Genf ist am Ende

Die Welschen, sagt eine Versicherung, seien die traurigsten Schweizer.

Der Genfersee in der Dämmerung. Foto: Reuters

Der Genfersee in der Dämmerung. Foto: Reuters

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Zürich ist nach Luzern der glücklichste Kanton der Schweiz, jedenfalls behauptet das eine Studie der Zurich-Versicherung. Die lateinischen Kantone leben messbar unglücklicher, Genf trauert auf dem zweitletzten Platz, und auch Neuenburg, die Waadt und das Tessin sind im Gesamten unfroh.

Das führt zur Frage, wie sich Glück vermessen lässt. Die Antwort der Versicherung: Sie hat 2 Milliarden Google-Anfragen zu Themen wie Ausgehen, Luxus, Konsum oder Arbeit mit Statistiken kombiniert, zum Beispiel über Kriminalität und Arbeitslosigkeit. 19 Kantone wurden erfasst, bei den übrigen genügte die Datenmenge nicht.

Warum liegt Genf so weit abgeschlagen, warum befinden sich alle welschen Kantone und das Tessin in der unteren Listenhälfte? Der Stadtkanton leidet an zwei Problemen, die beide das Gefühl von Sicherheit und damit von Glück beeinträchtigen: eine hohe Arbeitslosigkeit und die Angst vor der Kriminalität. Genf hat tatsächlich die höchste Kriminalitätsrate der Schweiz, das Gefängnis Champ-Dollon ist seit Jahren massiv überbelegt. Und die Arbeitslosigkeit ist auch in den übrigen welschen Kantonen und im Tessin höher.

Am wenigsten Angst vor Krankheiten

Natürlich geht nicht alles auf. Genf hat auch die höchste Lebenserwartung der Schweiz und am wenigsten Angst vor Krankheiten, der behagliche Kanton Schwyz dafür am meisten. Der Kanton Schaffhausen steht bei der Kriminalität an zweiter Stelle, was offensichtlich mehr Einschätzung ist als Erfahrung. Umgekehrt bleibt die Angst vor Verbrechen in Zürich viel tiefer, als es die Statistik vermuten lässt. Dass die Zürcher sich so viel sicherer fühlen, als sie es sind, wird die Zurich-Versicherung freuen.

Es leuchtet auch nicht alles ein. Wer will nach Luzern zügeln, der in Zürich, Basel oder Genf gewohnt hat? Was ist so toll an St. Gallen oder am Aargau (dritter und vierter Platz?). Ist New York, New York nicht viel besser als Paris, Texas? Gehört zum Gefühl des Lebendigseins nicht auch ein gewisses Mass an Unsicherheit?

Die Luzerner werden sich aufregen und sagen, sie hätten eine grossartige Fasnacht und wenn das kein Beleg sei für das Glück, dann was? Dasselbe sagen die Basler auch; sie sind auf dem letzten Platz.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.02.2015, 22:58 Uhr

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