Erpressung mit Sexvideo

Ein italienischer Etablissementbetreiber hat keinen Versuch unterlassen, vom Kanton Tessin für sein Bordell eine Bewilligung zu erhalten. Dafür wurde er nun bedingt verurteilt.

Der Eingang zum Lumino’s-Club in Lumino TI. Foto: Keystone

Der Eingang zum Lumino’s-Club in Lumino TI. Foto: Keystone

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Angefangen hat alles mit einer ­Lizenz, die die Gemeinde Lumino TI einem Bordellbetreiber verweigerte. Angeblich hatten die Behörden dem Italiener zuvor versprochen, dass er die Bewilligung für sein Etablissement erhält. Doch dann waren es technische Gründe, die die Beamten geltend machten. Das gab böses Blut. Die Angelegenheit ging zum Kanton. Es kam zu einem Video, auf dem ein Beamter Sex hatte. Der 49-jährige Italiener wurde festgenommen. Ein kranker Tessiner Staatsrat wurde in die Sache verwickelt, Prostituierte protestierten vor dem Regierungs­gebäude in Bellinzona, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren, und der Beamte auf dem Video verlor seine Stelle.

Gestern nun zog das Strafgericht Lugano einen Schlussstrich unter die Affäre. Der Richter sah es als erwiesen, dass der italienische Sexclubinhaber mit allen Mitteln die Schliessung seines Etablissements in Lumino TI verhindern wollte.

Die Richter haben ihn wegen Drohung gegen Behörden zu einer bedingten Haftstrafe von 24 Monaten verurteilt, weil er mit kompromittierenden Videoaufnahmen von einem Staats­angestellten den Kanton unter Druck setzen wollte. Es habe allein der Durchsetzung seiner Interessen gedient, sagte der Richter, dass der Beschuldigte im August 2013 dem inzwischen verstorbenen Staatsrat Michele Barra ein pikantes Filmchen auf seinem Handy zeigte.

Die Aufnahmen zeigten einen leitenden Beamten des Baudepartements beim Sex mit einer Prostituierten. Dieser Kantonsmitarbeiter war für das Dossier von Bordellen ausserhalb der Bauzone zuständig.

Der Beschuldigte hatte im Verlauf des Prozesses immer abgestritten, dass er Druck auf Barra ausüben wollte. Er erklärte, es sei ihm nur darum ­gegangen, das Fehlverhalten des Kantonsmitarbeiters anzuprangern. Der Bordellbesitzer behauptete, dieser habe seine Getränkerechnungen nicht bezahlt. Der Richter sah dennoch den Anklagepunkt «Drohung gegen Behörden» bestätigt.

Politische Folgen

Der Bordellinhaber wurde ausserdem wegen Verstosses gegen den Schutz der Privatsphäre durch Video- und Tonaufnahmen, versuchten Betrugs gegenüber der Arbeitslosenkasse, Hinderung einer Amtshandlung sowie Verletzung des Gesetzes über die AHV-Versicherungen schuldig gesprochen. Unter anderem machte er nach Schliessung seines Bordells den Verlust eines angeblichen Monatslohns von 16 500 Franken bei der Versicherung geltend.

Die Affäre um die Aufnahmen aus dem Bordell hatte im vergangenen Herbst politische Folgen. Staatsrat Michele Barra, damals neu im Amt, geriet unter medialen Druck. Nach Bekanntwerden des Falls hatte Barra erklärt, er habe den Bordellbesitzer bei dem Treffen abblitzen lassen und aus dem Raum geworfen. Für ihn sei die Sache damit erledigt gewesen. Später kam allerdings heraus, dass der Staatsrat nur wenige Wochen nach dem Treffen ausgerechnet den gefilmten Mitarbeiter beauftragte, eine Lösung für alle Bordelle zu finden, die sich ausserhalb der Bauzone befinden. Ob er damit speziell dem Bordell in Lumino entgegenkommen wollte, wurde nie geklärt. Barra verstarb kurz nach der Affäre aufgrund einer schweren Erkrankung.

Der involvierte Verwaltungsangestellte verlor nach einem Disziplinarverfahren des Kantons «im gegenseitigen Einverständnis» seine Stelle. Der Bordellinhaber, der nach acht Monaten vorzeitigem Strafvollzug nun auf Bewährung freikommt, sagte, er wolle seine Geschäfte im Tessin aufgeben.

(TA/SDA)

Erstellt: 04.06.2014, 07:43 Uhr

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