Für die Zürcher FDP ist Petra Gössi die Richtige

Nicht der Berner Christian Wasserfallen, sondern die Schwyzer Nationalrätin Petra Gössi kandidiert für das FDP-Präsidium.

Setzt sich für die Anliegen der Geberkantone ein: Die Schwyzer Nationalrätin Petra Gössi. Foto: Manuel Zingg (Ex-Press)

Setzt sich für die Anliegen der Geberkantone ein: Die Schwyzer Nationalrätin Petra Gössi. Foto: Manuel Zingg (Ex-Press)

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Nun also doch: Am Samstagabend teilte die Schwyzer Nationalrätin Petra Gössi per E-Mail mit, dass sie entschieden habe, sich als Kandidatin für das Präsidium der FDP Schweiz zur Verfügung zu stellen. Daraufhin meldete sich gestern Mittag der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen bei den Medien: Er stehe nach reiflichen Überlegungen nicht als Kandidat zur Verfügung. Damit hat sich der am häufigsten genannte mögliche Bewerber für das Präsidium selbst aus dem Rennen genommen. Der 34-Jährige begründete seinen Rückzug unter anderem mit der Aussicht auf «weitere politische Wege, die in naher Zukunft spruchreif werden können».

Namentlich geht es um eine Kandidatur für die Berner Regierung (siehe unten). Bemerkenswert ist zudem folgende Aussage Wasserfallens: «Erst im Herbst des letzten Jahres stellte ich mich der Wahl als Fraktionspräsident, deren Ausgang für mich klar negativ war.» Hatte er aufgrund parteiinterner Gespräche realisiert, dass seine Wahlchancen für das Parteipräsidium nicht intakt sind? Insider sagen: An der «Bahnhofstrasse», sprich im Zürcher Wirtschaftsfreisinn, habe es Bedenken gegeben, dass zusätzlich zum neuen Tessiner FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis ein «Burgunder» an der Parteispitze stehen könnte. Zwar politisiert Wasserfallen genauso wie Gössi am rechten Rand der Partei, aber als Berner stehe er imagemässig für einen grossen, von der Landwirtschaft geprägten Nehmerkanton im nationalen Finanzausgleich (NFA). Dies umso mehr, als die CVP nun mit dem Zuger Nationalrat Gerhard Pfister einen Präsidenten bekommen könnte, der mit seiner Wirtschafts- und Steuerpolitik eigentlich besser zum Image der Zürcher FDP passen würde. Ein Wink mit dem Zaunpfahl dürfte auch ein grosses Gössi-Porträt gewesen sein, das nur wenige Tage vor deren Entscheid in der freisinnigen NZZ erschienen war.

Eine Vertreterin für die Zentralschweiz

Die 40-jährige Nationalrätin weilt bis Mitte Februar geschäftlich im Ausland und ist deshalb für die Medien nicht zu sprechen. Vor ein paar Wochen sagte sie jedoch der «Schweiz am Sonntag», wie sie sich gegenüber Wasserfallen positioniert: «Die Zentralschweiz ist in wichtigen Ämtern sehr schlecht vertreten, der wirtschaftspolitisch schwache Kanton Bern hingegen ist in Bundesbern sehr stark vertreten.» Bern würde bereits zwei Bundesräte, einen Fraktionspräsidenten und nun sogar einen SVP-Präsidenten stellen. Wie ein freisinniger Nationalrat dem TA sagt, habe Gössi mit diesen Argumenten in der Findungskommission zur Neubesetzung des FDP-Präsidiums punkten können. Zudem dürfte eine Rolle gespielt haben, dass in der fünfköpfigen Kommission drei Zentralschweizer sitzen: die Urnerin und ehemalige FDP-Fraktionschefin Gabi Huber, der Nidwaldner Kantonalparteipräsident Ruedi Waser und Vincenzo Pedrazzini, Vizepräsident FDP und früherer Präsident der Schwyzer FDP – er ist Vorsitzender der Findungskommission.

In Zürich kommt Gössis Kandidatur jedenfalls gut an. «Sie arbeitet in der Stadt Zürich und ist mit den städtischen Gegebenheiten des Metropolitanraums Zürich gut vertraut – das spricht aus unserer Optik für sie», sagt der Zürcher FDP-Präsident Beat Walti. Gössi wohnt in Küssnacht am Rigi und arbeitet als Steuer- und Unternehmensberaterin bei der Baryon AG. Die Zürcher Beratungs- und Finanzgesellschaft wird vom ehemaligen FDP-Präsidenten und Urner Nationalrat Franz Steinegger präsidiert. Geschäftsführer ist Martin Wipfli, Wahlkampfleiter der FDP Schwyz und Gemeindepräsident der Ausserschwyzer Steueroase Feusisberg.

Aus Zürcher Sicht sei zudem von Vorteil, dass Gössi aus einem Geberkanton stammt: «Damit vertritt sie auch die Interessen des Kantons Zürich, dem grössten Geberkanton der Schweiz», so Walti. So ist Gössi landesweit bisher nur einmal aufgefallen, als sie 2014 angesichts der rasant steigenden Schwyzer NFA-Zahlungen das Geld auf ein Sperrkonto einzahlen wollte, um Bundesbern damit zur Senkung der Beiträge zu zwingen. Gössis Wahlchancen stehen nach dem Rückzug Wasserfallens sehr gut. «Mir ist keine weitere Kandidatur bekannt», sagt Walti. Konkurrenz könne Gössi nun nur noch aus der FDP-Fraktion erwachsen, und «meines Wissens wurden da schon alle Namen abgehakt».

Vorbehalte bei Gerhard Pfister

Politisch gesehen sind Gössi und Pfister eigentlich ein Traumpaar: Beide stammen aus einem Zentralschweizer Tiefsteuerkanton, beide sind fiskalpolitisch konservativ und gegenüber einer offenen Aussenpolitik skeptisch. Doch Anfang Jahr beschlossen SVP und FDP, sich gegenseitig bei den Schwyzer Regierungsratswahlen im März zu unterstützen. Das Nachsehen hat die CVP. «Aus meiner Sicht war dies ein strategischer Fehler: Die FDP muss aufpassen, dass dieses Zusammengehen nicht auch in Bundesbern Schule macht», kritisiert Pfister.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2016, 22:18 Uhr

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