Erasmus ist so beliebt wie nie

Der europäische Studentenaustausch bricht in diesem Jahr alle Rekorde. Was die EU-Bildungskommissarin dazu sagt, dass die Schweiz beim neuen Programm ausgeschlossen ist.

Die Spanier gehen besonders oft ins Ausland - obwohl am wenigsten Stipendien von allen erhalten: Studenten an der Universität Zürich. (Archivbild: Alessandro Della Bella)

Die Spanier gehen besonders oft ins Ausland - obwohl am wenigsten Stipendien von allen erhalten: Studenten an der Universität Zürich. (Archivbild: Alessandro Della Bella)

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Noch nie haben europaweit so viele Studierende vom EU-Bildungsprogramm Erasmus Gebrauch gemacht: Dies zeigen die neusten von der EU-Kommission publizierten Zahlen für das Studienjahr 2012/2013. In der Schweiz nutzten knapp 3000 Studentinnen und Studenten Erasmus.

Seit 27 Jahren ermögliche das Bildungsprogramm Erasmus Studierenden, «Zeit im Ausland zu verbringen», sagte EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou in Brüssel. Die neusten Zahlen zeigten, «dass Erasmus populärer ist als je zuvor».

Insgesamt hätten fast 270'000 Studierende im Studienjahr 2012/2013 von Erasmus profitiert, schrieb die EU-Kommission in einem Communiqué. Die Beteiligung am EU-Bildungsprogramm stieg damit insgesamt um sechs Prozent im Vergleich zur Vorperiode (2011/2012). Zu den an Erasmus teilnehmenden Ländern zählten alle EU-Staaten, die EFTA-Staaten Island, Norwegen, Liechtenstein und Schweiz sowie die Türkei.

Mehr Frauen als Männer

In der Schweiz nahmen im letzten Studienjahr gemäss ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit 2880 Studierende das EU-Bildungsprogramm in Anspruch.

Hinzu kommen noch 110 Studierende, die von der Schweiz aus in ein Nicht-EU-Land gingen und daher aus einem separaten, Schweizer Topf Stipendien erhielten. Der Frauenanteil war mit 58,5% leicht höher war als jener der Männer (41,5%) ähnlich präsentieren sich die Zahlen für die EU.

Über drei Millionen Erasmus-Studierende

Über die ganze Zeitspanne hinweg haben laut EU-Kommission europaweit insgesamt über drei Millionen Studierende von Erasmus Gebrauch gemacht. Dieses Bildungsprogramm ermöglicht Studierenden, zwischen drei und zwölf Monate an einer Universität oder Hochschule im europäischen Ausland zu studieren oder ein Praktikum in einem Unternehmen oder einer Stiftung zu absolvieren.

In den meisten Ländern ist die Zahl der Erasmus-Studierenden gestiegen. Rekordhalter ist Malta mit einer Zunahme von 40% gefolgt von Zypern (36%) und Kroatien (27%). In sechs Ländern ist die Zahl der Erasmus-Studierenden rückläufig: in Litauen, Lettland, Spanien, Island, Luxemburg und Liechtenstein.

Am meisten Studentinnen und Studenten, die an eine ausländische Universität oder Hochschule gehen, stammen aus Spanien, gefolgt von Frankreich und Deutschland.

Spanien ist Lieblingsdestination

Spanien führt aber auch die Liste der beliebtesten Zielländer von Erasmus-Studierenden an. An zweiter Stelle kommt Deutschland, gefolgt von Frankreich. Die Schweiz ist auf Platz 19 von 33 Ländern. Die Lieblingsdestinationen der Schweizer Studierenden waren Deutschland, Frankreich, Spanien und Grossbritannien.

Im Durchschnitt ging ein Erasmus-Student laut EU-Kommission 6,2 Monate ins Ausland und erhielt 272 Euro pro Monat. Die tiefsten Stipendienbeiträge erhielten die Spanier mit 143 Euro, die höchsten Studierende aus Liechtenstein mit 616 Euro.

In der Schweiz lag der Unterstützungsbeitrag für jene, die im Ausland studierten, gemäss ch Stiftung für Eidgenössische Zusammenarbeit bei durchschnittlich 220 Euro pro Monat. Bei jenen die ein Praktikum absolvierten, waren es 337 Euro pro Monat.

Die beliebtesten Fächer unter den Austauschstudenten waren Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (41 %), gefolgt von Geisteswissenschaften und Kunst (22 %) sowie Ingenieurwissenschaften, Fertigung und Bauwesen (16 %).

Schweiz fehlt 2014 bei «Erasmus»

Die Schweiz nahm seit mehreren Jahren am EU-Bildungsprogramm teil. Nach dem Ja zur Zuwanderungsinitiative legte die EU jedoch sämtliche Verhandlungen mit der Schweiz auf Eis auch jene zu «Erasmus», dem Nachfolgeprogramm von Erasmus, welches ab 2014 gilt.

Um den Studentenaustausch sicherzustellen, beschloss der Bundesrat daher, die Studierenden mit jenen Mitteln zu unterstützen, die für «Erasmus» bereits vorgesehen waren. Dies entspricht 22,7 Millionen Franken für das Jahr 2014.

Ziel der Schweiz ist es, wieder voll am EU-Bildungsprogramm teilzunehmen. Auf eine entsprechende Frage sagte EU-Bildungskommissarin Vassiliou, sie hoffe, mit der Schweiz eine Lösung zu finden. (thu/sda)

Erstellt: 10.07.2014, 14:37 Uhr

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