«Es ist kein Verbrechen, im Ausland einzukaufen»

Trotz Euro-Tief sinken in der Schweiz die Preise nicht. Preisüberwacher Stefan Meierhans rät den Schweizer Konsumenten deshalb, in Deutschland einzukaufen.

Stefan Meierhans: Unpatriotischer Einkaufstipp oder Weckruf für Schweizer Handel?

Stefan Meierhans: Unpatriotischer Einkaufstipp oder Weckruf für Schweizer Handel? Bild: Gaetan Bally/Keystone

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In einem Interview mit «Cash Online» empfiehlt Preisüberwacher Stefan Meierhans den Schweizer Konsumenten, in Konstanz oder Freiburg einzukaufen und fügt an: «Es ist kein Verbrechen, den Einkauf im Ausland zu erledigen – besonders dann, wenn eben Währungsvorteile nicht weitergegeben werden».

Sollen die Konsumenten im Ausland einkaufen?

Wenn Währungsvorteile nicht weitergegeben werden, haben wir ein Wettbewerbsproblem. Spielt der Markt, müssten Wettbewerbsvorteile weitergegeben werden. Funktioniert der Wettbewerb nicht, geht man ins Ausland einkaufen. Das kann man keinem Konsumenten verargen.

Aber haben Sie wirklich den Auftrag, die Konsumenten auf Einkaufsmöglichkeiten im Ausland hinzuweisen?

Die Preisüberwachung ist auch eine Wettbewerbsbehörde. Wir setzen uns für wirksamen Wettbewerb ein. Im Preisüberwachungsgesetz heisst es, der Preisüberwacher soll den Markt beobachten und die Öffentlichkeit über seine Tätigkeit informieren. Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger darf ich bekannt machen. Und ich habe gesagt: Einkaufen im Ausland ist kein Verbrechen.

Ist die Aussage ernst gemeint oder bloss Provokation?

Was heisst Provokation? Grundsätzlich habe ich Vertrauen in den Wettbewerb. Aber wenn Währungsvorteile nicht weitergegeben werden, haben wir ein Wettbewerbsproblem.

An welche Branchen denken Sie konkret?

Velos, Autos und Bücher wurden uns unter anderem gemeldet. Aber ich hebe nicht einfach eine Branche heraus. Bilanz ziehen können wir frühstens Ende Jahr.

Wie war eigentlich das Echo auf Ihre Äusserung?

Bis jetzt blieb es relativ ruhig.

Was muss passieren, damit sich der tiefe Euro auf die Schweizer Konsumentenpreise auswirkt?

Es braucht einen wirksamen Wettbewerb. Damit ist das Problem gelöst. Was mir ein Anliegen ist, das ich auch dem Detailhandel mitteilte: der Handel schadet sich selber, wenn er die Währungsvorteile nicht weitergibt. Das ist auch im Interesse der Schweiz: Wir müssen uns auf Konkurrenz einstellen, sonst verlieren wir Umsatz ans Ausland.

Erstellt: 27.08.2010, 20:07 Uhr

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