Gericht zwingt Schule, Prügelschüler wieder zu unterrichten

Wegen eines brutalen Übergriffs auf einen anderen Schüler wurden zwei junge Männer von einer Berufsschule in Genf suspendiert. Zu Unrecht, wie nun das Genfer Verwaltungsgericht entschieden hat.

Hier passierte der Vorfall: Die Genfer Berufsschule CFPC.

Hier passierte der Vorfall: Die Genfer Berufsschule CFPC. Bild: Olivier Vogelsang / Tribune de Genève

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10. Januar des vergangenen Jahres: In der Umkleidekabine einer Genfer Berufsschule attackieren ein 20- und ein 21-jähriger Mann einen Berufsschulkollegen, einer der beiden schlägt dem Opfer im Verlauf der Prügelei plötzlich mit dem Griff eines 25 cm langen Messers auf den Hinterkopf. Das Opfer erleidet eine Platzwunde, der Angreifer schneidet sich einen Finger zur Hälfte ab, weil er das Messer an der Klinge gehalten hat. Ein Gericht verurteilte die beiden zu 12 respektive 14 Monaten Haft auf Bewährung. Die Berufsschule schloss die beiden in der Folge auf Empfehlung des Genfer Staatsrats und Vorstehers der Erziehungsdirektion, Charles Beer, von der Ausbildung aus. Das Verwaltungsgericht hat das erstinstanzliche Urteil aufgehoben, seit gestern liegt die schriftliche Begründung vor.

«Ich stehe zu meinem Entscheid», kommentiert Charles Beer die Begründung des Verwaltungsgerichts gegenüber der «Tribune de Genève». Er findet, dass die zwei jungen Männer keinen Platz mehr in der Schule hätten. Denn trotz Therapie könne einer der beiden Täter seine Aggressionen noch nicht vollständig unter Kontrolle halten. Es sei seine Aufgabe, an den Schulen für Sicherheit und ein angenehmes Klima zu sorgen, sagte Beer. Der Vorfall habe an der Schule für viel Aufregung gesorgt. Er könne daher nicht garantieren, dass es nicht zu Aggressionen gegen die beiden Täter komme, sagte Beer weiter.

Schulausschluss als Präventionsmassnahme nicht erlaubt

Das Verwaltungsgericht hingegen war der Meinung, dass die Schule oder der Schulvorsteher nicht das Recht habe, die zwei Verurteilten als Präventivmassnahme von der Ausbildung auszuschliessen. Beer hätte dieses Recht lediglich bei einer konkreten Drohung gegen die Schule oder gegen das Leben und die Gesundheit der anderen Schüler gehabt.

Beer erklärte, er werde den Entscheid des Verwaltungsgerichts nicht weiterziehen. «Wir werden den beiden eine Fortsetzung der Ausbildung auf den Schulbeginn 2013 ermöglichen. Jedoch nicht unbedingt in der Schule, die sie früher besucht haben», fügt der Staatsrat an. Er wolle kein weiteres Risiko für die Schüler in Kauf nehmen. Die Anwälte der beiden Täter zeigten sich erfreut über das Urteil. Einer der beiden sagte, seinem Klienten liege viel daran, die Schule zu beenden. Und der Anwalt des zweiten erklärte, die Massnahme, die Erziehungsdirektor Beer angeordnet habe, gehe zu weit und zwinge die beiden, auf der Strasse rumzulungern. «Das ist nicht seine Aufgabe», so der Anwalt. (heb)

Erstellt: 24.04.2013, 12:04 Uhr

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