«Er wollte noch etwas Grösseres anpacken»

Medienpionier und SRG-Kritiker Roger Schawinski zeigt sich im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet sehr zufrieden über die Wahl seines Freundes Roger de Weck zum Generaldirektor der SRG.

«Wie ich Roger de Weck kenne, werden künftig Inhalte wieder ein grösseres Gewicht bei der SRG haben.»: Roger Schawinski über den neuen SRG-Generaldirektor.

«Wie ich Roger de Weck kenne, werden künftig Inhalte wieder ein grösseres Gewicht bei der SRG haben.»: Roger Schawinski über den neuen SRG-Generaldirektor. Bild: Keystone

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Wie beurteilen Sie die Wahl von Roger de Weck zum Generaldirektor der SRG?
Ich bin sehr positiv überrascht. Zum ersten Mal seit langer Zeit wurde wieder ein Journalist an die Spitze der SRG gewählt. Die Wahl markiert im positiven Sinn eine Veränderung. De Weck hat ein grosses Renommee. Es gibt in der Schweiz wenige Publizisten von seinem Format. Seine Wahl ist alles andere als selbstverständlich.

Was versprechen Sie sich von der Wahl für die SRG?
Wie ich Roger de Weck kenne, werden künftig Inhalte wieder ein grösseres Gewicht bei der SRG haben. Er hat bereits anderorts gezeigt, wozu er fähig ist. Die deutsche «Zeit» hat er als Chefredaktor wieder zu einem Erfolgsprodukt gemacht. Sein Einfluss wirkt dort bis heute nach, wie mir sein Nachfolger erzählt hat. Er kann sich nun einen Superdirektoren suchen, mit dem zusammen er ein starkes Gespann abgeben wird.

Spielen denn Inhalte bei der SRG heute eine untergeordnete Rolle?
Vom bisherigen Generaldirektor Walpen war hier wenig zu erwarten. Er war zuvor Jurist und Lobbyist. Ihm hat nur schon das Vokabular gefehlt, um sich mit seinen Spitzenleuten sinnvoll über das Programm zu unterhalten.

De Weck hat sich öffentlich deutlich als Anhänger eines EU-Anschlusses der Schweiz hervorgetan. Wird sich das auf die SRG auswirken.
De Weck ist ein Medienprofi und ein Gentleman. Er wird alles tun, damit die SRG ihre Aufgabe möglichst professionell erfüllen kann - unabhängig von seinen persönlichen Ansichten. Doch wird seine Wahl deswegen wohl heftig von der SVP kritisiert werden.

Medienminister Moritz Leuenberger wird dagegen wohl eher Freude daran haben.
Ich denke nicht, dass Leuenberger sein Veto dagegen erhoben hat.

De Weck ist vor allem als Autor zu politischen und wirtschaftlichen Themen bekannt. Das Fernsehen lebt aber auch von der Unterhaltung und Gesellschaftsthemen.
Auch hier hat Roger De Weck in seinem bisherigen Wirken gezeigt, dass er auch für diese Themen ein gutes Gespür hat, etwa bei der deutschen «Zeit» durch die Einführung eines damals recht revolutionären Lifestyle-Bundes. Aber auch als Chefredaktor des «Tages Anzeigers».

Wie gut kennen Sie Roger de Weck persönlich?
Wir sind befreundet. Wir sind auch jahrelang joggen gegangen, und ich habe ihn an seine ersten Marathons begleitet. Erst vor Kurzem hat er mir bei einem gemeinsamen Mittagessen erzählt, dass er an diesem Punkt seiner beruflichen Laufbahn noch einmal etwas Grösseres anpacken möchte.

Das Fernsehen hat er dabei nicht erwähnt?
Nein. Ich habe mir alles Mögliche überlegt, was es wohl sein könnte. Doch an den Job als SRG-Generaldirektor habe ich beim besten Willen nicht gedacht. Seine Wahl hat mich sehr überrascht – und erfreut.

Als Favoriten für die Wahl standen andere im Vordergrund. Etwa der Publigroupe-Chef Hans-Peter Rohner…
Bis gestern galt er als Favorit. Ich bin sehr froh ist er es nicht geworden.

Warum?
Er ist kein Journalist, kein Mann der Inhalte.

Das wäre aber bei Filippo Leutenegger anders gewesen.
Ja. Aber er hat sich seit seinem Abgang als SF-Chefredaktor als starker Kritiker der SRG hervorgetan, daher hatte er bei diesem Wahlgremium wohl nur geringe Chancen.

Erstellt: 18.05.2010, 17:38 Uhr

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