Mister Verkehr fährt den ÖV an den Karren

Falsche Preispolitik, ewige Entscheidungswege: BAV-Chef Peter Füglistaler macht seinem Ärger Luft – und er spricht über die Zukunft des GA.

Glaubt an «flexiblere Abos nach Wunsch»: BAV-Direktor Peter Füglistaler.

Glaubt an «flexiblere Abos nach Wunsch»: BAV-Direktor Peter Füglistaler. Bild: Peter Schneider/Keystone

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Der Öffentliche Verkehr in der Schweiz droht beim E-Ticket im internationalen Vergleich den Anschluss zu verpassen. Der Direktor des Bundesamts für Verkehr (BAV), Peter Füglistaler, kritisiert, die ÖV-Branche sei nicht entscheidungsfähig, wenn es um Innovationen gehe.

Die Branche habe hier «effektiv ein Problem», sagte Füglistaler in einem Interview mit dem «St. Galler Tagblatt». «Die sehr aufwendigen Prozesse sind noch weitgehend basisdemokratisch, die zehn kleinsten Bahnen oder eine grosse Bahn können alles blockieren.» Die Branche sollte Strukturen schaffen, damit sie «wirklich Entscheide treffen» könne.

«Zu Stosszeiten teurer»

Innovationen wie etwa das E-Ticket seien Voraussetzung, ein Mobility Pricing mit differenzierten Tarifen einzuführen. Füglistaler kündigt an, es werde künftig «flexiblere Abos nach Wunsch» geben. «Zu Stosszeiten wird es teurer, in Nebenzeiten billiger.» Das Generalabonnement sei unbestritten, werde aber seinen Preis haben.

Im vergangenen März hatte die SBB anlässlich der Vorstellung des neuen «SwissPass» erklärt, ein System einzuführen, bei dem das E-Ticket automatisch beim Ein- und Aussteigen erfasst wird, sei derzeit schweizweit kein Thema. Einzelne Transportunternehmen könnten dies frühestens ab Ende 2016 testen.

«Angespannt, aber nicht hoffnungslos»

Auch bezüglich Preispolitik übt Füglistaler Kritik an den ÖV-Unternehmen. «Uns verärgerte, dass die ÖV-Branche schon früh sagte, sie wolle 2016 auf Preiserhöhungen verzichten. Das wäre auch eine Möglichkeit, mehr Mittel zu beschaffen.» Es könne nicht sein, dass nur der Steuerzahler für den Mehraufwand aufkomme.

Beim Regionalverkehr ist die finanzielle Situation laut Füglistaler «angespannt, aber nicht hoffnungslos». Für den Betrieb sollen 2016 zwar voraussichtlich 940 Millionen Franken und damit knapp zwei Prozent mehr zur Verfügung stehen. Beim heutigen Ausbaurhythmus könnten aber nicht alle neuen Angebote finanziert werden.

«Es kann aber keine Rede von einem Leistungsabbau sein, sondern allenfalls von einem langsameren Ausbau», sagte Füglistaler. Priorität habe beim Regionalverkehr 2016 die Region Neuenburg/Waadt und danach ein grösserer Ausbauschritt der S-Bahn Zürich. (dia/sda)

Erstellt: 26.06.2015, 09:41 Uhr

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