Er will der Schweiz die BDP erklären

Parteipräsident Martin Landolt sagt, die schmerzhafte Erfahrung bei den Wahlen in Bern sei genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen.

Will seine Partei als modern und zugleich konservativ positionieren: Martin Landolt im Garten seines Hauses in Näfels.

Will seine Partei als modern und zugleich konservativ positionieren: Martin Landolt im Garten seines Hauses in Näfels. Bild: Reto Oeschger

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Die Berner Wahlen hatten für die BDP so gut begonnen. Am Sonntagnachmittag erhält Präsident Martin Landolt die erste SMS: Finanzdirektorin mit bestem Resultat im Amt bestätigt. «Wunderbar», denkt er sich. Als die zweite SMS einen Sitz minus meldet, ist er nicht beunruhigt; er hat, weil die BDP in den letzten Wahlen vom Widmer-Schlumpf-Effekt profitierte, mit Verlusten gerechnet. Es sollten aber noch etliche SMS aus Bern kommen, alle mit schlechten Nachrichten. Am Ende des Tages sind 11 der 25 Sitze weg, das Sieger-Image ebenfalls. Und es stellt sich die Frage, ob die BDP überhaupt noch eine Zukunft hat. Oder ob sie, die sich gewissermassen aus der linken Rippe des SVP-Übervaters Christoph Blocher erschaffen hat, nur Ausdruck eines Protests war. Eines Protests gegen das Gebaren der Schweizer SVP.

Nun sind die Augen auf den Präsidenten gerichtet, denn bereits im Mai und Juni stehen in Graubünden und Glarus die nächsten Wahlen an. Gibt dieser im Fernsehen Interviews, wirkt er oft ernst und etwas zerknittert, und man meint, man würde die Last des Amtes auf seinen Schultern sehen. Jetzt aber, wie er am Esstisch seines Einfamilienhauses in Näfels von den bewegten letzten Tagen erzählt, wie er bei allem Ernst der Situation auch lacht, hat er etwas Bübisches, ist im Element. Am Tag nach dem Debakel hat er zehn Stunden lang mit Journalisten telefoniert; kaum hat er das Telefon aufgelegt, klingelte es wieder. Am Radio redete er ruhig, sprach von einer grossen Schlappe, die man nicht schönreden könne, und schonte sich auch selber nicht. Das kommt gut an, im Glarnerland und in der übrigen Schweiz.

Kommunikation soll es richten

Er, der smarte und gewandte Kommunikator, sieht in der Kommunikation auch das Heil seiner Partei. Die BDP, im Image der anständigen SVP gefangen, brauche kein neues Programm und keine neue Strategie. Sie müsse nur hartnäckig kommunizieren, wofür sie stehe. In Bern sei dies nicht gelungen; den Grund für die Verluste sieht Landolt weniger in der Politik der Kantonalpartei als in ihren Transporteuren. «Wenn auf dem Plakat ein bald 70-Jähriger zu sehen ist und darunter steht ‹Erfrischend anders›, nimmt uns das keiner ab.»

Aber selbst für Landolt wird es ein Kunststück, den Wählern klarzumachen, wofür die BDP steht. Er will sie nämlich als moderne und zugleich konservative Partei positionieren. Für ihn kein Widerspruch: «Man kann für ein härteres Strafrecht sein und trotzdem für den Atomausstieg.» Alte Weggefährten indessen sagen, sie wüssten weder wofür die BDP genau stehe noch wofür Landolt selber. Er sei politisch wenig fassbar, passe damit aber perfekt in das Glarner System, in dem man äusserst pfleglich miteinander umgehe. Auf dem schmalen Talboden, der links und rechts scharf von aufsteigenden Felswänden begrenzt wird, kann man sich schlecht aus dem Weg gehen. Deshalb, so sagt einer, müsse man einen Weg finden, wie man miteinander auskommt.

Glarus hat nur gerade einen Nationalrat – Martin Landolt – und zwei Ständeräte, und wenn man einen Sitz gewinnen will, so erklärt Landolt, muss man gemässigt auftreten. Es hat nicht Platz für das ganze Spektrum. In Glarus werden Politiker diszipliniert, bevor ihre Karriere überhaupt begonnen hat. An der Landsgemeinde bekommen sie schon früh mit, dass der falsche Ton, eine abfällige Bemerkung, ein überhebliches Votum schonungslos abgestraft werden.

Landolt hat diese Lektion gelernt. Wie ein Stern, dessen Umlaufbahn vorgegeben ist, ist er aufgestiegen: 1998 wurde er Landrat, damals noch für die SVP, 2001 Fraktionspräsident, 2006 Landratspräsident und 2009 Nationalrat – nachdem er aus der SVP ausgetreten war; er hat deren Stil immer weniger ertragen. Zusammen mit Parteikollegen gründete er die BDP, was ihm in Glarus von manchen als reiner Opportunismus ausgelegt wird. Er habe nicht warten wollen, bis sein Förderer This Jenny, als dessen Nachfolger er inoffiziell galt, zurücktritt. Stattdessen habe er via BDP den schnellsten Weg nach Bern gewählt. «Fertiger Blödsinn», meint jedoch Landolt. Er sei aus der SVP ausgetreten, ohne zu wissen, wie es weitergehe und ob er überhaupt in der Politik bleibe. Und auch die SVP habe ihn schon ins Rennen um einen Nationalratssitz schicken wollen, er habe aber abgelehnt. «Ich hätte mich nicht wohlgefühlt, wenn ich in derselben Fraktion wie Christoph Mörgeli hätte sitzen müssen.»

Erst Anfang dieses Jahres bekam Landolts Karriere erstmals einen Dämpfer. Er wollte in den Ständerat wechseln und wurde, diesmal von den Stimmbürgern, mit einem denkbar schlechten Resultat abgestraft. Landolt hat die Botschaft verstanden: Er soll zufrieden sein mit dem Mandat, das er hat.

Schicksalswahl im Frühling

Hat die BDP nach dem letzten Sonntag noch eine Zukunft? Landolt findet, nun erst recht: «Die schmerzhafte Erfahrung ist gerade zum richtigen Zeitpunkt gekommen.» Die BDP habe in den letzten Jahren mühelos Sitze holen können. Hätte er seine Parteikollegen aufgefordert zu kämpfen, hätte dies wohl keine grosse Wirkung gehabt. Das Schicksal der BDP, das ist sich Landolt bewusst, entscheidet sich nicht erst nächstes Jahr an den eidgenössischen Wahlen, sondern schon diesen Frühling.

Erstellt: 05.04.2014, 07:23 Uhr

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