Frühlingserwachen bei der Jugendorganisation

Die Stiftung Pro Juventute erzielt seit 15 Jahren erstmals wieder einen Gewinn. Dazu war jedoch ein radikaler struktureller Umbau von Nöten.

Die Organisation stand jahrelang vor dem Konkurs: Pro Juventute-Aktivisten in Bern. (Archivbild)

Die Organisation stand jahrelang vor dem Konkurs: Pro Juventute-Aktivisten in Bern. (Archivbild) Bild: Keystone

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Der radikale Umbau der Strukturen hat sich gelohnt: Erstmals seit 15 Jahren schliesst die Stiftung Pro Juventute wieder mit einem ausgeglichenem Ergebnis. Damit ist das Überleben der Stiftung vorderhand gesichert.

Die schwarze Null per 31. Dezember 2011 war das erklärte Ziel, als die neue Führung 2009 einschneidende Massnahmen zur Sanierung und finanziellen Gesundung der mittlerweile 100-jährigen Kinder- und Jugendorganisation eingeleitet hatte. Bei einem operativen Aufwand von 18,728 Millionen Franken schloss die Stiftung mit einem Plus von 16'000 Franken ab, wie sie am Montag mitteilte.

Mittelfristige Rettung noch nicht gesichert

Eine wichtige Etappe sei hiermit erreicht worden, wird Stiftungsratspräsident Josef Felder in einer Medienmitteilung zitiert. An der mittelfristigen Sicherung des Fortbestands von Pro Juventute müsse aber nach wie vor intensiv gearbeitet werden.

Wesentliche Gründe für die schwarze Null seien der Mittelzufluss im Bereich Spenden und Legate sowie Zuwendungen von Unternehmen und Stiftungen. Die Spenden und Legate erreichten letztes Jahr 6,4 Millionen Franken (2010: 4 Millionen). Die Zuwendungen von Kooperationspartnern (Firmen und Stiftungen) erhöhten sich um 20,8% auf 2,96 Millionen Franken.

Stiftungsräte arbeiteten gratis

Die Beiträge der öffentlichen Hand erhöhten sich um 0,3 Prozent auf 1,632 Millionen Franken. Es handelt sich hierbei insbesondere um die Beiträge des Bundes und der Kantone. Der operative Aufwand kam mit 18,728 Millionen Franken gut 4 Prozent höher als im Vorjahr zu liegen (2010: 17,9 Millionen Franken). Mit 4,196 Millionen Franken (minus 5,3 Prozent) weiter rückläufig ist der Ertrag aus dem Briefmarkenverkauf.

Sämtliche Mitglieder des Stiftungsrats wie auch der Stiftungsratspräsident verzichteten 2011 zudem auf ihre Spesenpauschalen und bezogen keinerlei Entschädigungen für ihren Einsitz im Stiftungsrat von Pro Juventute.

Im Zentrum des Engagements von Pro Juventute stand 2011 einerseits der Ausbau des Angebots im Bereich der Finanz- und Medienkompetenz. Die Unterrichtseinheit «Handyprofi» wurde erweitert und bietet neu als «Pro Juventute Medienprofis» Anleitung für den sinnvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit Neuen Medien.

Suizidhilfe

Intensiviert wurde auch die Nothilfe: Mit einer speziellen Notfalltaste konnten Anrufe von Kindern und Jugendlichen bei der Pro Juventute Beratung Hilfe 147 noch schneller entgegengenommen werden. «Eine Leben rettende Massnahme, bedenkt man, dass sich via Pro Juventute Beratung Hilfe 147 (Tel. 147, SMS an die Zielnummer 147, Chat: www.147.ch) pro Tag ein junger Mensch an das Team von Pro Juventute wendet, der Suizidgedanken hegt», wie es in der Medienmitteilung weiter heisst.

Ein weiterer Schwerpunkt lag 2011 auf der Unterstützung von Familien. Seit 40 Jahren publiziert Pro Juventute die so genannten «Elternbriefe»; 2011 erhielten diese einen neuen optischen und inhaltlichen Auftritt. Zudem wurde das Angebot für Eltern um die Broschüre «Unser Kind» ergänzt, die sich speziell an Eltern mit Migrationshintergrund richtet.

Auch in Zukunft sei Pro Juventute auf die breite Unterstützung angewiesen, heisst es im Communiqué weiter. «Nur so kann sichergestellt werden, dass auch in Zukunft jährlich 300'000 Kinder und Jugendliche sowie rund 100'000 Eltern in den Genuss der Angebote von Pro Juventute kommen können.» (mrs/sda)

Erstellt: 02.04.2012, 10:23 Uhr

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