Frauen in der Politik: Zürich auf Platz 3

In welchen Kantonen regieren die Frauen? Wo sind sie deutlich un­ter­ver­tre­ten? Unsere Grafiken zeigen es.

«Halbe-halbe»: Schweizer Politikerinnen fordern Gleichberechtigung in politischen Ämtern. (Video: Youtube/EFK)

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Am heutigen Internationalen Frauentag pochen verschiedene Organisationen und Interessengruppen auf die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Alltag, in der Wirtschaft und der Politik. So fordern beispielsweise Schweizer Politikerinnen aus sieben Parteien und aus allen Landesteilen in einem Video (siehe oben), dass politische Ämter «halbe-halbe» aufgeteilt werden sollten. «Engagiert euch! Jetzt! Mit uns!», appelliert Bundesrätin Doris Leuthard zum Schluss des Videos, das die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen veröffentlichte.

In der Schweiz ist die Politik weiterhin in Männerhand, aber Frauen gewinnen zunehmend an Einfluss. Seit die Frauen 1971 das Stimm- und Wahlrecht in eidgenössischen Angelegenheiten erhalten haben, hat ihre Beteiligung sowohl auf nationaler als auch kantonaler Ebene fortlaufend zugenommen.

In den Kantonsparlamenten stieg ihr Anteil von 6 Prozent im Jahr 1975 auf heute 27,2 Prozent, in den Kantonsregierungen von einst 0,6 auf 24 Prozent. Im Nationalrat ist der Frauenanteil mit aktuell 32 Prozent noch höher. Nur im Ständerat kam es Mitte der 2000er-Jahre zum Bruch des aufsteigenden Trends.

2018 sitzen in den politischen Institutionen der Schweiz so viele Frauen wie noch nie. Trotzdem muss sich aus der Sicht derjenigen, die sich für mehr Gleichberechtigung einsetzen, künftig noch einiges tun. Denn die Frauen, welche gut die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, sind mit einem Anteil von knapp einem Viertel in der nationalen und kantonalen Politik immer noch klar untervertreten. Und der Schwung, mit dem Frauen vor allem in den 90er-Jahren in politische Ämter gewählt wurden, scheint abzuflauen.

Ausserdem unterscheidet sich die Frauenquote von Kanton zu Kanton erheblich. In acht Parlamenten (BL, AG, ZH, NE, VD, BE, BS, AI) beträgt sie 30 Prozent oder mehr. Spitzenreiter ist Basel-Landschaft mit fast 38 Prozent, gefolgt vom Aargau mit 36 Prozent und Zürich mit 34 Prozent. Sie haben einen mehr als doppelt so hohen Frauenanteil als das Schlusslicht Schwyz (14 Prozent), das als konservativer Kanton bekannt ist.

In allen grossen Parteien sind die Frauen, die ein legislatives Amt ausüben, in der Minderheit. Besonders krass ist das Missverhältnis bei der SVP, wo fast neun von zehn Parlamentariern Männer sind. Auch bei anderen bürgerlichen Parteien wie der BDP und der FDP ist der Frauenanteil vergleichsweise gering. Fast ausgeglichen ist das Verhältnis hingegen bei den Sozialdemokraten und den Grünen.

Während Frauen, vor allem bürgerlicher Parteien, in den kantonalen Parlamenten untervertreten sind, sieht es auf exekutiver Ebene noch schlechter aus. In den Schweizer Kantonsregierungen sind durchschnittlich nur 24 Prozent der Sitze weiblich besetzt. Sechzehn Kantone kommen nicht einmal auf diesen Wert, in drei (AI, LU, TI) besteht die Führung sogar ausschliesslich aus Männern.

Deutlich gehoben wird der Schnitt vom Thurgau und von der Waadt – den einzigen zwei Kantonen, wo Frauen die Mehrheit im Regierungsrat stellen. In Zürich, Solothurn und Baselland stellen die Frauen immerhin fast die Hälfte der Sitze.

Von einer angemessenen weiblichen Vertretung in politischen Organen ist die Schweiz also noch weit entfernt. Laut dem Bund wäre der Einbezug der Geschlechterperspektiven in politische Entscheidungen von grosser Bedeutung für die Realisierung der Gleichstellung zwischen Frau und Mann. Doch die statistischen Wahlchancen von Frauen liegen tendenziell immer noch tiefer als jene der Männer. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 18:16 Uhr

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