Eveline Widmer-Schlumpf

«Sie steht vor grossen Veränderungen.» Die Finanzministerin versucht ihr Glück mit einer Steuerreform. Die etwas andere Bilanz.

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Politische Inhalte Note: 5
Sie stand von Tag eins an im Gegenwind. Als Eveline Widmer-Schlumpf im Dezember 2007 die Wahl in den Bundesrat annahm, zog sie damit den ewigen Zorn der SVP-Granden auf sich. Das Ergebnis ist bekannt: Im Frühjahr 2008 wurde sie mitsamt ihrer Bündner Kantonalpartei aus der SVP Schweiz ausgeschlossen. Ihren politischen Höhepunkt erlebte sie im historischen Herbst 2008, als sie mitten in der UBS-Krise Finanzminister Hans-Rudolf Merz ersetzen musste, der einen Herzinfarkt erlitten hatte. Sie meisterte diese Aufgabe souverän, wie ihr selbst ihre Gegner attestierten. Anderes misslang ihr: Im Justizdepartement überwarf sie sich mit wichtigen Mitarbeitern, und unvergessen bleibt ihr gescheiterter Vorstoss, dass künftig eine Bewilligung brauche, wer Kinder betreuen wolle (und sei es die Gotte, die ihr Gottenkind hüten möchte). Seit einem Jahr ist Widmer-Schlumpf Finanzministerin. Sie hat in dieser Zeit die «too big to fail»-Vorlage durchs Parlament gebracht und arbeitet im Moment an einer «ökologischen Steuerreform».

Rhetorik Note: 4–5
Sie will nicht buhlen ums Volk, sie will nicht populär sein. Rhetorisch positioniert sie sich bewusst auf einer Fach-und Expertenebene. Ihre Sprachmelodie erscheint nicht natürlich, sie spricht bei öffentlichen Auftritten etwas gekünstelt. In der Argumentation bleibt sie immer auf dem Boden und scheint äusserst resistent gegenüber Anschuldigungen und Kritik.

Kleidung/Aussenwirkung Note: 4
Gar nicht schlecht, das Outfit! Die Kleidung passt, auch wenn die Tasche für die zierliche Frau zu wuchtig ist. So sportlich-lässig gekleidet sieht man Eveline Widmer-Schlumpf selten. Modetechnisch ist sie sonst eher eine graue Maus. In Bundesbern ist eine professionelle Stilberatung kein Thema. Man glaubt offenbar, dass eine «herausgeputzte» Bundesrätin nicht gut ankommt. Dabei könnte gerade die Finanzministerin ein hilfreiches Händchen bei der Kleiderwahl gut gebrauchen.

Gunst des Schicksals Note: 3–4
Oh, schwierig. Sie steht vor grossen Veränderungen, da kommt ein Schicksalsjahr auf sie zu, ganz klar. Man muss ganz genau zuhören, was sie sagt. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, sage ich nur, ich wäre sehr vorsichtig im Umgang mit ihr. Sie ist durchsetzungsstark, wird aber 2012 einige Probleme haben.

Erstellt: 07.12.2011, 14:27 Uhr

«Sie steht vor grossen Veränderungen.» Eveline Widmer-Schlumpf versucht ihr Glück mit einer Steuerreform. (Bild: Keystone )

Die etwas andere Bilanz

Am 14. Dezember treten sechs Bundesräte zur Wiederwahl an. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch dieses Jahr ein amtierendes Regierungsmitglied nicht im Amt bestätigt wird. Die «Basler Zeitung» hat deshalb Bilanz gezogen und das Wirken der Bundesräte analysiert. Wer verdient die Wiederwahl? Wer nicht? Wir definierten vier Kategorien, die für erfolgreiches Politisieren wichtig sind:

1. Politische Inhalte
2. Rhetorik
3. Kleidung/Aussenwirkung
4. Gunst des Schicksals

Unsere Experten

Wo wir nicht weiterwussten, haben wir uns Hilfe geholt. Die Rhetorik der Magistraten bewertete Marcus Knill, ein schweizweit bekannter Kommunikationsexperte. In Sachen Schicksal vertrauten wir auf Mike Shiva, das berühmteste Medium des Landes. Ursula Schneider, die in der «Basler Zeitung» die Lifestyle-Seiten verantwortet, hat sich der Kleidung der Bundesräte angenommen. Die Würdigung der politischen Inhalte übernahm das Politik-Ressort.

Entstanden ist das Notenblatt der Bundesräte. Gute Unterhaltung.

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