Gemeinden interessiert an Demenzzentren in Thailand

In Thailand ist ein Resort für Schweizer Demenzpatienten im Entstehen. Kantone und vor allem finanzschwache Gemeinden zeigen Interesse, denn sie könnten viel Geld sparen.

Die Betreuungskosten explodieren: Ein Senior sitzt im Rollstuhl. (Archivbild)

Die Betreuungskosten explodieren: Ein Senior sitzt im Rollstuhl. (Archivbild) Bild: Keystone

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Das Schweizer Betreuungsnetz erreicht seine personellen und finanziellen Grenzen – jetzt wittern Investoren das grosse Geschäft mit kostengünstigen Angeboten im Ausland. Auch Kantone und Gemeinden zeigten Interesse an günstigen ausländischen Betreuungsangeboten für Schweizer Demenzkranke, berichtet die Zeitung «Schweiz am Sonntag»: Vor allem für finanzschwache Gemeinden, die sich bei Bedarf an den Pflegekosten beteiligen müssen, liesse sich mit den Angeboten viel sparen. In Thailand beispielsweise koste der Aufenthalt für Demenzkranke rund 5800 Franken pro Monat – halb so viel wie in der Schweiz.

Dort seien die Schweizer Patienten mehr als willkommen, schreibt die Zeitung weiter. Unter anderem sei in Thailand ein Grossprojekt mit sechs Wohneinheiten für rund 50 Demenzkranke und ihre Ehepartner am Entstehen. Das Resort umfasse einen 36'000 Quadratmeter grossen und gesicherten Park. Die Bewohner geniessen eine 24-Stunden-Betreuung und eine Atmosphäre nach Schweizer Art, mit eigener Bäckerei und Restaurant.

Finanziert wird das Projekt von einer Investorengruppe um den Baselbieter Vermögensverwalter Roger Holzer. «Wir haben viel Zeit und Geld in das Konzept investiert und dabei festgestellt, dass das Bedürfnis für solche Einrichtungen riesig ist», sagt Holzer gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Für ihn ist die Alzheimer-Einrichtung erst der Anfang, wie er weiter sagt. Neben dem Angebot für Demenzkranke wollen die Investoren nämlich weitere Resorts in Thailand aufbauen. So unter anderem für Burnout-Patienten und Suchtkranke. Laut Holzer ist die Nachfrage nach Betreuungsplätzen unerschöpflich.

Krankenkassen zahlen einen Beitrag

Ärzte wie der Demenzexperte Albert Wettstein gehen davon aus, dass in Zukunft vermehrt alte Menschen aus der Schweiz in ausländischen Heimen betreut und gepflegt werden – nicht nur Alzheimer-Kranke. Bereits jetzt bietet die Schweizer Firma Novacorpus Alters- und Pflegeplätze in Kroatien an. Und in Spanien können Schweizer Pensionäre einen Platz in einer englischen Altersheimkette buchen. Die Krankenkassen zahlen einen Beitrag an die Heimunterkunft, wenn sich diese in EU- oder Efta-Staaten befindet.

Skeptisch zeigt sich die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel, Mitglied der nationalrätlichen Gesundheitskommission, Demenzkranke im Ausland zu betreuen. Sie findet ein Abschieben von pflegebedürftigen Menschen, sei es bei Alzheimer oder einer anderen Krankheit, in ein Billiglohnland wie Thailand für ein reiches Land wie die Schweiz «nicht akzeptabel». Humbel: «Dazu ist es gegenüber den betroffenen Menschen unwürdig.» (fko)

Erstellt: 12.05.2013, 07:06 Uhr

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Kantone und Gemeinden zeigen Interesse an günstigen ausländischen Betreuungsangeboten für Schweizer Demenzkranke. Finden Sie es richtig, dass immer mehr alte Patienten im Ausland gepflegt werden sollen?

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