Gewerbeverband spannt Thiel im Kampf gegen Billag ein

«Keine Daseinsberechtigung»: In einem Interview mit der «Schweizerischen Gewerbezeitung» zieht der Satiriker gegen SRF vom Leder und mutmasst über Schawinskis Lohn.

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Der Streit zwischen Moderator Roger Schawinski und Satiriker Andreas Thiel ist nach der missglückten Talksendung im Dezember des letzten Jahres etwas abgeflacht. Doch jetzt tritt Thiel nochmals nach. Oder anders verstanden, er erhält vom Gewerbeverband die Gelegenheit dazu. Und er schiesst gleich auch noch gegen das SRF.

In der aktuellen Ausgabe der «Schweizerischen Gewerbezeitung» macht der Verband in vier Beiträgen mobil gegen die «neue Billag-Mediensteuer». Über die Vorlage wird das Volk am 14. Juni abstimmen. Der Verband hatte das Referendum ergriffen und führt nun auch den Abstimmungskampf.

Einer der vier Beiträge fällt besonders auf: Ein Interview mit Andreas Thiel zum SRF. Die Antworten des Satirikers gleichen einer persönlichen Abrechnung mit dem öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen. Er erwarte nichts mehr vom Sender, sagte er. «Ein zwangsfinanzierter Staatssender hat in der heutigen medialen Welt keine Daseinsberechtigung mehr.» Er äussere sich jetzt, weil das SRF lange genug Zeit gehabt habe, um Schawinskis «Verleumdungen und Ehrverletzungen» richtigzustellen, sagte er der Gewerbezeitung.

Thiel geht auch nochmals auf seinen Kontrahenten Roger Schawinski ein. Er bezeichnet diesen unter anderem als «ungebildet» und «schlecht vorbereitet». Zudem sagt er: «Ich habe gehört, dass Schawinski ein Jahressalär von 300'000 Franken abzockt.» Er wisse aber nicht, ob das stimme. Der «Blick» hat nachgefragt: «Völlig falsch», sagt Roger Schawinski. Und auch SRF äusserte sich: «Die Summe ist völlig überrissen und entspricht in keiner Weise den Tatsachen», sagte der Sender dem «Blick». Schawinski selber sagte im Jahr 2012, er erhalte pro Sendung 3000 Franken. Bei 40 Sendungen wären das 120'000 Franken.

«Aussagen klar eingeordnet»

Trotz dieser offensichtlich persönlichen Abrechnung empfand der Gewerbeverband Thiel als geeigneten Interviewpartner. Die Gewerbezeitung übernahm Thiels Anschuldigungen sogar und bezeichnete Schawinski als «teuersten Talkmaster der Schweiz».

Kommunikationschef Bernhard Salzmann erklärt auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Für eine 30-minütige Talksendung einmal in der Woche wird es schwerlich einen Moderator geben, der mehr verdient» – unabhängig davon, ob man von Thiels oder Schawinskis Zahl ausgehe. «Es ist aber schon möglich, dass wir eines Besseren belehrt werden und bei der SRG noch höhere Löhne bezahlt werden.»

Man habe Thiel als Interviewpartner gewählt, weil sein Auftritt bei Schawinski exemplarisch für die «Verschleuderung von Gebühren unter dem Deckmantel eines eigenhändig definierten Service public» stehe. Thiels Aussagen im Interview mit der Gewerbezeitung könnten durch den Bezug auf die aus dem Ruder gelaufene Sendung «klar eingeordnet werden», sagt Salzmann.

Erstellt: 10.04.2015, 11:57 Uhr

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