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Ex-Geiseln «bezahlten» Befreiung mit sechs Vorträgen

Die zwei im Jahr 2011 in Pakistan entführten Schweizer mussten sich nicht an den Befreiungskosten beteiligen. Stattdessen leisteten sie Präventionsarbeit. Konkret hielten sie sechs Vorträge an Fachschulen.

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Das Schweizer Paar, das im Norden Pakistans von Taliban entführt und acht Monate festgehalten worden war, hat seinen mit dem Aussendepartement (EDA) vereinbarten Präventionseinsatz abgeschlossen. Den beiden Berner Polizisten war im März 2012 die Flucht aus der Gefangenschaft gelungen. Zuvor waren im EDA während Monaten eine zehnköpfige Taskforce sowie fünf Personen in Pakistan mit dem Fall beschäftigt.

Die Kosten der diplomatischen Bemühungen hat das EDA bislang offiziell zwar nicht beziffert. Sie dürften den Steuerzahler aber Hunderttausende von Franken gekostet haben, wie ein vergleichbarer Fall aus dem Jahr 2009 zeigt: Damals wurde ein in Mali entführtes Zürcher Paar befreit; die Kosten dafür betrugen 5,5 Millionen Franken. Dass zur Rückführung des jungen Berner Paars Lösegeld geflossen sei, wie verschiedentlich gemutmasst worden war, hatte Aussenminister Didier Burkhalter stets in Abrede gestellt.

Der Bund hatte ihnen eine zunächst vorgesehene Kostenbeteiligung von 20'000 Franken erlassen, weil sie sich im Gegenzug bereit erklärt hatten, an Schulen vor Reisen in gefährliche Weltregionen zu warnen.

Von Reisen in gefährliche Regionen abgeraten

Konkret hätten die 30-jährige Polizistin und der 33-jährige Polizist sechs Auftritte an Tourismusfachschulen in den Kantonen Zürich, Wallis, Graubünden und Luzern absolviert und dem Reisemagazin «Globetrotter» ein ausführliches Interview gegeben, schreibt das EDA jetzt auf seiner Website. Ziel dieser Kampagne sei es gewesen, angehende Tourismusfachleute und Abenteuerreisende für die Risiken des Reisens in Gegenden zu sensibilisieren, von denen das EDA explizit abrät.

Trotz offizieller EDA-Warnungen war das Paar mit dem Campingbus von Indien her durch Pakistan gereist, wo es im Nordosten Belutschistans entführt worden war. Das EDA rät von nicht dringenden Touristenreisen in die Region ab. Sie gilt als Transitroute der radikalislamischen Taliban zwischen dem pakistanischen Stammesgebiet Süd-Waziristan und Afghanistan.

Kostenbeteiligung bei Reisen in Risikogebiete

Der Präventionseinsatz anstelle einer Kostenbeteiligung hatte politisch für Unmut gesorgt: So sprach etwa Ständerat Hannes Germann (SVP, SH), Präsident der Aussenpolitischen Kommission (APK), von einer Belohnung, wenn Entführungsopfer im Auftrag des EDA von ihrer Reise berichten dürften. Der Kostenerlass stand auch in Widerspruch zur Absicht des Parlaments, die Kostenbeteiligung für Repatriierungen gesetzlich zu regeln. Politiker verlangen nämlich, dass Geiseln künftig vermehrt für einen Teil der Kosten aufkommen, die sie dem Staat durch die Entführung verursachen. Gerade für Pakistan seien die Warnungen eindeutig genug, lautete der Tenor im Parlament. Wer daher ein Risiko eingehe, solle einen Teil der Kosten tragen.

Erstellt: 17.04.2013, 08:55 Uhr

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