Familienartikel spaltet die FDP

Die kantonalen FDP-Präsidenten sagen Nein zum Familienartikel – im Unterschied zu einigen Kantonalsektionen und zu den FDP-Frauen. Letztere zeigen sich denn auch enttäuscht.

Einsatz für und gegen den Familienartikel: Carmen Walker-Späh und Filippo Leutenegger. (Archivbild)

Einsatz für und gegen den Familienartikel: Carmen Walker-Späh und Filippo Leutenegger. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Parteipräsidentenkonferenz der FDP hat gestern die Nein-Parole zum Bundesbeschluss über die Familienpolitik gefasst. Sie teile zwar das Ziel der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, erachte die Familie aber als Privatbereich.

Deshalb solle der Staat nur dort eingreifen, wo es zum Schutz der Familienmitglieder oder der Gemeinschaft nötig sei. Dies teilte die Partei gestern Abend mit. Der liberale Weg führe über das Engagement der FDP in Kantonen und Gemeinden.

In der Frage der Familienpolitik ist die FDP Schweiz allerdings gespalten. Die FDP-Frauen haben bereits die Ja-Parole zum Familienartikel gefasst, ebenso die Kantonalsektionen der Kantone Bern, Genf, Neuenburg und Waadt.

Carmen Walker-Späh, Präsidentin der FDP-Frauen, zeigte sich denn auch gegenüber Schweizer Radio SRF 1 enttäuscht, dass die Frauen in der Partei in dieser Frage keine Mehrheit gefunden haben. Gleichzeitig betonte sie indes, dass die Partei nicht bei der besseren Vereinbarung von Beruf und Familie gespalten sei, sondern darin, wie dieses Ziel erreicht werden könne.

Frauen- und Männerdachverbände sagen Ja

Alliance F, der Bund schweizerischer Frauenorganisationen, und Männer.ch, der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, sind für den Familienartikel.

Die Vorlage berücksichtige zentrale Anliegen einer zeitgemässen Familien-, Gesellschafts- und Gleichstellungspolitik, schreiben sie in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Sie verpflichte Bund und Kantone, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern und für ein angemessenes Kinder-Betreuungsangebot zu sorgen.

Es sei wichtig, dass der Bund hierzu gesamtschweizerische Vorgaben erlassen könne; mit dem neuen Verfassungsartikel mache die Schweiz einen weiteren Schritt in Richtung echter Wahlfreiheit. Wenn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestärkt werde, habe dies einen grossen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen. (rbi/sda)

Erstellt: 02.02.2013, 07:59 Uhr

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