Frau Martullo, wie hart muss der neue SVP-Chef sein?

Magdalena Martullo-Blocher spricht über die Nachfolge von Parteipräsident Albert Rösti und sagt, ob sie selber zur Verfügung steht.

Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher im Herbst 2016 im Gespräch mit Albert Rösti, der damals seit einem halben Jahr Parteipräsident war. Foto: Alessandro della Valle, Keystone

Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher im Herbst 2016 im Gespräch mit Albert Rösti, der damals seit einem halben Jahr Parteipräsident war. Foto: Alessandro della Valle, Keystone

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Welche Eigenschaften muss der Nachfolger von Albert Rösti haben?
Die neue Präsidentin oder der neue Präsident muss sehr gut sein, denn er führt die mit Abstand grösste Partei des Landes. Er oder sie muss vor allem führen können, schweizweit. Das heisst: In den Kantonalsektionen präsent sein und sie zum Erfolg führen. Je nachdem muss er helfen, unterstützen oder auch den Tarif durchgeben. Die SVP Schweiz ist schnell und stark gewachsen, unsere Strukturen hinken zum Teil hinterher. Diese zu stärken, wird eine der zentralen Aufgaben sein. Dafür muss der Präsident die Kantone gut kennen, die verschiedenen Kulturen. Er muss sicher Deutsch und Französisch sprechen, Italienisch oder Romanisch wäre natürlich auch gut. Er muss bereit sein, sich ausserordentlich zu engagieren.

Dennoch verdient er nichts für diesen Einsatz. Ist das richtig?
Wir sind skeptisch gegenüber Entschädigungen für politische Arbeit. Man sieht in Bern, dass Entschädigungen zu einem Berufsparlament führen. Doch wir werden diese Frage im Parteileitungsausschuss sicher auch noch einmal diskutieren.

Was meinen Sie mit schwachen Strukturen?
Wir haben zum Teil junge Parteien, etwa in der Westschweiz, die noch keinen starken Unterbau, keinen Nachwuchs haben. In vielen Kantonen fehlt es an der Mobilisierung. Dabei kommt die SVP-Politik gut an. Das sehe ich gerade in Gesprächen mit Wirtschaftsvertretern, etwa in der Westschweiz. Doch sie sind über unser Engagement zu wenig informiert. Da müssen wir besser werden. Wir müssen mehr unter die Leute. Wir dürfen uns allgemein nicht zurücklehnen nach dem Erfolg der letzten Jahre. Die Arbeit muss gemacht werden.

Die SVP ist breit, vom Bauern bis zum Professor spricht sie eine grosse Wählerschaft an. Aus welchem Milieu soll der Präsident kommen?
Da gibt es keine Einschränkung. Wir sind eine breit abgestützte Volkspartei, und ich denke, dass ein Präsident oder eine Präsidentin, ob er oder sie nun vom Land oder aus der Stadt kommt, unsere ganze Wählerschaft ansprechen kann. Wichtige Themen sind nun die Altersvorsorge, der EU-Rahmenvertrag und die Zuwanderung mit der Begrenzungsinitiative. Das interessiert im städtischen und ländlichen Raum gleichermassen. Um ein Beispiel zu nennen: Auch Toni Brunner, der ein typisch ländlicher Vertreter ist, konnte in den Städten sehr gut mobilisieren.

Albert Rösti wurde als zu lieb kritisiert. Wie hart muss der Präsident sein?
Einfach so hart wie nötig, dass die SVP die Ziele erreicht. Er muss aber auch mit den Sektionen umgehen können, Verständnis haben und verhältnismässig vorgehen. Manchmal braucht es Führung, manchmal Förderung, dann wieder Hilfe. Der Präsident muss verschiedene Eigenschaften haben, und ja, manchmal ist auch Härte gefragt.

Dem Vernehmen nach wollte die SVP Glarus im Wahlkampf keine Plakate aufhängen. Hätte es da einen Rüffel gebraucht?
Ich kenne keine Einzelheiten. Aber es kann unter der SVP-Sonne nicht einfach jede Sektion machen, was sie will. Zum Beispiel während eines eidgenössischen Wahlkampfs einfach nicht zu plakatieren, geht natürlich nicht.

Stand Albert Rösti unter Druck aus Zürich – das heisst, von Ihnen oder Ihrem Vater?
Nicht, dass ich wüsste. Aber was seinen Rücktrittsentscheid wohl beeinflusst hat: Wir haben im Parteileitungsausschuss die Ziele für die nächsten vier Jahre besprochen. Da gab es auch Diskussionen, und es wurde klar, dass der Präsident deutlich mehr Zeit in den Sektionen investieren muss. Vielleicht erzeugte das einen gewissen Druck.

Können Sie sich vorstellen, SVP-Präsidentin zu werden?
Zeitlich sehe ich das nicht, ich bin Unternehmerin und Nationalrätin. Als Vizepräsidentin der SVP Schweiz führe ich nun den Prozess der Nachfolgeregelung von Albert Rösti.

Erstellt: 22.12.2019, 18:00 Uhr

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