Reportage

Fulvio Pellis härtester Konkurrent war eine Ländlerkapelle

Der Präsident der angeschlagenen FDP hielt 1.-August-Reden quer durchs Land. In Untersiggenthal kamen die Zuhörer jedoch weniger wegen Fulvio Pelli als wegen der Iflue-Musig.

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Verletzte Tiere seien die gefährlichsten, sagt man. So hatte sich der Leitwolf der schwer angeschlagenen FDP Schweiz in jüngster Vergangenheit auch mit der CVP und der BDP überworfen, jenen Parteien, mit denen er einst ein Bündnis schmieden wollte. Am Montagabend war Fulvio Pelli aber in anderer Mission ans Rednerpult getreten. Er kam, um Optimismus zu verbreiten.

«Schön, sicher, sparsam, schlau und stabil»

Er ist vom einzigen Untersiggenthaler FDP-Gemeinderat Norbert Stichert eingeladen worden, in dessen Gemeinde die 1.-August-Rede zu halten. Und zur Überraschung des jungen Politikers sagte Pelli zu. Es war bereits der vierte Auftritt des FDP-Präsidenten an 1.-August-Feiern quer durchs Land. Und jedes Mal pries der die Schweiz als Sonderfall: «Unser Land ist eine wirtschaftliche Grossmacht, aber ein politischer Kleinstaat.» Er sprach von der «selektiven Offenheit der Bevölkerung» und anderen«komplizierten Begriffen», auf die er aber nicht weiter eingehen wolle. Denn nichts bringe den Sonderfall Schweiz besser auf den Punkt als die fünf Begriffe «schön, sicher, sparsam, schlau und stabil».

Er sprach davon, dass die Schweiz dringend mehr Optimismus nötig hätte – wohl jene Tugend, welche auch die FDP zur Zeit am dringendsten braucht. Pelli will bei den Nationalratswahlen im Herbst einen Wähleranteil von mindesten 20 Prozent erreichen, nach dem die Partei vor vier Jahren bereits auf unter 18 Prozent gefallen war und die Prognosen keine Wende erwarten. So liess Pelli nicht den geringsten Zweifel an seinem Optimismus aufkommen.

«Er hat gewusst, wo er ist»

Nur ein Zuhörer sagte auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet, die Chancen der FDP seien am Montagabend ein wenig gestiegen, im Herbst seine Stimme zu erhalten. Alle anderen waren einhellig der Meinung, Pelli sei zwar ein durch und durch sympathischer Typ. Aber politischer habe er das Heu auf einer anderen Bühne. Sogar Frau Gemeindeamman Marlène Koller war dem Tessiner zugetan, obwohl sie der SVP angehört. Sie war begeistert, wie «volkstümlich» Pelli ist, wie greifbar. Er habe sich die Mühe gemacht, in seiner Rede auf die Aargauer Gemeinde einzugehen, «er hat gewusst, wo er ist», frohlockte Koller.

Fest steht: Es kamen deutlich mehr Leute an die 1.-August-Feier in Untersiggenthal als in früheren Jahren. Rund 300 Menschen waren auf den Schulhausplatz gekommen und begrüssten Pelli mit einem warmen Applaus. Doch obwohl sich Tagesanzeiger.ch/Newsnet redlich bemühte, jemanden zu finden, der extra wegen Pelli kam, so war jemand anderes für den regen Zulauf verantwortlich: Therese Eichenbeger und ihre Iflue-Musig. Die Ländlerkapelle hatte den Abend fest im Griff. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.08.2011, 23:48 Uhr

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