Fischer-Rücktritt: Was Ritzmann, die SVP und Politiker sagen

Mittwoch 19.35 Uhr, er kam wie ein Paukenschlag, der Rücktritt des Zürcher Unirektors Andreas Fischer. Nun sind die ersten Reaktionen da – auch die des designierten neuen Unichefs.

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Iris Ritzmann zeigte sich auf Anfrage sehr erleichtert über den Entscheid. Sie bedankt sich für das Engagement der Kollegen, die sich für sie eingesetzt haben. 500 Professoren und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland haben bereits eine Protestpetition für sie unterschrieben. Ritzmann verlangt, dass nicht nur ihre Kündigung überprüft werde, sondern auch die jahrelangen Versäumnisse und Missstände am Institut. Sie hofft, dass sie wieder an die Universität zurückkehren kann.

In einer Stellungnahme schreibt Mörgelis Partei, die SVP, dass sich die Uni mit dem Rücktritt des Rektors und dem Quasi-Freispruch von Ritzmann «dem vom ‹Tages-Anzeiger›-Konzern geschürten linken internationalistischen Druck» beuge. Die linke Saat sei aufgegangen, die Intrige rund um das Medizinhistorische Institut gehe weiter: «Zürichs Alma Mater hat ihren Tiefpunkt erreicht.»

«Irgendwann keine Energie mehr»

«Menschlich kann ich den Rücktritt von Unirektor Fischer verstehen», sagt Hans-Peter Portmann (FDP), Präsident der kantonsrätlichen Aufsichtskommission, die sich demnächst mit der Affäre Mörgeli befassen wird. «Wenn man über eine so lange Zeit so stark in Konfliktbewältigung gefordert ist, hat man irgendwann keine Energie mehr.» Laut Bildungspolitikerin Esther Guyer (Grüne) gab es an der Uni schon vor dem Fall Mörgeli personelle Probleme, «und man hatte den Eindruck, dass das Rektorat nicht gut damit umging». Guyer forderte deshalb eine Professionalisierung. Der Unirat sollte den Rektor nicht mehr auf Vorschlag der Professorenschaft wählen, sondern in eigener Regie. Das Parlament lehnte das aber ab.

Urs Lauffer (FDP), Mitglied der Aufsichtskommission, sieht die Uni derzeit in einer «ernsthaften Krise». Iris Ritzmann zu entlassen, bevor auch nur ein Strafantrag vorlag, sei unverständlich. «Dass man nun versöhnliche Signale aussendet, ist ein guter Anfang, um Vertrauen zurückzugewinnen.» Von Fischers Rücktritt ist Lauffer nicht überrascht. Er hat ihn kürzlich gesehen und gespürt, wie gross der Druck von allen Seiten auf ihn ist. Andreas Fischer sei ein sensibler Mensch, das mache ihn anfälliger. «Er nahm die Kritik immer auch persönlich, weil er seine Sache gut machen wollte.» Sein designierter Nachfolger Michael Hengartner, der Mitte 2014 übernimmt, sei eine völlig andere Persönlichkeit, sagt Lauffer.

Neuer nimmt Amt «mit Zuversicht in Angriff»

Hengartner selber zeigt sich von der Entwicklung wenig beeindruckt. Er nehme sein Amt «mit Zuversicht in Angriff», sagte er gestern Abend. Dass man als Rektor in einem politischen Amt und deshalb exponiert sei, sei ihm immer bewusst gewesen. Obwohl er Wissenschaftler sei, bringe er die nötigen Voraussetzungen mit, nämlich: «Gelassenheit, eine Managementweiterbildung und Führungserfahrung – als Leiter einer Fakultät und Vater einer Grossfamilie.»

Erstellt: 07.11.2013, 06:28 Uhr

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