Fliegen Schweizer Pilatus-Flugzeuge über Mali?

Bei den US-Streitkräften werden die Nidwaldner Maschinen des Typs PC-12 für Aufklärungsflüge in Afrika eingesetzt. Ob sie zur Bekämpfung der malischen Islamisten aufsteigen, wollen die USA nicht kommentieren.

Von einem Zivilflugzeug kaum zu unterscheiden: Eine Pilatus-Maschine des Typs PC-12.

Von einem Zivilflugzeug kaum zu unterscheiden: Eine Pilatus-Maschine des Typs PC-12. Bild: Keystone

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Im Kampf gegen Terroristen in Mali hat Amerikas Verteidigungsminister Leon Panetta Frankreich logistische und geheimdienstliche Hilfe angeboten. Wie die «Weltwoche» heute berichtet, könnten diese Informationen womöglich mithilfe von Schweizer Pilatus-Flugzeugen gewonnen werden (Artikel online nicht verfügbar). Denn Maschinen des Typs PC-12 werden von zivilen Firmen eingesetzt, die Aufklärungsmissionen für die US-Streitkräfte fliegen.

Die PC-12 ist unbewaffnet und untersteht in der Schweiz daher nicht dem Kriegsmaterialgesetz. Sie ist aber mit Kameras und elektronischen Abhörgeräten ausgestattet. Weil das Flugzeug, anders als eine Drohne, nicht sofort als Aufklärungsmaschine identifiziert werden kann, ist es bei den Amerikanern sehr beliebt. Aus zwei Gründen:

  • Einerseits verfügen die USA in Afrika offiziell nur über eine dauerhaft besetzte Basis im ostafrikanischen Djibouti. Länder wie Mali sind zu weit entfernt, um sie ohne Zwischenstopp zu erreichen.
  • Andererseits müssen die USA für ihre Drohnen in der Regel die Überflugrechte der Länder einholen.

Spionageflüge über der Sahara werden getarnt

Erstmals öffentlich gemacht wurden diese geheimen PC-12-Luftoperationen 2011 von der Enthüllungsplattform Wikileaks. Dort wurden US-Telegramme veröffentlicht, die von Aufklärungsflügen unter dem Decknamen «Creeksand» berichteten, die vor allem von Burkina Faso aus durchgeführt wurden. Weitere Zusammenhänge stellte die «Washington Post» her: Sie berichtete über einen ehemaligen Piloten einer US-Spezialeinheit, der 2010 auf einem Transatlantikflug von Burkina Faso in die USA eine Bombendrohung äusserte.

Damals wurde bekannt, dass der Pilot eine Pilatus PC-12 flog und für eine private Firma die gleiche Mission flog, die er zuvor schon für die US-Streitkräfte erfüllt hatte. Die «Washington Post» berichtete weiter, dass die «Creeksand»-Mission an eine private Firma namens Sierra Nevada Corporation ausgelagert wurde. Die amerikanische Armee versucht also, ihre Spionageflüge mit den PC-12-Maschinen über der Sahara mit zivilen Maschinen zu tarnen.

Ob in den aktuellen Operationen zur Bekämpfung der al-Qaida im islamischen Maghreb (AQMI) auch Schweizer Flugzeuge über Mali kreisen, ist nicht bekannt. Denn auf Anfrage der «Weltwoche» wollten dies weder die Sierra Nevada Corporation noch die Africom, das für Afrika zuständige Kommando der US-Armee, kommentieren. (heb)

Erstellt: 24.01.2013, 12:28 Uhr

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