Interview

«Es wird eng für die Abzockerinitiative»

Die Minder-Initiative könnte trotz momentanem Umfrage-Vorsprung scheitern, sagt Isopublic-Geschäftsführer Matthias Kappeler. Wenn es der CVP und SVP gelingt, ihre Anhänger von einem Nein zu überzeugen.

Die Gegner der Abzockerinitiative holen auf: Abstimmungsplakat der Nein-Kampagne.

Die Gegner der Abzockerinitiative holen auf: Abstimmungsplakat der Nein-Kampagne. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Laut der gestern veröffentlichten Isopublic-Umfrage haben die Befürworter der Abzockerinitiative momentan 24 Prozentpunkte Vorsprung. Reicht das für einen Abstimmungserfolg?
Wäre heute gewählt worden, wäre die Initiative angenommen worden – die Chancen sind somit intakt, aber die Abstimmung ist bei weitem noch nicht gewonnen. Es zeigt sich regelmässig, dass die Gegner von Volksinitiativen zulegen, je näher der Abstimmungstermin rückt. Die Initianten sind mit ihren Argumenten viel früher in den Medien präsent als die Gegner. Daraus resultiert oft ein Startvorsprung. Jetzt geht der Abstimmungskampf erst richtig los. Die Leute beginnen, sich genauer über die Vorlage zu informieren und auch die Gegner können ihre Argumente platzieren. Weiter zeigt sich, dass die in Umfragen unentschlossenen Personen meist ein Nein in die Urne legen. Der Vorsprung der Befürworter wird also sicher noch abnehmen.

Warum ist die Unterstützung bereits jetzt stark geschwunden? In früheren Umfragen sprachen sich rund 75 Prozent für die Initiative aus, jetzt sind es noch 54 Prozent.
Die früheren Umfragen stammen nicht von Isopublic und ein Vergleich ist somit nur bedingt möglich. Es könnte in diesem Fall sein, dass der Gegenvorschlag des Parlaments ein Grund dafür ist, dass die Erosion bei der Unterstützung so stark ausfällt. Der Gegenvorschlag ist erst seit letztem Sommer bekannt und stellt für viele eine gute Kompromisslösung dar.

Männer sagen zu 59 Prozent Ja, Frauen zu 46 Prozent. Warum dieser Geschlechtsunterschied?
Die Umfrage zeigt, dass Männer sich generell für besser informiert halten als Frauen und sich deshalb öfter schon für eine Position entschieden haben. Nachfragen zum Kenntnisstand zeigen allerdings, dass der Informationsvorsprung der Männer vor allem ein eingebildeter ist.

Auch das Alter der Befragten spielt eine Rolle: 63 Prozent der über 55-Jährigen sind für die Initiative, bei den 18- bis 34-Jährigen sind es nur 38 Prozent. Warum?
Die Gründe sind ähnlich wie beim Unterschied zwischen Frauen und Männern. Die Älteren fühlen sich generell viel besser informiert als die Jüngeren und haben sich öfter bereits festgelegt. Wer sich gut informiert fühlt, neigt offenbar eher zu einem Ja.

Bei welchen Parteisympathisanten bröckelt die Unterstützung am stärksten?
Kritisch wird es bei den CVP- und SVP-Wählern und -wählerinnen. Die Parteiführungen werden wohl in den nächsten Wochen ihre Mitglieder noch mit Informationskampagnen bearbeiten. Wenn sie es schaffen, einen grossen Teil von ihnen von einem Nein zu überzeugen, wird es eng für die Initiative.

Zwei Drittel der Befragten wollen «sicher» oder «sehr wahrscheinlich» über die Initiative abstimmen. Wie viele werden es am 3. März tatsächlich sein?
Ich halte es durchaus für möglich, dass die Abzockerinitiative deutlich mehr Stimmbürger an die Urnen lockt als eine durchschnittliche Vorlage. Die durchschnittliche Stimmbeteiligung liegt bei rund 40 Prozent. Die Abzockerinitiative könnte jedoch 50 Prozent erreichen.

Was müssen die Befürworter jetzt tun, um ihren Vorsprung zu halten?
Sie müssen aufzeigen, dass der Gegenvorschlag die schlechtere Lösung ist. Sie müssen es schaffen, die Anhänger der CVP und SVP mit ihren Argumenten zu erreichen. Und sie müssen diejenigen Bürger an die Urne bringen, die einen Groll gegen die Managerklasse hegen, die Faust im Sack machen, aber normalerweise nicht stimmen gehen.

Was müssen die Gegner tun, um weiter aufzuholen?
CVP und SVP müssen ihre Anhängerschaft hinter sich bringen. Und die Gegner müssen die Bevölkerung von den Vorzügen des Gegenvorschlags überzeugen.

Hat der Economiesuisse-Skandal mit den gekauften Leserbriefen den Gegnern geschadet?
Er hat die Sympathien sicher nicht gefördert. Aber es ist nicht der ganz grosse Skandal, denn auch bei vielen anderen Abstimmungen ist nicht jeder Leserbrief von dem geschrieben, der auch unterzeichnet. Ich glaube nicht, dass dieser Vorfall die Abstimmung entscheidend beeinflussen wird.

Erstellt: 14.01.2013, 14:02 Uhr

Matthias Kappeler ist Geschäftsführer des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Isopublic. Er hat die Umfrage zur Abzockerinitiative im Auftrag des «SonntagsBlick» durchgeführt. (Bild: PD)

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