«Er redet wie ein Maschinengewehr»

Die FDP will mit dem früheren Vizepräsidenten der FDP Schweiz, Léonard Bender, ihren Sitz in der Walliser Regierung retten. Die Übung könnte für den Anwalt aus Fully zu einem Himmelfahrtskommando werden.

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Nach der eklatanten Niederlage von FDP-Kandidat Christian Varone gegen den Herausforderer der SVP, Oskar Freysinger, stand eine Frage im Raum: Tritt die FDP überhaupt noch zum zweiten Wahlgang an? Am Montagabend haben nun die Walliser FDP-Delegierten beschlossen, mit Léonard Bender den früheren Vizepräsidenten der FDP Schweiz ins Rennen um den Staatsrat zu schicken. Er soll den Sitz im Staatsrat retten, den die FDP seit über 120 Jahren besetzt.

1891 liessen die Katholisch-Konservativen die Radikalen, wie sich die FDP im Unterwallis nennt, an der Macht teilhaben. Im gleichen Jahr nahmen die Freisinnigen die Katholisch-Konservativen in den Bundesrat auf. Von 1891 bis 1997 (Wahl des SP-Vertreters Peter Bodenmann) setzte sich die Walliser Kantonsregierung ununterbrochen aus vier Katholisch-Konservativen und einem Freisinnigen zusammen. Zwischen 1965 bis 1979 hiess dieser FDP-Vertreter Arthur Bender.

Anders als sein Vater strebte Léonard Bender aber nie mit letzter Konsequenz ein politisches Amt an. Zwar kandidierte er für verschiedene Ämter, 2007 etwa für den Ständerat, wurde aber nie gewählt. Die Stärken des glühenden Sarkozy-Anhängers sind Fernsehdebatten und andere öffentliche Auftritte, wo er mit seiner Rhetorik brillieren kann.

Er hat den Saal im Handumdrehen im Sack

Er rede wie ein Maschinengewehr, sagte CVP-Präsident Christophe Darbellay über Bender. Mit seinem Stil hatte auch die frühere FDP-Vizepräsidentin Marianne Kleiner Mühe: Sie tat Bender in einer vertraulichen E-Mail, die an die Öffentlichkeit gelangte, einmal als Schwätzer ab. Bender kann aber mit seinen Reden einen Saal im Handumdrehen für sich einnehmen – wie im August 2004, als er an der FDP-Delegiertenversammlung in Zofingen dank einer flammenden Rede die Kampfwahl ins Vizepräsidium überraschend gegen Kronfavorit Charles Favre (VD) schaffte.

Bei Bender weiss man allerdings nie ganz genau, ob er etwas ernst meint. Zum Beispiel wenn er sagt, er sei ein grosser Kämpfer und betrachte es darum als grosse Ehre, dass ihn der Schwingerclub von Charrat-Fully zum Ehrenpräsidenten ernannt habe. Oder wenn er sagt, die FDP Wallis habe seiner Familie viel gegeben, darum habe er keine Minute gezögert bei der Anfrage, ob er für die Partei im zweiten Wahlgang die Kohlen aus dem Feuer holen würde.

Allerdings hatte eine Reihe anderer FDP-Vertreter wie der frühere Nationalratspräsident Jean-René Germanier abgesagt. Es ist eine Art Himmelfahrtskommando, auf das sich Léonard Bender da eingelassen hat.

Bender kritisiert Übervertretung von CVP und dem Oberwallis

Der FDP-Kandidat aus dem ersten Wahlgang, Christian Varone, hatte über 20'000 Stimmen Rückstand auf Oskar Freysinger. Wo will Bender diese Stimmen holen? Bei seiner Nominierung sagte er gleich allen den Kampf an: «Mit welchem Recht besetzt die CVP drei von fünf Sitzen in der Regierung? Die Partei hat einen Stimmenanteil von 37 Prozent», sagte Bender. Er stellt aber auch einen Sitz des deutschsprachigen Oberwallis infrage – da es gemessen an der Gesamtbevölkerung übervertreten sei.

Bender steigt ins Rennen, «um den Sitz der FDP zu retten». Es gebe ein grosses Unbehagen im Kanton. «Sonst hätte Oskar Freysinger nicht das beste Resultat im ersten Wahlgang erzielt», so der Freisinnige. Er vertraue auf die Walliser Wähler, die eine Änderung wünschten. Freysinger selber sagt: «Mit Bender als Kandidat ist für mich der Druck weg.» Bender gefährde mit seiner Kandidatur in erster Linie einen Oberwalliser Sitz in der Regierung.

Das schwarzweisse Porträt des Vaters

Die Unterwalliser Tageszeitung «Le Nouvelliste», die Varone half, dürfte Bender aber nicht unterstützen. Schon sein Vater kam in dieser Zeitung schlecht weg: In den Siebzigern druckte der «Nouvelliste» die Bilder der CVP-Staatsräte in Farbe, der FDP-Vertreter Arthur Bender musste sich mit einem schwarzweissen Porträt begnügen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2013, 16:22 Uhr

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