«Es gibt genug fähige Frauen für die Schweizer Verwaltungsräte»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga fordert eine Frauenquote von 30 Prozent in Verwaltungsräten. Für Headhunterin Doris Aebi ist viel wichtiger, dass Frauen in diesem Amt überhaupt ernst genommen werden.

Die Kultur in Verwaltungsräten ist oft männlich geprägt: Eine Frau vor einer Powerpoint-Präsentation.

Die Kultur in Verwaltungsräten ist oft männlich geprägt: Eine Frau vor einer Powerpoint-Präsentation. Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga fordert eine Frauenquote von 30 Prozent in Verwaltungsräten. Wie sinnvoll ist diese Forderung?
Frauen sind in der Schweiz in Verwaltungsräten untervertreten, deshalb ist es sinnvoll, die Diskussion über dieses Thema aufrechtzuerhalten. Die Meinungen, ob die Quote das richtige Instrument ist, gehen natürlich auseinander. Ich persönlich kann grundsätzlich mit oder ohne Frauenquote für Verwaltungsräte leben. Viel entscheidender für mich ist, dass die Rolle der Frauen im Verwaltungsrat ernst genommen wird. Um den Frauenanteil in Verwaltungsräten zu erhöhen, kann ich mir verschiedene Massnahmen vorstellen.

Zum Beispiel?
Ich finde etwa den Ansatz von Economiesuisse gut, im «Code of Best Practice» festzuhalten, dass dem Verwaltungsrat männliche und weibliche Mitglieder angehören und dass die Gründe öffentlich gemacht werden sollen, wenn Firmen davon abweichen. Ich glaube, dass den Wirtschaftsverbänden in dieser Frage eine wichtige Rolle zukommt. Zum Beispiel durch konkrete Aktivitäten, die ihre Mitglieder sensibilisieren und unterstützen, wie Frauen im Verwaltungsrat vermehrt integriert werden können. Darunter verstehe ich die Erhöhung des Frauenanteils, aber auch, dass ihnen Gehör verschafft und Verantwortung übertragen wird. Vorstellbar wäre auch, dass ein Award für Firmen geschaffen wird, die sich durch einen besonders aktiven Einbezug der Frauen im Verwaltungsrat auszeichnen.

Aber eine gesetzlich festgeschriebene Quote, wie sie Bundesrätin Sommaruga fordert, torpediert doch solche Bemühungen?
Das sehe ich nicht so. Ganz im Gegenteil: Dieser Vorstoss kann andere Bestrebungen zum Erreichen eines höheren Frauenanteils in Verwaltungsräten verstärken.

Die «NZZ am Sonntag» schreibt, mit einer Frauenquote von 30 Prozent in den Verwaltungsräten müsste man auf einen Schlag 300 Verwaltungsratsposten neu besetzen. Gibt es so viele fähige Frauen auf dem Markt?
Ja, davon bin ich überzeugt. Für Verwaltungsräte sind heute genügend Frauen zu finden. Wir reden ja von börsenkotierten Unternehmen, die in der Regel international ausgerichtet sind. So kommen also Schweizerinnen und Ausländerinnen infrage. Ganz generell für alle Firmen ist das richtige Vorgehen zur Gewinnung von Verwaltungsrätinnen wichtig. Es genügt nicht, wenn in einem durch Männer dominierten Verwaltungsrat über mögliche Kandidatinnen diskutiert oder einfach Frauennetzwerke angegangen werden, um aus den dort registrierten Namen auszuwählen.

Sondern?
Entscheidend ist ein professioneller Suchprozess, der auf Frauen ausgerichtet ist. Voraussetzung dafür ist, dass zuerst die Anforderungen an die verschiedenen Funktionen im Verwaltungsrat definiert werden. Lange meinte man, jedes Mitglied des Verwaltungsrats müsse ein ehemaliger Firmenchef sein. Das stimmt nicht: Es braucht im Verwaltungsrat auch spezifische Fachkenntnisse, etwa im Bereich Personal oder Finanzen. Sucht man nach diesem Fachwissen, tauchen mehr Frauen auf dem Radar auf.

Erstellt: 14.09.2014, 19:28 Uhr

Doris Aebi

Doris Aebi ist Headhunterin und hat sich auf die Rekrutierung von Frauen spezialisiert. Im Jahr 2005 gründete sie zusammen mit René Kuehni die Aebi+Kuehni AG in Zürich. Zuvor war Doris Aebi unter anderem Mitglied der Direktion bei der Credit Suisse. (Bild: zvg)

Artikel zum Thema

Sommaruga will gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent

Börsenkotierte Firmen sollen eine Frauenquote von 30 Prozent in den Verwaltungsräten erfüllen, schlägt die Justizministerin vor. Die Wirtschaft pocht auf Freiwilligkeit. Mehr...

EU-Kommission schlägt Frauenquote vor

Der zähe Streit ist beendet: Bis zum Jahr 2020 sollen alle Aufsichtsräte von grossen EU-Unternehmen zu 40 Prozent mit Frauen besetzt werden. Wer sich nicht an das Gesetz hält, dem drohen Sanktionen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Verstehen Sie Ihre Arztrechnungen?

Sie wollen wissen, was genau auf Ihrer Arztrechnung steht? Kein Problem – lassen Sie es sich einfach im Kundenportal des Gesundheitsversicherers Atupri übersetzen.

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...