«Es genügt nicht mehr, gut zu arbeiten»

FDP-Präsident Fulvio Pelli sucht Erklärungen für zwei weitere Niederlagen. Ein Rücktritt ist kein Thema.

Seit 2005 Präsident der FDP Schweiz: Der Tessiner Fulvio Pelli.

Seit 2005 Präsident der FDP Schweiz: Der Tessiner Fulvio Pelli.

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Vor einer Woche haben Sie gesagt, die FDP werde im Tessin beide Regierungssitze verteidigen. Was ist schiefgelaufen?
Im Tessin ist etwas Kurioses passiert: Die Lega hat nicht nur den anderen Parteien Stimmen weggenommen, sondern auch Wähler binden können, die beim letzten Mal die Liste ohne Parteibezeichnung eingelegt hatten. Die Lega hat daher einen grossen Sprung nach vorne gemacht, ohne dass die FDP ein sehr schlechtes Resultat eingefahren hätte.

Die FDP hat trotzdem verloren –wie in Basel-Landschaft, Zürich und Luzern.
Ja, wir verlieren. Für Wahlsiege scheint es nicht mehr zu genügen, gut zu arbeiten. Der Schweiz und dem Tessin geht es gut, wir haben tiefe Arbeitslosenzahlen und funktionierende Sozialversicherungen. Wir haben eine Wirtschaft, die trotz schwachem Euro und Dollar exportieren kann. Die Wähler lassen sich von Verunsicherungen leiten, die von globalen Phänomenen wie der Migration herrühren. Das nützt den Parteien, die sich auf wenige Themen konzentrieren.

Viele sprechen vom Fukushima-Effekt. Wenn in Luzern die SVP und im Tessin die Lega gewinnt, reicht das nicht als Erklärung.
Es ist nicht nur Fukushima. Die Sorgen der Leute scheinen generell mehr mit der internationalen Lage zu tun zu haben als mit der realen Situation in der Schweiz.

Mit dem Tessin ist eine der letzten FDP-Bastionen gefallen. Ziehen Sie daraus persönliche Konsequenzen?
Ich bin nicht mehr Präsident der Tessiner FDP, sondern der FDP Schweiz. Zudem hat die Tessiner Partei immerhin 25 Prozent erreicht, was nicht Nichts ist. Wir stehen nicht vor einem parteipolitischen Phänomen, sondern vor einem soziologischen: nämlich einem Land, dem es gut geht, dessen Bewohner sich aber so schlecht fühlen, dass sie diese monothematischen Parteien wählen.

In Zürich gab es Stimmen, die Ihnen die Schuld an der Niederlage gegeben haben. Spüren Sie Druck, zurückzutreten?
Ich spüre überhaupt keinen Druck, und niemand hat mich zum Rücktritt aufgefordert. Anonyme Stimmen, die im «Tages-Anzeiger» meinen Kopf fordern, aber es mir nicht direkt sagen können, haben keine Bedeutung.

Sie wollen bei den Nationalratswahlen vom Herbst 20 Prozent erzielen. Glauben Sie noch daran?
Das werden wir nach der Analyse der kantonalen Wahlen sehen. Vor Fukushima waren nicht alle Ergebnisse negativ, danach schon. 20 Prozent sind für uns das Minimum, damit dieses Land nicht aufhört, liberal zu sein. Das ist und bleibt unser Ziel, auch wenn wir den negativen Trend nicht ignorieren können.

Was ist ein realistisches Resultat für den Herbst?
Ich gebe keine Prognosen ab, sondern stelle bloss fest, dass es in zwei Kantonen nicht so gelaufen ist, wie wir es erhofft hatten.

Erstellt: 10.04.2011, 23:06 Uhr

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