Hintergrund

Fall Luca: Freysinger stellt eigenen Ermittlern schlechtes Zeugnis aus

Der neue Walliser Sicherheitsdirektor hat eine klare Meinung zur Frage, wer Luca Mongelli vor elf Jahren zum Invaliden machte. Laut «Rundschau» hat er als anonymer Autor ein Buch zum Fall Luca verfasst.

Er wollte mit seinem bekannten Namen die Wahrheitsfindung nicht erschweren: Der neue Walliser Staatsrat Oskar Freysinger. (Archivbild)

Er wollte mit seinem bekannten Namen die Wahrheitsfindung nicht erschweren: Der neue Walliser Staatsrat Oskar Freysinger. (Archivbild) Bild: Keystone

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Das Drama um Luca Mongelli begann am 7. Februar 2002. Tina Mongelli fand ihren damals siebenjährigen Sohn Luca auf einem verschneiten Feld bei Veysonnaz (VS). Der Knabe war schwer verletzt und bewusstlos, nackt und stark unterkühlt. Seither ist der heute 18-jährige Luca blind und gelähmt. Selbst elf Jahre nach dem Vorfall hat die Justiz noch nicht geklärt, ob Luca von vier Jugendlichen angegriffen worden war, wie die Eltern des Tetraplegikers sagen. Oder ob der Schäferhund der Familie Mongelli, Rocky, den Knaben verletzt hatte. Diese These hatte die Walliser Staatsanwaltschaft bis vor zwei Jahren vertreten – auf Grund des öffentlichen Drucks rollte sie den Fall wieder auf. Die Behörden führen gerade neue Untersuchungen durch.

Die These der Familie Mongelli erhält nun von unerwarteter Seite Unterstützung, wie das Informationsmagazin «Rundschau» von SRF heute Mittwochabend berichtet. Im 2010 erschienenen Roman «Canines» («Eckzähne») kritisiert der Autor die Ermittlungen der Walliser Behörden im Fall Luca scharf.

«Ich ertrage die Ungerechtigkeit nicht»

Hinter dem anonymen Autor steht SVP-Politiker Oskar Freysinger, wie die «Rundschau» enthüllt. Der neue Sicherheitsdirektor des Kantons Wallis, der unter anderem der Polizei und der Strafjustiz vorsteht, hält an seiner Kritik fest. Für den Autor und Staatsrat ist klar, dass nicht ein Hund dem damals siebenjährigen Luca die Verletzungen zufügen konnte, sondern nur Menschen.

«Ich ertrage die Ungerechtigkeit nicht, die hier geschehen ist», sagt Freysinger im «Rundschau»-Interview. «Je mehr ich das Dossier gelesen habe, umso mehr dachte ich mir, das kann doch nicht möglich sein.» Das Kind habe ja immer gesagt, was ihm passiert sei. «Ich habe dann Luca getroffen. Und er ist absolut klar gewesen im Kopf und hat nie vom Hund gesprochen.» Die Hundetheorie der Ermittler sei eine sehr wenig überzeugende Behelfslösung. Der Hund habe einen «idealen Schuldigen» abgegeben, sagt Freysinger weiter. Gemäss Medienberichten sollen die wahren Schuldigen von den Walliser Behörden geschützt worden sein.

Freysinger: Heute wäre das Buch wohl ein Problem

Im Roman «Canines» beschreibt Freysinger ein mutmassliches Versagen der Walliser Behörden. Die Rede ist von einem «Apparatschik», der seine Arbeit als Ermittler nicht korrekt macht. Die Familie Mongelli wird als Opfer des Systems dargestellt. «Hier passiert ein erster Fehler, ein zweiter, ein dritter usw. Und dann haben sich viele Leute etwas vorzuwerfen», heisst es in Freysingers Roman. «Und um sich zu schützen und zu decken, decken sie den Fehler des anderen. Also eine Hand deckt oder wäscht die andere und schliesslich kommt überhaupt keine Wahrheit mehr heraus.»

Freysinger hatte – zusammen mit der Familie Mongelli und seinem Verleger – entschieden, das Buch anonym zu schreiben, «um nicht mit seinem bekannten Namen die Wahrheitsfindung zu erschweren.» Das Buch erschien drei Jahre vor der Wahl Freysingers in den Walliser Staatsrat in diesem Frühling. «Wenn ich dieses Buch heute schreiben würde», so Freysinger, «wäre dies wohl ein Problem.»

Die Staatsanwaltschaft Wallis will zu den verschiedenen Vorwürfen keine Stellung nehmen. Auf Anfrage der «Rundschau» teilte sie aber mit, über den Fall Luca nach Abschluss der Ermittlungsarbeiten zu informieren.

Erstellt: 05.06.2013, 19:19 Uhr

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