Was die neuen SBB-Züge mitbringen

Erstmals getrennte Toiletten für Frauen und Männer: Mit den neuen EC250 von Stadler Rail reagieren die SBB auf die Kritik der Kunden an den WCs.

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In den neuen Zügen für die Strecke ­Basel–Zürich–Mailand sind im Verhältnis zur Sitzzahl doppelt so viele Toiletten wie in den bisherigen Fernverkehrszügen vorgesehen – total sind es 13, wovon zwei rollstuhlgängig. Zudem sind sie für Frauen und Männer getrennt, und für Letztere gibt es auch Pissoirs. «In der Schweiz gehen die Passagiere 60 Prozent häufiger auf die Zugtoilette als im Ausland», sagte Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr der SBB, an der gestrigen Medienorientierung am Hauptsitz in Bern. Wohl auch deshalb gibt es immer wieder Kritik wegen defekter oder schmutziger Toiletten.

Die Ausschreibung für den neuen Zug hatte sich wegen der Vorschriften im Behinderten-Gleichstellungsgesetz verzögert. «Der Zug ist jetzt nicht nur behindertenfreundlich, sondern generell kundenfreundlich», sagte SBB-Chef Andreas Meyer. Für Rollstuhlfahrer gibt es je zwei Plätze in der ersten und zweiten Klasse sowie im Restaurant. Rollstuhlfahrer finden je eine Eingangstür in der ersten und der zweiten Klasse, bei welcher sie ebenerdig einfahren können. Wer mit grossen Koffern unterwegs ist, steigt mit Vorteil ebenfalls dort ein. Bei den anderen Türen muss in den Schweizer Bahnhöfen eine Stufe hochgestiegen werden. «Es ist nur eine Stufe, keine Treppe», sagte Meyer. In deutschen Bahnhöfen ist der Zugang dank höherer Bahnsteige überall ebenerdig.

Anzeige der freien Sitzplätze

Der tiefe Einstieg ist möglich, weil sich die Türen in der Mitte der Wagen befinden und nicht am Ende, wo das Drehgestell im Weg wäre. Zudem ist so nur eine Tür pro Wagen und pro Seite nötig, was Platz für mehr Sitzplätze schafft.

An den Aussentüren sowie im Innern bei den Übergängen zwischen den Wagen zeigt ein Bildschirm an, wie die Belegung ist. Messinstrumente registrieren, wenn Passagiere ein- und aussteigen oder den Wagen wechseln. Die Belegungsanzeige ist Teil des gesamten elektronischen Systems, welches den Streckenplan und weitere Fahrgastinformationen umfasst. «In jeden Zug werden 1,5 Tonnen Material für das Anzeigen­system eingebaut», sagte Meyer.

Die Türen sind mit 90 Zentimetern um rund 15 Zentimeter breiter als in den heutigen Zügen. Das kommt laut Angaben der SBB nicht nur Rollstuhlfahrern entgegen, sondern erlaubt auch Passagieren mit grossen Koffern rascher einzusteigen, sodass es nicht zu Stockungen und Warteschlangen kommt. Die Türöffnung ist auch breit genug für Velos mit Packtaschen auf beiden Seiten. Allerdings gibt es im ganzen Zug mit 403 Sitzplätzen nur 4 Stellplätze für Velos. Diese sind laut Jeannine Pilloud insbesondere für Reisende vorgesehen, welche lange Strecken wie Zürich–Mailand fahren. Innerhalb der Schweiz seien die Interregiozüge das geeignete Transportmittel für Velos im Selbstverlad. Immerhin: Wie die Sitzplätze sind auch die Velo­abstellplätze mit Steckdosen ausgerüstet, sodass die Batterie des Elektrovelos aufgeladen werden kann.

Gepäckraum verdoppelt

Der Stauraum für das Gepäck pro Sitzplatz ist gemäss Auskunft der SBB doppelt so gross wie beim Cisalpino. Weil ein grosser Teil der Sitzplätze gegenüberliegend angebracht ist, ergibt sich zwischen den Sitzreihen viel Gepäckraum. «Schwere Koffer können so ebenerdig verstaut werden und müssen nicht in die Hutablage hochgestemmt werden», sagte Meyer. Auch für Kinderwagen gebe es viel Platz. Die Beinfreiheit entspreche der Eurocity-Norm.

Die Stadler-Wagen werden mit LED-Lampen in drei Farben ausgerüstet. Sie lassen sich dimmen, sodass sie in der Nacht weniger hell leuchten als am Tag. Im Winter werden sie eher ein warmes Licht abgeben und im Sommer, wenn es heiss ist, eher ein kühles. Welche Farbe sich wann am besten eigne, werde nun zusammen mit Testpersonen geprüft, hiess es am Freitag. Selbstverständlich werde sich auch die SBB-Konzernleitung an diesen Tests beteiligen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.05.2014, 00:03 Uhr

Andreas Meyer.

Jeannine Pilloud.

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