«Gegen Spinner kann man nichts machen»

Oskar Freysinger ist der Mann, der die SVP mit Europas Rechten vernetzen will. Nach den Wahnsinnstaten des Norwegers Anders Behring Breivik muss sich der Walliser Nationalrat rechtfertigen.

«Die Medien schauen, wie man die SVP schlechtmachen kann»: SVP-Nationalrat Oskar Freysinger.

«Die Medien schauen, wie man die SVP schlechtmachen kann»: SVP-Nationalrat Oskar Freysinger. Bild: Keystone

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Oskar Freysinger, Deutschlehrer aus dem Walliser Örtchen St-Germain, SVP-Nationalrat und Poet, ist mit von der Partie, wenn in Paris eine Anti-Islam-Konferenz durchgeführt wird, und er steht Pate, wenn in Deutschland die «Bürgerbewegung pro Sachsen» aus der Taufe gehoben wird. Mit Geert Wilders, dem Chef der holländischen Freiheitspartei, ist er persönlich bekannt. Wilders hat sich gestern schriftlich von Anders Behring Breivik distanziert; es handle sich um «Wahnsinnstaten». Der norwegische Attentäter hatte sich auf den Anführer der holländischen Rechten berufen, als er letzten Freitag vor dem Sitz der Regierung in Oslos Innenstadt eine Bombe zündete und auf der Insel Utöya mehr als siebzig junge Menschen erschoss.

Auch Oskar Freysinger verwahrt sich gegen die Vermutung, dass die Rechten mit ihrer Stimmungsmache gegen Migranten in der Schweiz und in Europa eine Mitschuld an der norwegischen Tragödie tragen würden. Welsche Kommentatoren und Politiker, welche die rechten Parteien in den letzten Tagen in die Pflicht nahmen, betrieben seiner Meinung nach ein durchsichtiges politisches Spiel und verletzten das Gedenken der Opfer.

Herr Freysinger, hat die Rechte Europas ein Problem nach den Attentaten von Norwegen?
Oskar Freysinger: Nein, ich wüsste nicht warum. Alle Informationen deuten darauf hin, dass Anders Behring Breivik ein Spinner war. Gegen Spinner kann man nichts machen.

Woraus schliessen Sie das?
Da kommt ja eine ganz krude Mischung zusammen. Einen grossen Teil seines Manifests hat Behring Breivik bei Ted Kaczynski abgeschrieben, der in den Achtzigerjahren aus Hass auf die Technisierung der Gesellschaft tötete. Behring Breivik überhöht den norwegischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten; gleichzeitig vertritt er nazistisches Gedankengut, wenn er von der Überlegenheit der weissen Rasse träumt. Die Muslime will er deportieren und umbringen. Warum bringt er dann Norweger um? Am meisten hat mich seine Mitgliedschaft bei den Freimaurern erstaunt. Das passt nun wirklich nicht mit Terror zusammen.

Ariane Dayer schrieb in «Le Matin Dimanche», die Tat dürfe nicht isoliert betrachtet werden. Es gebe einen Bezug zur parlamentarischen Rechten, die den Fremdenhass schüre.
Es ist klar, dass die Medien das jetzt nicht als Tat eines Verrückten durchgehen lassen wollen. Es ist Sommerloch, die Medien sind auf Stoffsuche. Zudem stehen Wahlen bevor und man muss schauen, wie man die SVP schlechtmachen kann. Anstatt der Opfer zu gedenken, versucht man, politisches Kapital aus der Tragödie zu schlagen. Das ist unwürdig. Aber ich rege mich gar nicht mehr auf. Das ist inzwischen alles so vorhersehbar.

Sie pathologisieren den Attentäter. Doch es geht auch um Politik und Ideologie. Behring Breivik bezog sich unter anderem auf Geert Wilders, den Chef der holländischen Freiheitspartei, mit dem Sie befreundet sind.
Und deswegen soll nun Geert Wilders eine Mitschuld tragen? Da müsste man auch Winston Churchill post mortem in die Verantwortung nehmen, denn den bewundert Behring Breivik auch. Der Mann ist einfach wirr im Kopf. Zudem: Hat man die Linken und die Grünen angeklagt, als ein links-grüner Irrer 2002 in der französischen Stadt Carpentras acht Parlamentarier massakrierte und 19 verletzte, weil sie seiner Meinung nach zu wenig sozial und ökologisch politisierten? Nein. Denn das wäre genauso dumm gewesen wie das, was jetzt im Fall von Oslo betrieben wird.

Sie gehören einer Partei an, die Linke als Filzläuse und Ausländer als schwarze Schafe, Raben und Ratten darstellt. Ist das nicht der Boden, auf dem der Hass entsteht, der nun in Norwegen fast neunzig Menschen das Leben gekostet hat?
Das mit den Filzläusen ist mir völlig unbekannt.

Das war die Propaganda der SVP in den Neunzigerjahren gegen die linke Stadtregierung in Zürich.
«Schwarzes Schaf» ist ein allgemeiner Begriff für Leute mit unangepasstem Verhalten und betraf lediglich Verbrecher. Die Raben stehen für ein Verhalten, das darauf abzielt, anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Meine Gegner haben mich, gut erkennbar, neben Adolf Hitler gezeigt und als SS-Mann, der Kinder in die Gaskammer schickt. Warum ging da kein Aufschrei durch die Medien? So weit ist die SVP nie gegangen.

Bei aller Wirrheit: Behring Breivik hat gezielt getötet. Seine Bombe richtete sich gegen Ministerpräsident Jens Stoltenberg und er hat junge Sozialisten massakriert.
Extremisten sind Extremisten. Die gibt es links, die gibt es rechts und die gibt es bei den Religiösen. Seit dem 11. September 2001 sind weltweit Tausende islamistischer Attentate verübt worden. Die Weltöffentlichkeit scheint sich einfach daran gewöhnt zu haben. Behring Breiviks Tat ist die eines Verrückten. Er ist nicht besser als die Islamisten, die er zu bekämpfen vorgibt.

Hätten Sie sich am Freitag, als die Taten geschahen, träumen lassen, dass es ein Rechter sein könnte?
Ich weiss, wozu Rechtsextreme fähig sind. Auch bei uns gibt es im Umfeld der Pnos (der Partei national orientierter Schweizer, die Redaktion) und der Skinheads rabiate Typen, die sich nicht zum Rechtsstaat bekennen. Dass einer so weit geht, ist allerdings ungeheuerlich.

Nun prangert ja Behring Breivik das gleiche Malaise an wie Sie: die Verwässerung der europäischen Kultur durch die muslimische Einwanderung.
Nein, er geht viel weiter. Ich bin lediglich der Meinung, dass sich Muslime integrieren müssen, wenn sie hier leben wollen. Ich sage «integrieren», nicht «assimilieren». Der erste Schritt zur Integration besteht darin anzuerkennen, dass der Rechtsstaat über der Religion steht. So habe ich immer argumentiert. Ich habe nie den Islam als Religion kritisiert.

Warum nicht?
Weil es mich nichts angeht, was einer glaubt. Jeder kann glauben, was er will. Aber ich wehre mich dagegen, dass man die Steinigung von Frauen mit dem Hinweis auf den Koran relativiert, wie dies der Konvertit Nicolas Blancho in der Sendung «Arena» machte. Bei uns darf man Frauen nicht mit Steinen bewerfen, nicht einmal mit Kieselsteinen. Ich habe mich immer auf die rechtlichen Aspekte des Islam konzentriert. Deshalb wurde ich ja auch, anders als Wilders, nicht mit einer Fatwa belegt.

Werden Sie Ihre Kontakte zu Europas Rechten überdenken?
Ich wüsste nicht warum. Ich bin sehr beeindruckt von Geert Wilders’ Persönlichkeit. Dieser Mann strahlt eine grosse innere Kraft aus. Wilders weiss, was er tut. Das ist kein Luftikus, das ist ein Mensch, der sehr überlegt argumentiert und seine Worte genau auswählt. Er sagt zum Beispiel, dass die Muslime die ersten Opfer der Extremisten seien und dass man es nicht zulassen dürfe, dass die Extremisten alle Muslime in Geiselhaft nähmen. Natürlich, die Medien verschreien ihn als Extremisten. Aber das gehört zum Spiel. Dass er von den Islamisten zum Tode verurteilt wurde, belegt, dass er recht hat. Keiner, der den Papst kritisiert, muss um sein Leben fürchten.

Sie werden, trotz Norwegen, im September mit Wilders und dem amerikanischen Islamkritiker Robert Spencer nach Berlin zu einer Wahlveranstaltung der «Bürgerrechtspartei» «Die Freiheit» reisen?
Warum sollte ich nicht? Wilders und ich nehmen nur unsere demokratischen Rechte wahr. Es reicht, dass es uns verunmöglicht wurde, uns hier im Wallis zu treffen. Der Saal war ja schon reserviert, das Hotelzimmer gebucht, und da macht die Gemeinde einen Rückzieher. Dabei wusste sie, dass es bei der Veranstaltung um Geert Wilders ging. Wilders ist ein gewählter Volksvertreter und er wird, so denke ich, eines Tages holländischer Premierminister. Die Schweiz hat ein grosses Interesse an guten Beziehungen zu diesem Mann.

Was verbindet Sie mit Geert Wilders?
Wir kämpfen beide gegen eine falsche Toleranz dem islamischen Dogma gegenüber. Wir dürfen es nicht zulassen, dass in Europa zweierlei Recht entsteht, eines für uns und eines für die Muslime. In Grossbritannien, Frankreich und Holland gibt es bereits heute Quartiere, in die kein Polizist mehr einen Fuss setzt. Es gibt viele moderate Muslime, das wissen Geert Wilders und ich; aber es gibt keinen moderaten Islam. Das sage nicht ich, das sagt der türkische Premierminister Recep Erdogan.

Erstellt: 27.07.2011, 12:44 Uhr

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