Der Walliser Messias von Europas radikalen Islam-Gegnern

Nationalrat Oskar Freysinger geht mit der SVP-Politik auf Europatournee und lässt sich feiern wie ein Pop-Star. Seine Heimatpartei allerdings mag nicht klatschen.

Mit tosendem Applaus empfangen: SVP-Nationalrat Oskar Freysinger an der Anti-Islam-Tagung vom Samstag in Paris.

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Oskar Freysinger ist schon mehrmals aufgefallen als internationales Aushängeschild seiner Partei. So gab er nach Annahme der Anti-Minarett-Initiative auf al-Jazeera ein Interview, und häufig tritt er in französischen Talkshows auf.

Dieses Wochenende war Freysinger zu Gast in Paris, wo er an einer Veranstaltung zur «Islamisierung unserer Länder» eine Rede hielt. Veranstalter waren der Bloc identitaire und Riposte laïque, Vereinigungen der extremen Rechten in Frankreich (siehe Box).

«Oskar, Oskar!»

Der Walliser, der als einer von rund 30 Rednern auftrat, geniesst unter den Islam-Gegner offenbar eine grosse Fangemeinde. Bevor ihn der Moderator ankündigen konnte, ertönten im Publikum «Oskar, Oskar»-Rufe, und als Freysinger die Bühne betrat wurde er empfangen wie ein Popstar, oder, wie er selber sagt, «wie ein Messias». Seine Rede wurde immer wieder von lang anhaltendem Applaus unterbrochen.

«Sie haben die Schnauze voll», sagt Freysinger, «von der Islamisierung in den Vororten und der politischen Elite, die das nicht beachtet.» Freysinger erklärt sein Messias-Image so: «Die bewundern das direktdemokratische System der Schweiz.» Freysinger gilt bei der extremen Rechten im Ausland als Kopf der Ausschaffungsinitiative und als «Mann, der die Minarette gestoppt hat».

«Volksrechte stärken»

Oskar Freysinger plant bereits seinen nächsten Auftritt im Ausland, ihm liegt eine Einladung einer Dresdner Bürgerbewegung vor. Ja, er werde die SVP-Ideologie nach Kräften in Europa verbreiten, bestätigt er. «Mit gutem Grund. Die Volksrechte müssen gestärkt werden.» Er macht einen Bogen zu den rhetorischen Differenzen zwischen der Schweiz und der EU: «Gerade jetzt, wo sich die EU wie ein heiliges Reich gebärdet, braucht es Gegensteuer.»

Die Europa-Mission behagt der SVP nicht unbedingt. «Die SVP ist da sehr zurückhaltend», sagt Generalsekretär Martin Baltisser auf Anfrage. «Aber den Volksvertretern schreiben wir nicht vor, wann sie wo auftreten dürfen. Sie müssen selber beurteilen, ob ein Auftritt sinnvoll ist oder nicht.» SVP-Vizepräsident Yvan Perrin sagte vor wenigen Wochen gegenüber den Medien, er würde die Einladung für ein solches Treffen ausschlagen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.12.2010, 12:22 Uhr

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«Die Parlamentarier müssen selber beurteilen, ob ein Auftritt sinnvoll ist oder nicht»: SVP-Generalsekretär Martin Baltisser. (Bild: Keystone )

Empfangen wie ein Messias: Oskar Freysinger am Wochenende in Paris, zu Gast an einem Anti-Islam-Treffen. (Bild: Keystone )

Bloc identitaire und Riposte laïque

Der Bloc identitaire sieht sich selber als weit weg von der extremen Rechten, wie der Sprecher Bruno Vendoire der «Tribune de Genève» sagte. Trotzdem ist die Gruppierung, die 2003 vom früheren Skinhead Fabrice Robert gegründet wurde, am rechten politischen Rand anzusiedeln. Im Veranstaltungssaal des internationalen Anti-Islam-Treffens waren mehrere Skinheads präsent. Einer der Gäste verglich in seiner Rede die Gefährlichkeit des Islam mit Adolf Hitler. Vor etwas mehr als einem Jahr formierte sich die Gruppierung mit rund 2000 Anhängern zur offiziellen Partei.

Mitveranstalterin war Riposte laïque, ebenfalls eine antiislamische Gruppierung und Internetpublikation. Die Anti-Islam-Konferenz sorgte im Vorfeld für Auseinandersetzungen. Bertrand Delanoë, Bürgermeister von Paris, wollte den Anlass verbieten. Schliesslich organisierte die Polizei ein erhöhtes Sicherheitsdispositiv, 200 Personen protestierten gegen die Veranstaltung.

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