Ermittlungen nach Randale in Basel

«Verdacht auf Gefährdung des Leben»: Die Basler Strafverfolgung sucht nach Videos und Hinweisen.

Bilder, die keiner sehen will. Polizeieinsatz am Sonntag nach dem Match FCB–FCZ, nachdem der Fan-Zug nach Zürich gestoppt worden war.

Bilder, die keiner sehen will. Polizeieinsatz am Sonntag nach dem Match FCB–FCZ, nachdem der Fan-Zug nach Zürich gestoppt worden war. Bild: Newspictures/Simon Ertler

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Als die Kamera des Schweizer Fernsehens am Sonntag­nachmittag über den Gästesektor des Joggeli-­Stadions schwenkte, war kurz folgende Szene zu beobachten: Eine Gruppe von Anhängern des FC Zürich zündet mehrere Petarden. Plötzlich wird eine davon Richtung Spielfeld geworfen. Spätere Fotos und Fernsehbilder zeigen die über 1000 Grad heisse Petarde, wie sie auf dem Rasen neben dem Spiel weiterbrennt. Das reicht der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, um aktiv zu werden.

«Aufgrund einer ersten Sichtung des Video- und Bildmaterials haben wir ein Verfahren wegen Verdacht auf Gefährdung des Lebens, Verdacht des Verstosses gegen das Sprengstoffgesetz sowie Verdacht versuchter schwerer Körperverletzung eingeleitet», sagt Peter Gill, Medienchef der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Details zu den Ermittlungen werden keine bekannt gegeben. Die Strafverfolgungsbehörden suchen nach Videos und Hinweisen, um den oder die Täter zu identifizieren.

Für Bernhard Heusler, Präsident des FC Basel, ist klar, dass der Club oder der Stadionbetreiber eine Anzeige eingereicht hätte, wenn damit die Ermittlungen hätten ausgelöst werden müssen. Dass der FCB nun mit Sanktionen rechnen müsse, sei absehbar. «Wir tragen als Veranstalter solcher Spiele gemäss Reglement einen Teil der Verantwortung für das, was innerhalb und ausserhalb des Stadions passiert», erklärt Bernhard Heusler.

Mit Krawall-Vorsatz ins Stadion

Auch im Baselbiet hat die Kantonspolizei Ermittlungen wegen Delikten rund um das FCB-FCZ-Spiel aufgenommen. Bereits im Vorfeld des Fussballspiels im Gebiet Freuler in Muttenz kam es an mehreren Fahrzeugen zu Sachbeschädigungen, sagt Sprecher Nico Buschauer von der Polizei Basel-Landschaft. Aufgrund der FCZ-Slogans, die zum Teil in die Autos gekratzt wurden, sei die Zuordnung gegeben.

Beim Bahnhof Pratteln stoppten FCZ-Anhänger auf dem Nachhauseweg den Sonderzug, indem sie die Notbremse zogen. In der Folge randalierten mehrere Personen rund um den Kiosk und beschädigten Fahrzeuge in der Nähe, indem sie Scheiben zerstörten. Die Polizei musste intervenieren und Gummischrot einsetzen.

Nicht zum ersten Mal werden nach solchen Ausschreitungen Stimmen laut, die ein härteres Durchgreifen fordern. «Diese Konflikte und gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen im Fussball permanent vor. Es wäre nun wirklich an der Zeit, dass die Clubverantwortlichen andere Saiten aufziehen und diese sogenannten gewalttätigen Fans rigoros sanktionieren», sagt etwa Markus Melzl, Kolumnist, Justizexperte und ehemaliger Medienchef der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. «Es ist bekannt, dass solche Krawall-Fans nicht selten mit einem gewissen Vorsatz oder doch einer Bereitschaft für Randale diese Auseinandersetzungen suchen, um Alltagsfrust abzubauen oder einfach nur, um Spass zu haben.»

Es könne nicht sein, dass es jedes Mal zur Gewalt komme, nur weil jemand ein Spiel verliere. «Gewinnen und verlieren gehört nun mal zum Sport und zum Fussball und ist kein Grund, Sachbeschädigungen zu begehen oder gewalttätig zu werden», erklärt Melzl.

Unbeteiligte betroffen

Betroffen waren am Sonntag auch zahlreiche unbeteiligte Zugreisende, die von ihren Ausflügen nach Hause reisten. Sie mussten auf Bahnhöfen ausharren und auf die Züge warten. Denn wegen der Chaoten, die in Pratteln auf die Geleise liefen, fielen laut SBB insgesamt neun Reisezüge komplett aus. «Die Störung dauerte 25 Minuten und die Auswirkungen waren in der Nordwestschweiz spürbar», sagt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig.

Die Notbremse wurde nicht aufgrund eines medizinischen Notfalls im Zugabteil gezogen, sondern um den Zug anzuhalten. Wer das warum gemacht hat, können die SBB nicht sagen. Das Transportunternehmen sieht keine Handhabe, dem Treiben solcher Fans einen Riegel zu schieben, weshalb nicht verhindert werden könne, dass absichtlich gestoppte ­Fanzüge sich auf andere Reisende ­auswirken.

Ein Stück weit sehen sich die SBB dem Phänomen machtlos gegenüber. «Wir würden gerne von Basel nonstop nach Zürich durchfahren», sagt Ginsig, «doch die Fans, welche die Notbremse ziehen, verunmöglichen uns dies.» Der Griff an die Notbremse hat in diesem Fall Kosten von «einigen Tausend Franken» verursacht, welche die SBB übernehmen müssen.

Für Silvio Kern, stellvertretender Mediensprecher der Swiss Football League (SFL), sind es «unverbesserliche Chaoten», die das Problem sind und solche Vorfälle provozieren. Zu den Pyros sagt er, dass die SFL zusammen mit Behörden und Clubs alles unternehmen, damit bereits in den Eingangsbereichen der Stadien das Schmuggeln von Leuchtpetarden unterbunden werden könnte. «Leider gibt es Wege, diese Kontrollen zu umgehen», sagt Kern. Er sieht in Geisterspielen oder gesperrten Fansektoren ein geeignetes Mittel, um repressiv auf die Fanszenen zu wirken. «Über das Strafmass in diesem Spiel müssen nun die Disziplinarbehörden entscheiden.»

Erstellt: 14.04.2015, 07:28 Uhr

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