FDP-Nationalrat Caroni will Mindestlohn für Nannys aufheben

FDP-Nationalrat Andrea Caroni stört sich am landesweiten Mindestlohn für Nannys. Die Regulierung sei ein Hindernis für die Berufstätigkeit beider Eltern.

FDP-Nationalrat Andrea Caroni, hier bei einer Medienkonferenz des Komitees Junge Eltern (Januar 2015). Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

FDP-Nationalrat Andrea Caroni, hier bei einer Medienkonferenz des Komitees Junge Eltern (Januar 2015). Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

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Andrea Caroni und seine Partnerin bringen ihre einjährige Tochter ab und zu einer Tagesmutter in Herisau. Ursprünglich wollten sie das Kind bei sich zu Hause von der gleichen Frau gelegentlich betreuen lassen. Doch als der Anwalt und Nationalrat die Vorschriften studierte und rechnete, entschieden sie sich für die externe Betreuung.

Würde die Frau die Tochter im Hause Caroni betreuen, müsste sie mit mindestens 18.55 Franken pro Stunde oder rund 160 Franken pro Tag entlöhnt werden. Schaut die Tagesmutter bei sich zuhause zum Töchterchen, gilt sie als Selbstständigerwerbende, für die es keine Lohnvorschriften gibt. Üblich sind dann Löhne von 4 bis 12 Franken pro Stunde; die von Branchenorganisationen empfohlenen Tagespauschalen für Tagesmütter liegen zwischen 50 und 80 Franken. Kurz und gut: Die Caronis müssten für die Betreuung bei sich zu Hause doppelt so viel bezahlen. Die Tagesmutter erhält nun 100 Franken pro Tag. Ein Krippenplatz in Herisau koste 70 bis 75 Franken, sagt Caroni

«Nanny ist keine Tagesmutter»

Der Kostenunterschied liegt im landesweiten Normalarbeitsvertrag (NAV) für Hauswirtschaft begründet. Dieser legt für Tätigkeiten wie Putzen, Waschen, Kochen sowie die Mithilfe bei der Betreuung von Kindern, Betagten und Kranken einen Mindestlohn fest. Sobald die Arbeiten in einem fremden Haushalt während mehr als fünf Stunden pro Woche ausgeführt werden, gilt der NAV.

Caroni hält es für widersinnig, dass der Ort der Betreuung für den Preis ausschlaggebend sei. Solche Regulierungen verteuerten die Kinderbetreuung und seien ein Hindernis für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Caroni verlangt deshalb mit einer Motion, dass die Betreuung von Kindern sowie allenfalls auch von Betagten und Kranken vom NAV ausgenommen werde. Wenigstens müsse der Bundesrat die Schwelle für die Mindestlohnvorschrift auf 8 bis 10 Stunden pro Woche erhöhen.

Für Caroline Studer vom Kinderbetreuungs-Suchportal Betreut24.ch gibt es aber wesentliche Unterschiede zwischen der Arbeit als Tagesmutter im eigenen Haus und Kinderbetreuung in der Wohnung der Eltern. «Wer sein Kind bei sich zu Hause betreuen lässt, beschäftigt eine Nanny und keine Tagesmutter», sagt die Juristin. Eine Tagesmutter könne ihren Tag im Unterschied zur Nanny selbst gestalten. Die Tagesmutter gehe ihren gewohnten Tätigkeiten im eigenen Haushalt nach und verbinde die Fremdbetreuung eines Kindes oft mit der Betreuung eigener Kinder. Eine Nanny mache fast immer auch noch Haushaltarbeiten bei der Familie, von der sie beschäftigt werde. Oft verfügten Nannys zudem über eine entsprechende Ausbildung für Kinderbetreuung. Deshalb sei eine höhere Entlöhnung angebracht. Der Unterschied zwischen dem Lohn von Tagesmüttern und Nannys sei aber wohl tatsächlich zu hoch.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) begründet den Mindestlohn ­damit, dass «missbräuchliche Lohnbedingungen» durch «die wachsende Zahl zugewanderter Betreuerinnen und Hausangestellten in privaten Haushalten» verhindert werden müssten. Für die Kinderbetreuung gelte der Mindestlohn nur, wenn auch im Haushalt gearbeitet werde. Für Au-Pairs und jugend­liche Babysitter gilt der NAV nicht.

Caroni glaubt nicht, dass Eltern für die Kinderbetreuung auf «polnische Kurzaufenthalter setzen, sondern auf ihnen bekannte Personen». «Unsere Tagesmutter ist Schweizerin», sagt er.

Bei dem Gewerkschafter und SP-Nationalrat Corrado Pardini löst Caronis Vorstoss dennoch Kopfschütteln aus. «Dass ein Nationalrat einen Vorstoss in eigener Sache einreicht, ist schon speziell.» Es gebe keinen Grund, den NAV Hauswirtschaft aufzuweichen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.03.2015, 20:49 Uhr

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