust-Export

Von Iwan Städler

Zwei Altlasten hat Bruno Zuppiger laut eigenen Aussagen gegenüber der SVP-Spitze offengelegt: zum einen den Fall der viel zu spät verteilten Erbschaft, zum andern sein Engagement für den Waffenhändler Heinz Bauer. Dieser wollte vor fünf Jahren Panzerfaustgranaten in die Vereinigten Arabischen Emirate exportieren. Dies, obwohl die Emirate die Schweiz zuvor hinters Licht geführt hatten, indem sie Schweizer Panzerhaubitzen entgegen den Abmachungen nach Marokko weiterlieferten.

Ursprünglich wollte der bundeseigene Rüstungskonzern Ruag die Panzerfäuste selbst in die Emirate verkaufen. Diese hätten nach einer offenbar eindrücklichen Demonstration auch gerne gekauft. Doch die Schweizer Waffenexportbehörden waren nach der Erfahrung mit den Panzerhaubitzen vorsichtig – erst recht bei Panzerfäusten, die auch von Terroristen eingesetzt werden.Die Ruag entschied daher, sich von der Grosskaliberproduktion zu trennen. Einspringen wollte die Firma Bauer Associates Limited (BAL), um die Panzerfäuste selbst für einen zweistelligen Millionenbetrag in die Emirate zu liefern. Dafür machte sich SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger stark.

Er lobbyierte auch beim damaligen Verteidigungsminister Samuel Schmid. Offenbar nicht ohne Erfolg. Laut der «SonntagsZeitung» stoppte Schmid Ende 2006 einen Antrag von Wirtschaftsministerin Doris Leuthard, die den Waffenexport in die Emirate untersagen wollte. Erst müsse man die Folgen für die Arbeitsplätze in Thun abklären, befand Schmid. Mit den gefährdeten Stellen argumentierte auch Bruno Zuppiger.

Doch die Ruag zeigte kein Interesse am BAL-Übernahmeangebot. Stattdessen verkaufte sie die Grosskaliberproduktion an die schwedische Firma Saab Bofors. Das Angebot des Waffenhändlers Bauer schaffte es nicht einmal in die letzte Runde.

All dies ist seit längerem publik. Die SVP-Spitze hätte es also auch ohne Zuppigers Beichte wissen können. Dennoch sah sich der Hinwiler veranlasst, die Parteileitung darüber zu informieren, wie er gestern Radio DRS sagte. Offenbar erachtete er sein damaliges Engagement als heikel.

Bildstrecke

Bundesratswahl 2011

Bundesratswahl 2011 Am 14. Dezember 2011 wählt die Bundesversammlung den neuen Bundesrat. Diese Personen stehen dabei im Zentrum.

Artikel zum Thema

Zuppiger aus dem Rennen – SVP-Spitze wehrt sich

Der Zürcher Bruno Zuppiger zieht seine Kandidatur für einen Sitz im Bundesrat nach schweren Vorwürfen zurück. Die Partei, so Fraktionschef Baader, habe das «Risiko» Zuppiger zu spät erkannt. Mehr...

Zuppigers Debakel ist Walters zweite Chance

Nach einer stundenlangen Krisensitzung wechselt die SVP ihren Bundesratskandidaten aus: Hansjörg Walter ersetzt den unter Druck geratenen Bruno Zuppiger. «Inoffizielle» Gespräche liefen seit Tagen. Mehr...

Auch Ersatzmann Walter hat kaum Chancen

Der neue SVP-Kandidat greift ausschliesslich BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf an. Seine Chancen sind gering. Mehr...

Blog

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...