Für 180'000 Schweizer ist Zahnarzt zu teuer

Kein Geld, dafür viel Schmerz – viele Schweizer beissen sich auf die Zähne, weil sie sich den jährlichen Besuch beim Zahnarzt nicht leisten können.

«Working Poor fallen in der Schweiz zwischen Stuhl und Bank»: Eine Zahnarzthelferin begutachtet ein künstlich, überdimensioniertes Gebiss.(15. Juni 2017)

«Working Poor fallen in der Schweiz zwischen Stuhl und Bank»: Eine Zahnarzthelferin begutachtet ein künstlich, überdimensioniertes Gebiss.(15. Juni 2017) Bild: Julian Stratenschulte/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der Schweiz verzichten jährlich 180'000 Personen aus Kostengründen auf eigentlich notwendige Zahnarztbesuche. Wie die «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» unter Berufung auf das Bundesamt für Statistik berichten, sind darunter auch rund 55'000 finanziell schwache gestellte Personen, die auch in anderen Lebensbereichen Entbehrungen in Kauf nehmen müssen.

Die im Auftrag des Bundes und der Kantone durchgeführte internationale Untersuchung ergab für die Schweiz eine Zahnarzt-Verzichts-Quote von 20,7 Prozent. In der Studie rangiert die Schweiz gleich hinter den USA, wo sich 33,6 Prozent der Bevölkerung den teuren Zahnarzt schenkt. Besonders hoch ist der Leidensdruck in der Westschweiz. Hier verzichtet 35 Prozent der Bevölkerung aus Kostengründen auf den Zahnarztbesuch.

Gefahr einer Abwärtsspirale

«Working Poor fallen in der Schweiz zwischen Stuhl und Bank», sagt der Luzerner Kantonszahnarzt Peter Suter. Diese Bevölkerungsgruppe müsse enger begleitet werden, fordert der Präsident der Vereinigung der Kantonszahnärzte.

Betroffen sind vor allem Minderbemittelte, die noch keine Sozialhilfe bekommen und denen medizinische Notfälle nicht staatlich finanziert werden. Viele würden sich über Wochen mit Schmerzmitteln behelfen und so ihre Situation verschlimmern, sagte Ramona Schäfer, Sozialberaterin bei Caritas Zürich. Mittellosen Familien empfiehlt sie Zahnärzte, die auf Ratenzahlungen einsteigen und einen niedrigen Sozialtarif verrechnen würden.

Denn nicht behandelte Zahnprobleme könnten neben Zusatzkosten weitere gesundheitliche Schäden und den sozialen Abstieg zur Folge haben, sagte die Beraterin. Mit gepflegten Zähnen seien zudem die Jobchancen deutlich besser. (foa)

Erstellt: 09.07.2017, 08:23 Uhr

Artikel zum Thema

Gesundheitskosten steigen auf 10'000 Franken pro Kopf

Teures Gesundheitswesen: Die Ausgaben wachsen laut Prognose rasant. Mehr...

Prognose für KK-Prämie von über 500 Franken

Eine Verdoppelung der Krankenkassenprämien bis 2040, das erwarten die CS-Ökonomen. Die Gründe. Mehr...

Immer mehr Working Poor in der EU

Trotz sinkender Arbeitslosenquote ist das Risiko für Armut in Europa grösser geworden. Denn immer mehr Menschen mit Vollzeitjobs sind betroffen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Verstehen Sie Ihre Arztrechnungen?

Sie wollen wissen, was genau auf Ihrer Arztrechnung steht? Kein Problem – lassen Sie es sich einfach im Kundenportal des Gesundheitsversicherers Atupri übersetzen.

Die Welt in Bildern

Zum Wiehern: Ein Pferd scheint sich in Feldberg im Schwarzwald über die weisse Pracht zu freuen. (18. November 2019)
(Bild: Patrick Seeger) Mehr...