Fragezeichen um den BaZ-Deal

Tito Tettamanti behauptet, er habe Gewinn gemacht. Moritz Suter sagt unterschwellig das Gegenteil. Und in Basel fragt man sich: Wie hat Suter – wenn überhaupt – den «Basler Zeitung»-Deal bezahlt?

Moritz Suter: Er behauptet, er habe die BaZ für ein Butterbrot bekommen und keine Gönner ihm Rücken. doch viele zweifeln an dieser Darstellung.

Moritz Suter: Er behauptet, er habe die BaZ für ein Butterbrot bekommen und keine Gönner ihm Rücken. doch viele zweifeln an dieser Darstellung.

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Nach dem Freudentaumel über die vermeintliche Vertreibung Blochers aus Basel ist in Basel gestern das Werweissen über die Hintergründe des Deals angelaufen. Die Hauptakteure trugen dazu ihren massgeblichen Teil bei. Gleich nach Bekanntwerden der Transaktion verkündete Moritz Suter, er habe sämtliche Aktien der National Zeitung und Basler Nachrichten AG übernommen. Und tönte an, dass die Vorbesitzer Tito Tettamanti und Martin Wagner Geld verloren haben.

«Das Unterfangen ist ein riesiges Risiko, da kann man nicht mehr viel Geld verlangen. Davon können Sie ausgehen», sagte Suter gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Tettamanti hingegen liess die Basler gestern über Radio RSI wissen, dass er aus dem Geschäft «einen kleinen Gewinn erzielt» habe. Es sei aber «nicht das Geschäft seines Lebens gewesen».

Undurchsichtiges Finanzierungsmodell

Welche Version stimmt, muss vorderhand offenbleiben. Undurchsichtig bleibt auch Suters Finanzierungsmodell. Sämtliche Beobachter sind sich einig, dass Moritz Suter das Geld für den Kauf nicht alleine aufgebracht haben kann. Während eines Gerichtsprozesses (es ging um den Absturz einer Crossairmaschine in Bassersdorf) gab Suter 2008 an, rund 8,5 Millionen Franken Vermögen zu haben und jährlich 450'000 Franken zu verdienen.

Die niedrigsten Schätzungen des Preises, den Tettamanti und Wagner für die «Basler Zeitung» exklusive Schulden bezahlt haben, liegen bei rund 50 Millionen Franken. Selbst wenn Tettamanti und Wagner Suter den Konzern um die Hälfte ihres Einsatzes billiger überlassen hätten, müsste Suter 25 Millionen bezahlt haben. Dafür könnte er mit seinem Vermögen keine Sicherheit bieten.

Die Daig-These

Auf den Online-Portalen kursierten die ersten Vermutungen, der Basler Daig habe Suter unter die Arme gegriffen. Rudolf Maag, der schwerreiche Gründer des Medizinalunternehmens Synthes, wurde als möglicher Investor genannt, aber auch Marcel Ospel oder Thomas Straumann, der mit Zahnimplantaten reich geworden ist. Allen ist gemeinsam, das sie mit Suter im hochkarätig besetzten Stiftungsrat des Patronatskomitees Basler Kunstmuseen sitzen.

Suter selbst bestritt auf Anfrage des TA, dass er Gönner oder Mäzene im Rücken habe. «Die machen solche Sachen in der Regel nicht», sagte er. Für die Mäzenen-These spricht, dass gemäss Recherchen des TA Suters ehemalige Crossair-Verwaltungsrätin und gute Freundin Elisabeth Simonius «die Sache mal angeschaut hat», wie es eine gut informierte Person ausdrückt. «Die Sache» sei auch unter anderen treuen Wegbegleitern Suters «herumgegangen». Mit welchem Resultat, ist jedoch unklar.

Die Strohmann-These

Zwei voneinander unabhängige Beobachter bezeichneten gegenüber dem TA auch die Darstellung vom Ablauf des Deals durch Suter und Wagner insgesamt als unglaubwürdig. «Suter hat nicht genug Geld. Und für die Übernahme einer solchen Riesenkiste liegt weniger als ein Monat Prüfzeit gar nicht drin. Entweder war der Deal von langer Hand vorbereitet, oder aber die Eigentumsverhältnisse haben gar nicht geändert», sagt einer der Informanten. Suter bleibt bei seiner Version, dass die Aktien zu 100 Prozent sein Eigentum seien. Wie er das gemacht hat, sagt er nicht. «Weiter kann ich auch keine zusätzlichen Angaben zu der Konstruktion der Finanzierung machen», sagte Suter.

Dass er keine Due Diligence durchgeführt habe, räumt Suter ein und streicht dafür seine Risikobereitschaft heraus. «Wenn wir keine Risiken mehr eingehen, dann machen wir ja nicht einmal mehr Kinder», sagte Suter gegenüber Radio DRS und bat die Leser der «Basler Zeitung», ihm bezüglich der undurchsichtigen Eigentumsverhältnisse einfach zu glauben: «Man muss mir vertrauen. Ich vertraue den anderen auch. Wenn wir uns nicht mehr vertrauen können, müssen wir ganz aufhören.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.11.2010, 23:58 Uhr

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