Exklusive Umfrage: Deutliche Mehrheit für Konzern-Initiative

Die Volksinitiative «für verantwortungsvolle Unternehmen» geniesst grossen Rückhalt in der Bevölkerung.

91 Prozent Zustimmung in der Westschweiz: Die Initiative geniesst bei den Befragten hohe Akzeptanz. Auf Grafik klicken zum Vergrössern.

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Eingereicht wurde sie bereits vor einem Jahr, doch in diesen Tagen hat die Volksinitiative «für verantwortungsvolle Unternehmen» nochmals an Aktualität gewonnen. Die Paradise-Papers-Enthüllungen sind seit Anfang dieser Woche weltweit in den Schlagzeilen. Die Initianten sprechen von einem «sehr starken Rückenwind». Es hätten sich viele Leute gemeldet, die sich engagieren wollten, sagte gestern Rahel Ruch, die Koordinatorin des Initiativkomitees.

Das 2015 von NGOs und Gewerkschaften lancierte Volksbegehren will Schweizer Firmen verpflichten, die Menschenrechte und den Umweltschutz über die ganze Wertschöpfungskette im In- und Ausland einzuhalten. Strengen sich die Unternehmen nicht genügend an, drohen Klagen und harte Strafen.

Doch wie gross ist die Unterstützung für die Konzerninitiative in der Schweizer Bevölkerung wirklich? Das Forschungsinstitut GFS Zürich führte im Auftrag des Initiativkomitees zwischen dem 9. und dem 28. Oktober eine repräsentative Umfrage in der Deutsch- und der Westschweiz durch – und damit noch vor der Veröffentlichung der Paradise Papers. Befragt wurden 1004 Personen ab 18 Jahren, die zufällig aus dem Telefonbuch ausgewählt worden waren. Somit erfolgte ihre Auswahl aber auch unabhängig davon, ob sie in der Schweiz stimmberechtigt sind oder nicht.

91 Prozent Zustimmung in der Westschweiz

Auf die Frage, ob sie bestimmt dagegen, eher dagegen, eher dafür oder bestimmt dafür seien, wenn schon morgen über die Konzernverantwortungs­initiative abgestimmt würde, sprach sich schweizweit eine grosse Mehrheit von 77 Prozent für das Volksbegehren aus: 38 Prozent der Befragten waren bestimmt respektive 39 Prozent eher dafür. Auf der anderen Seite sprachen sich 6 Prozent entschieden und 14 Prozent eher dagegen aus. Unentschieden waren bloss 3 Prozent. Noch höher war die Zustimmung in der Westschweiz mit insgesamt 91 Prozent (davon 39 bestimmt dafür). Zum Vergleich die Deutschschweiz: 72 Prozent Ja-Anteil (38 bestimmt dafür).

Die Zustimmung ist bei den älteren Befragten deutlich höher als bei den jüngeren: Auf den grössten Zuspruch stösst die Initiative bei den 40- bis 64-Jährigen mit 82 Prozent. Bei den über 69-Jährigen befürworten 79 Prozent das Anliegen, während es bei den 18- bis 39-Jährigen «nur» 69 Prozent waren.

Akzeptanz nimmt mit Höhe des Einkommens zu

Eher überraschend ist auch, dass die Akzeptanz der Konzernverantwortungsinitiative mit der Höhe des Einkommens zunimmt. Bei einem Haushaltseinkommen von weniger als 4000 Franken pro Monat waren 69 Prozent der Befragten dafür. Ab 9000 Franken waren es 83 Prozent der Befragten.

Ebenfalls hoch war mit 82 Prozent der Zuspruch für die Forderung der Initiative, dass Konzerne mit Sitz in der Schweiz neu für Menschenrechtsverletzungen, die sie oder ihre Tochterfirmen im Ausland anrichten, haften sollen.

Ein Befragungsergebnis im Frühstadium einer Initiative ist allerdings erfahrungsgemäss mit Vorsicht zu geniessen. Bis zu einer allfälligen Abstimmung dauert es noch lange, und ein Abstimmungstermin ist noch gar nicht festgelegt. In der Regel ist die Zustimmung zu einer Initiative zu Beginn viel höher, mit dem Einsetzen des Abstimmungskampfs nimmt sie aber oft wieder ab.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.11.2017, 22:32 Uhr

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