Hintergrund

Separater Bus für Asylbewerber

Es hat noch viel Platz im Postauto nach Siebnen. Trotzdem sollen Asylbewerber mit einem separaten Shuttlebus zum Einkaufen gefahren werden. Ausgrenzung oder sinnvolles Zusatzangebot?

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Im separaten Shuttlebus statt im fast leeren Postauto zum Einkaufen: Asylbewerber des geplanten Asylzentrums Schräh in Innerthal SZ sollen so nach Siebnen gefahren werden, wie die «Obersee Nachrichten» heute berichten. Dies, obwohl 250 Meter vom Asylzentrum entfernt eine Haltestelle der Postautolinie Innerthal–Siebnen liegt.

Das Blatt schreibt von «Rassentrennung in der March», während der Schwyzer CVP-Regierungsrat Kurt Zibung das Shuttlebus-Angebot mit der «Entlastung des öffentlichen Verkehrs» begründet. Doch nach Angaben eines Postauto-Sprechers ist der Linienbus zwischen Innerthal und Siebnen im Schnitt zu 14 Prozent ausgelastet – am stärksten um 11.45 Uhr ab Siebnen sowie um 6.56 und 12.56 Uhr ab Innerthal. Was gibt es ausserhalb dieser Zeiten zu entlasten? «Die Asylbewerber können bei Bedarf selbstverständlich das Postauto benutzen, wenn sie wie die anderen Passagiere das Billett bezahlen», sagt Markus Blättler, Leiter Asylwesen des Kantons Schwyz, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

«Konfrontationen zwischen Bevölkerung und Asylbewerbern vermeiden»

Das Shuttlebus-Angebot ist laut Regierungsrat Zibung auch da, um «Konfrontationen zwischen der Bevölkerung und den Asylbewerbern zu vermeiden». Gab es also schon Vorfälle? «Nicht direkt», sagt der darauf angesprochene Markus Blättler. «Wir haben bisher keine Meldungen diesbezüglich erhalten.» Das heisse jedoch nicht, dass es keine Konfrontationen gegeben habe. Was als solche wahrgenommen werde, sei allerdings relativ: Die einen empfänden bereits den Anblick eines Asylbewerbers als Konfrontation, und andere, wenn jemand im Bus nicht für eine ältere Person aufstehe. «Konfrontation ist in dieser Diskussion vermutlich das falsche Wort, man meint dabei eher ein Aufeinandertreffen.» Regierungsrat Zibung sagte jedenfalls: «Klar dürfen die Asylbewerber das Postauto benützen. Wir sind doch hier nicht in Bremgarten.»

In den bestehenden Asylunterkünften in Morschach und im Muotathal gibt es bereits Shuttlebusse wie den im Wägital geplanten. Die gemachten Erfahrungen sind laut Markus Blättler gut. «Weil diese Orte wenig geeignet sind zum Einkaufen, fahren die Asylbewerber dafür nach Brunnen respektive Schwyz.» Die eingesetzten Shuttlebusse seien normale Betriebsfahrzeuge der Asylzentren. Die Asylbewerber in die grösseren Orte zu fahren, sei eine von vielen Aufgaben, die die Kleinbusse mit rund acht Sitzplätzen erfüllen. «Es sind keine Luxusfahrzeuge, sondern günstige Occasionen, die ihren Zweck erfüllen», hält Blättler fest. Auch gehe es nicht um einen regulären Busbetrieb, sondern um flexible Fahrten bei Bedarf, zum Beispiel wenn das Asylzentrum ohnehin Kommissionen in den grösseren Orten zu erledigen habe. Wegen einer einzigen Person, die einkaufen will, fährt der Shuttlebus laut dem Leiter des Schwyzer Asylwesens nicht.

Doppelte Ausgrenzung

Für Hans Stutz, grüner Luzerner Kantonsrat und Journalist mit Schwerpunkt Rechtsextremismus, findet beim Shuttlebus für Asylbewerber gleich eine doppelte Ausgrenzung statt. «Zum einen geografisch: Diverse Asylunterkünfte – zum Beispiel auf dem Lukmanierpass die geplante im Wägital – sind so weit von den Zentren entfernt, dass die Bewohner dort abgeschieden und ohne soziale Umgebung leben müssen», so Stutz auf Anfrage. Er ist davon überzeugt, dass dies absichtlich so gehandhabt wird, um Asylbewerber vor einem Aufenthalt in der Schweiz abzuschrecken und sie zur Ausreise zu bewegen. Zum anderen seien die Postautofahrten, wenn sie genutzt würden, kaum bezahlbar für Asylbewerber, die rund 8 Franken Taschengeld pro Tag erhielten.

Trotzdem plädiert Stutz nicht dafür, dass der Staat die Fahrten im Postauto bezahlt. Vielmehr fordert er, dass die Asylunterkünfte an zentraleren Orten zu stehen kommen. So seien die Bewohner nicht auf Fahrten angewiesen, und sie hätten zudem mehr Möglichkeiten zum Kontakt mit der lokalen Bevölkerung anstatt nur in ihrer kleinen Zwangsgemeinschaft. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.09.2013, 18:27 Uhr

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