So heisst die Schweiz Der längste im elektronischen Telefonbuch registrierte Name umfasst so viele Buchstaben wie das Alphabet:

Gestatten, Herr und Frau Thirugnanasampanthamoorthy

Der Alltag der Familie mit dem längsten Namen der Schweiz ist kompliziert. Trotzdem wollen sie ihren Namen noch nicht ändern.

Die meisten Schweizer schaffen es nur bis zur dritten Silbe: Herr und Frau Thirugnanasampanthamoorthy.  Foto: Claudia Bader

Die meisten Schweizer schaffen es nur bis zur dritten Silbe: Herr und Frau Thirugnanasampanthamoorthy. Foto: Claudia Bader

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Herr Eugénio Abraul Carreira Pereira De Carvalho aus Lucens VD, oder die Familie Frischknecht-Bernhardsgrütter aus Wittenbach SG, haben zwar noch mehr Buchstaben in ihren Nachnamen. Doch sie können zur Not auch nur einen Teil davon angeben. Etwa dann, wenn sie am Telefon ein Hotelzimmer buchen oder beim Arzt ein Formular ausfüllen.

Diesen Luxus kennen Herr und Frau Thirugnanasampanthamoorthy nicht. Sie sind immer gezwungen, alle Zeichen ihres Namens zu buchstabieren, nämlich 26, genauso viele wie das Alphabet Buchstaben hat. Das wird dann mühsam, wenn die Person am anderen Ende der Telefonleitung bei Buchstabe 20 den Faden verliert und darum bittet, nochmals von vorne anzufangen.

Die Thirugnanasampanthamoorthys tragen laut Onlinetelefonbuch Search.ch den längsten zusammenhängenden Nachnamen der Schweiz. Auf Tamilisch bedeutet der Name: der von den Göttern Milch trank und somit stark wurde. «So richtig gestört hat mich mein Name bei der Geburt unserer Kinder», erklärt die heute 30-Jährige. Der Name passte im Spital nicht vollständig auf das Band, das die Krankenschwester um die Handgelenke ihrer beiden neugeborenen Söhne wickelte.

Irrlauf durch die Wälder

Wir treffen uns mit dem Ehepaar in einer Bar in Bellinzona, gleich gegenüber ihrer Wohnung an der Via Franco Zorzi. Hier, auf der dritten Etage eines sechsstöckigen Hauses wohnen die gläubigen Hindus seit sieben Jahren. Herr Thi­rug­na­nasampanthamoorthy ist schon seit 22 Jahren in Bellinzona und arbeitet als Koch. Mit 18 Jahren flüchtete der heute 40-Jährige aus dem damals umkämpften Süden von Sri Lanka. Seine Familie kratzte für ihn Geld zusammen für einen günstigen Flug in die rumänische Hauptstadt Bukarest.

Das grosse Ziel war aber die Schweiz. Mit Bussen reiste er via Ungarn und die damalige Tschechoslowakei nach Österreich. Hier ging Herrn Thirugnanasampanthamoorthy und den anderen rund zwei Dutzend Flüchtlingen das Geld aus. Sechs Monate – so erzählte er – irrten sie in den Wäldern Österreichs herum, immer gegen Westen, bis sie schliesslich in der Schweiz aufgegriffen wurden.

Herr Thirugnanasampanthamoorthy erinnert sich an schlaflose Nächte, während er auf den Entscheid seines Asylantrags wartete. Unter anderem deshalb, weil das Namensfeld des Meldeformulars nur Platz für 22 Buchstaben führte und er somit seinen Namen nicht vollständig ausschreiben konnte.

Die interaktive Namenskarte

Heute hat er den roten Pass. Er spricht fliessend Italienisch mit Tessiner Dialekt und geht immer fleissig abstimmen. Wo er das letzte Mal sein Kreuzchen auf dem Stimmzettel gesetzt hat, mag er nicht sagen. Bald soll es auch für seine Gattin mit der Schweizer Staatsbürgerschaft so weit sein. «Alle Formulare sind ausgefüllt. Alles bezahlt», sagt sie stolz.

Auch in ihrem Fall galt: Das Formular hatte nur Platz für 22 Buchstaben. «Statt es anzupassen, haben uns die Behörden gefragt, ob wir unsere Namen ändern wollen.» Das will die Familie nicht. Noch nicht. Das wäre respektlos gegenüber von Herrn Thirugnanasampanthamoorthys Vater. «Erst wenn er nicht mehr unter uns ist», erklärt das Ehepaar, «werden wir unseren Namen ändern.»

Sie denken dabei vor allem an ihre Kinder. Ihnen bliebe damit erspart, sich bei jeder neuen Bekanntschaft minutenlang mit dem eigenen Namen aufhalten zu müssen. «Wir haben noch keinen Schweizer getroffen, der unseren Namen richtig aussprechen kann», erklären Herr und Frau Thirugnanasampan­thamoorthy. Die meisten kommen nur bis zur dritten Silbe. Dann erbarmt sich das Ehepaar ihrer und spricht den eigenen Namen fertig.

Sie wissen bereits, wie ihr neuer Nachname lauten soll: «Moorthy», so wie die Arbeitskollegen Herrn Thirugnanasampanthamoorthy nennen. «Wie finden Sie ihn?», fragt das Ehepaar, «tönt sogar nach Schweizer Name, oder?» Stimmt. Wir pflichten bei. Aber wir finden, dass Thirugnanasampanthamoorthy trotzdem besser tönt.

Erstellt: 06.01.2015, 20:33 Uhr

Frau Thirugnanasampanthamoorthy, die Frau mit dem längsten Namen der Schweiz. Video: Barnaby Skinner

Herr Thirugnanasampanthamoorthy, der Mann mit dem längsten Namen der Schweiz. Video: Barnaby Skinner

Serie

Nachnamen in der Schweiz

Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat alle Einträge privater Haushalte des Onlinetelefonbuchs Search.ch auf eine Schweizer Karte kartografiert und Muster herausgearbeitet. Unter namen.tagesanzeiger.ch können Sie auf einer interaktiven Karte prüfen, wie Ihr Name in der Schweiz verteilt ist. Dieser Artikel ist der dritte Teil einer Serie über Nachnamen in der Schweiz. Tagesanzeiger.ch/Newsnet

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