Fifa-Ermittler geht trotzdem

Bei den Anschuldigungen gegen Olivier Thormann ging es offenbar um angeblich heikle SMS. Jetzt wurde er voll entlastet.

Keine Vorwürfe mehr: Der leitende Bundes-Staatsanwalt Oliver Thormann. (Archiv)

Keine Vorwürfe mehr: Der leitende Bundes-Staatsanwalt Oliver Thormann. (Archiv) Bild: Keystone

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Im Fall des freigestellten Chefs der Wirtschaftsermittlungen bei der Bundesanwaltschaft hat der ausserordentliche Staatsanwalt Ulrich Weder entschieden, dass sich der Anfangsverdacht gegen Olivier Thormann in den Untersuchungen nicht erhärtet hat. Mit Verfügung vom 9. November 2018 wurde daher das Strafverfahren gegen Thormann eingestellt.

Bundesanwalt Michael Lauber hatte seinen Kadermann am Freitag vor zwei Wochen freigestellt. Lauber waren Ende September schwere Vorwürfe gegen den Abteilungsleiter Wirtschaftskriminalität zugetragen worden. Die Anschuldigungen seien «möglicherweise von strafrechtlicher Relevanz», bestätigte die BA letzte Woche Recherchen dieser Zeitung. Lauber hatte bei der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft beantragt, einen Sonderstaatsanwalt einzusetzen. Der ehemalige Zürcher Staatsanwalt Ulrich Weder nahm seine Untersuchung am 12. Oktober auf.

Die Vorwürfe standen laut Weder im Zusammenhang mit Verhaltensweisen und Äusserungen von Thormann gegenüber einem ehemaligen Mitarbeiter der Fifa. Offenbar ging es unter anderem um SMS-Nachrichten, welche zur Anzeige führten. Die Anschuldigungen seien vollumfänglich entkräftet worden, teilte Sonderstaatsanwalt Weder am Freitag mit.

Thormann erklärte sich bereit, unter anderem die SMS-Nachrichten dem Sonderstaatsanwalt für eine genauere Untersuchung zur Verfügung zu stellen. Die darauf folgende Sicherstellung der Nachrichten bedeutete eine Zwangsmassnahme, welche automatisch ein Strafverfahren nach sich zog. «Vom Sachverhalt her bestand nie ein genügender Anfangsverdacht», sagt Thormanns Anwalt. Das Strafverfahren hatte für Thormann den Vorteil, dass er Akteneinsicht erhielt und nun durch den klaren Entscheid des Sonderstaatsanwalts von allen Vorwürfen reingewaschen wurde.

Olivier Thormann wird trotzdem nicht mehr zur Bundesanwaltschaft zurückkehren. Bundesanwalt Michael Lauber und Olivier Thormann seien gemeinsam übereingekommen, das Arbeitsverhältnis aufzulösen, teilte die Bundesanwaltschaft auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet mit. «Dieser Schritt erfolgt nach einem bilateralen Gespräch und einer eingehenden Lagebeurteilung», heisst es weiter. Darüber hinaus äussern sich beide Parteien nicht. Thormann will sich künftig der Lehre und Forschung an der Universität Freiburg widmen.

Noch steht die Frage im Raum, warum Bundesanwalt Lauber derart heftig auf die nun als haltlos beurteilten Vorwürfe reagiert hat und seinen Ermittler gleich suspendierte. Man hätte auch das Resultat der Untersuchung abwarten und Thormann lediglich vom Fifa-Dossier freistellen können. Offenbar ist es zwischen den beiden zu einem Zerwürfnis gekommen.

Erstellt: 16.11.2018, 14:59 Uhr

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